Eröffnung der 38. Bildungswoche durch BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger und Anna Singer, Geschäftsführerin des Steinzentrums Hallein.

Rund 90 Teilnehmer trafen sich vom 8. – 10. Jänner 2025 zur traditionellen Bildungswoche der österreichischen Steinmetze. Veranstaltungsort war das Sporthotel Royer in Schladming. Mit insgesamt 50 beteiligten Firmen war die Tagung ein großer Erfolg für das österreichische Steinmetzhandwerk.

Themen der Fachvorträge waren:
* Bauvertragsrecht für Nicht-Juristen
* Normen
* Gestaltung von Grabdenkmalen
* Social Media
* Bodenbeläge auf Stelzlagern
* Massivbau mit Naturstein
* Handwerk und Digitalisierung
* Steinmetze auf der OÖ-Landesgartenschau in Schärding 2025
* Bauen im Bestand

Im Folgenden die Kurzdarstellung der Vorträge, wie sie das Steinzentrum Hallein als Veranstalter übermittelte:

Über „Bauvertragsrecht für Nicht-Juristen, einfach und verständlich!“ referierte Dr. Bernd Haintz am ersten Tag der Bildungswoche. Den Schwerpunkt legte der Geschäftsführer der Landesinnung Bauhilfsgewerbe Steiermark auf das Thema Ausschreibungen. Da viele Ausschreibungen mangels Sachkenntnis, aber auch mit Absicht bewusst missverständlich von Ausschreibern formuliert werden, sei besondere Vorsicht geboten. Vor allem Fallstricke bei den Formulierungen von Kostenvoranschlägen und Angeboten und deren Auswirkungen auf die Vertragspartner standen im Mittelpunkt, beispielsweise beim Umgang mit Mehrkosten und der daraus resultierenden Hinweis- und Warnpflicht bei Überschreitung über 15 Prozent. Ebenso wies Dr. Bernd Haintz darauf hin, welche Folgen der Vertragsabschluss außerhalb des Firmengebäudes für Auftraggeber und Auftragnehmer hat. Haintz empfiehlt, beispielsweise Aufträge für Grabdenkmale unbedingt innerhalb des Firmengebäudes abzuschließen, weil sonst ein Vertrag nach dem Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz (FAGG) einschließlich 14tägigem Rücktrittsrecht vorliegt. Mit Spannung verfolgten die Teilnehmer auch die Erläuterungen zu den Unterschiedenzwischen Einheitspreisen, Regiestunden und Pauschalen und unter welchen Voraussetzungen Kostenvoranschläge entgeltlich erstellt werden können.

Roman Toth, Vorsitzender AK Normen widmete sich in seinem Vortrag aktuellen Entwicklungen in der Normenarbeit. Dabei stellte er die wesentlichen Inhalte verschiedener neuer oder aktualisierter Normen vor, darunter die ÖNORM B3694 zur Planung von Abdichtungen im Innenbereich, welche Planer beim Feuchteschutz im Innenbereich in die Pflicht nimmt sowie die ÖNORMEN Z2161 zur Rutschhemmung von Fußböden und die ÖNORM EN 16165 zur Bestimmung der Rutschhemmung. Im zweiten Teil seines Vortrags fragte Roman Toth rhetorisch „Muss immer alles NORMgerecht sein?“ Dazu zitierte er Beispiele aus Leistungsverzeichnissen (LV), die zu Irrtümern und Fehlern führen können. Erscheint in einem LV der Passus „(…) inkl. aller einschlägigen Normen“, kann dies zu Missverständnissen führen, weil es stark variieren kann, was unter „einschlägig“ im konkreten Fall zu verstehen ist. Roman Toth wies auch darauf hin, wie sich Normen und der Stand der Technik unterscheiden: Normen geben wieder, was als bewährt anerkannt wird, der „Stand der Technik“ geht darüber hinaus, wird aber noch nicht von allen Auftragnehmern ausgeführt. Wird bei einem Auftrag die ÖNORM B2213 vereinbart, regelt diese die Rechte und Pflichten der Steinmetze, aber auch der Auftraggeber, sowie die Voraussetzungen einer Leistung, beispielsweise ein verlegereifer Untergrund.

Seine individuelle Herangehensweise bei der Gestaltung von Grabdenkmalen schilderte Raimund Fuchs in seinem Vortrag. Um unverwechselbare Unikate zu entwerfen, nutzt der Steinmetzmeister aus Bergheim bei Salzburg auch digitale Werkzeuge wie die App „Sketchbook“, die auf dem Tablet ein schnelles Entwerfen und Zeichnen direkt am Bildschirm erlaubt. Darüber hinaus präsentierte der Grabmalpreisträger von 2022 die Ergebnisse einer Umfrage, die er in seiner Heimatgemeinde zum Thema Friedhofsnutzung durchgeführt hat.

DNV-Präsident Hermann Graser appellierte in seinem Vortrag, Naturstein wieder mehr als tragendes Element in massiven Baukonstruktionen einzusetzen.

Unter dem Titel „Social Media und KI – Fluch und Segen“ präsentierte Mag. Richard Watzke aktuelle Trends bei Sozialen Netzwerken und dem rasant wachsenden Angebot an KI-Programmen zur Erzeugung von Texten, Bildern und Videos. Nach einer Einführung zum Nutzerverhalten der verschiedenen Plattformen erläuterte der Steinmetz und freischaffende Journalist, wie über sog. virales Marketing in den Sozialen Netzen Produkte blitzschnell beworben werden und wie Podcasts die öffentliche Meinung vor Wahlen prägen. Beispiele wie die Gestaltung von Avataren, Musterküchen oder Grabdenkmalen führten den Teilnehmern vor Augen, wie weit die Programme zur Bild- und Videoerzeugung bereits entwickelt sind, wo es aber durchaus noch technische Probleme gibt. Nach dem Vortrag waren sich alle Anwesenden einig, dass eine KI wie ChatGPT trotz vieler ungeklärter Fragen enorme Möglichkeiten bietet, firmeninterne Prozesse zu beschleunigen und zeitintensive Büroarbeiten rationeller zu bewältigen.

Am Donnerstag gab Steinmetzmeisterin und gerichtlich zertifizierte Sachverständige Karin Deisl Tipps zum Umgang mit Bodenbelägen auf Stelzlagern. Ihr Vortrag „Stolperstufen und Sonderkonstruktionen, Natursteinverlegung auf Stelzlager und Co“ zeigte, dass diese Verlegeart in letzter Zeit deutlich zunimmt und welche Regelwerke bei der Planung zu berücksichtigen sind. Auch wenn es Stelzlager mit deutlich höheren Aufbauten gibt, empfahl Karin Deisl, eine Aufbauhöhe von 12 Zentimetern bis Plattenunterkante nicht zu überschreiten. Als Regelwerke für diese Konstruktionsart wurde unter anderem die ÖNORM B3113 angesprochen, welche wesentliche Parameter wie das Gefälle des Untergrunds, Plattenstärken und die Position der Lager regelt. Weitere Erwähnung fanden das BIV-Merkblatt 6.01 über Bodenbeläge im Außenbereich, das Technische Merkblatt BTI 1.4 vom DNV sowie Merkblätter der Pflasterer und Fliesenleger. Anhand realer Schadensfälle leitete die Sachverständige wichtige Tipps wie die Prüfung der Tragfähigkeit der Dämmung, wenn diese als Untergrund der Verlegung dient. Neben der korrekten Plattenbemessung appellierte Karin Deisl auch, die Qualität der Belagplatten selbst zu prüfen und darauf zu achten, dass beispielsweise bei Sedimenten keine Nester im Material vorhanden sind.

Einen Überblick über die Vorteile des Massivbaus mit Naturstein bot Hermann Graser. Der Präsident des Deutschen Natursteinverbands, kurz DNV, appellierte, nicht zuletzt aus Gründen der CO2-Einsparung im Bauwesen Naturstein wieder als das zu betrachten, was er einmal war, nämlich als einen echten Baustoff und nicht bloße Dekoration. Anhand des Energiebedarfs verschiedener Konstruktionsarten von der Erstellungsphase bis zum sog. end-of-life verdeutlichte der Vortrag, welche ökologischen Vorteile Naturstein dank seiner niedrigen Energiebilanz und Kreislauffähigkeit besitzt. Mit Beispielen aus Deutschland, Frankreich, England und Spanien belegte Hermann Graser, wie sich Stein als tragendes Element der Konstruktion optimal einsetzen lässt. Der Vortrag schloss mit Informationen zu aktuellen Kooperationen des Bamberger Natursteinwerks Hermann Graser mit der TU Dortmund, wo Studenten über Tragstrukturen aus Naturstein forschen. Ziel der Kooperation ist, eine junge Generation angehender Architekten zu motivieren, sich mit dem Naturbaustoff Stein stärker auseinanderzusetzen.

Über Handwerk und Digitalisierung referierte Gerhard Fraundorfer. Der Steinmetz- und Hüttenbaumeister des Linzer Mariendoms schilderte restauratorische Maßnahmen, unter anderem am Figurenschmuck und an Maßwerkelementen der neogotischen, 1924 fertiggestellten Kirche – gemessen an ihrer Kubatur die größte Kirche Österreichs. Krustenbildungen und Abschalungen sind charakteristische Schadensbilder des zur Erbauung verwendeten Quarzsandsteins aus Niederösterreich. Rekonstruktionen nicht mehr erhaltbarer Bauteile werden aus Ersatzmaterialien gefertigt, sofern kein Originalmaterial mehr verfügbar ist. Die Möglichkeiten der Digitalisierung erläuterte der Hüttenbaumeister anhand eines Scans des gesamten Doms in Form einer präzisen Punktwolke, die es erlaubt, die Statik des Bauwerks wie bei einem gläsernen Modell zu visualisieren. Digitaltechnik dient auch der Öffentlichkeitsarbeit des Bauwerks: Im Rahmen von Kunstprojekten wird der Dom mit Visualisierungen eindrucksvoll angestrahlt, um das Bauwerk der breiteren Öffentlichkeit wieder in Erinnerung zu rufen.

Podiumsdiskussion zum Zukunftsmarkt „Bauen im Bestand“ (v.l.n.r.): Moderator Mag. Richard Watzke, Josef Kaindlbauer (Graz), Markus Steininger (BIV Deutschland), Wilhelm Schreiber (Poysdorf),  BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger (Schlüßlberg), LIM Kärnten Helmut Cekoni-Hutter (Ferlach).

Im Vortrag „In Sich: Ausstellung persönlich kreierter Werke der österreichischen Steinmetze auf der OÖ-Landesgartenschau in Schärding 2025“ berichtete Projektleiter Dr. Arnold Reinthaler über ein Projekt mit 12 Steinmetzen, die sich mit dem Thema Selbstporträt auseinandersetzen. Nach einem Überblick über das Selbstporträt in der Kunstgeschichte stellte der in Wien lebende Künstler die individuellen Arbeiten der Teilnehmer vor, die von einem stilisierten „i“ bis zu einem schwarzen Steinsockel samt einer Banane aus gelb bemaltem Marmor reichen. Wie diese Arbeit spielen mehrere Beiträge augenzwinkernd mit bekannten Sujets der modernen Kunst. Begleitet wird die Ausstellung in Schärding von einer hochwertig gestalteten Broschüre, die zur Imagepflege der Steinmetze beitragen soll.

Das für alle am Bau beteiligten Steinmetze immer wichtigere Thema „Bauen im Bestand“ beleuchtete Mag. Richard Watzke.

Auf die Einführung zur Bedeutung der EU-Gebäuderichtlinie und die darin festgehaltene CO2-Reduzierung im Bauwesen schloss eine Podiumsdiskussion mit fünf Steinmetzen über die Chancen und Herausforderungen dieses Marktes für Steinmetze an. Diskussionsteilnehmer waren der Kärntner LIM Helmut Cekoni-Hutter aus Ferlach, Josef Kaindlbauer aus Graz, BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger aus Schlüßlberg, Wilhelm Schreiber aus Poysdorf sowie der deutsche Bundesinnungsmeister Markus Steininger aus München. Die Teilnehmer stellten anhand eigener Praxisbeispiele – darunter Fassaden-, Treppen- und Badezimmersanierungen – die Herausforderungen und Lösungen bei den jeweiligen Projekten dar.

Erstmals zu Gast auf der Bildungswoche war der Präsident des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes, Hermann Graser: „Ich gratuliere den österreichischen Kollegen herzlich zu dieser wunderbaren Veranstaltung. Für mich stehen bei solchen Veranstaltungen immer das Netzwerken und der kollegiale Umgang miteinander im Mittelpunkt. Anders als bei einem Online-Kurs bekommt man neben dem Input an Wissen vor allem die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen und auszutauschen. Das ist der entscheidende Erfolgsfaktor, warum so ein Format so gut funktioniert.“

Wie der DNV-Präsident hob auch der deutsche Steinmetz-Bundesinnungsmeister Markus Steininger das hohe Niveau der Bildungswoche hervor: „Eine tolle Veranstaltung, ausgezeichnet organisiert und mit sehr interessanten Themen.“ Besonders die Diskussionsrunde zum Bauen im Bestand habe den anwesenden Nachwuchs-Fachkräften und Jungmeistern einen Horizont eröffnet und gezeigt, wo in diesem Marktsegment die Hindernisse und Herausforderungen bestehen und wie man sie bewältigen kann.

In seiner Eröffnungsrede hatte BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger hervorgehoben, dass die Bildungswoche für viele Steinmetze aus ganz Österreich zu den Pflichtterminen zählt. Unter anderem nannte er den engen Zusammenhalt der Steinmetze: „Die Steinmetzfamilie hat in Österreich wunderbar zusammengefunden. Wir sind Kollegen und Freunde geworden, die sich großartig austauschen, sogar grenzüberschreitend mit deutschen Steinmetzen.“

Auch Helmut Cekoni-Hutter, LIM Kärnten, lobte die gute Stimmung in Schladming: „Die anderen Gewerke beneiden uns geradezu um diese Veranstaltung, die durch Anna Singer, Geschäftsführerin des Steinzentrums Hallein, wie in den Jahren zuvor auch heuer wunderbar organisiert wurde.“

Beim abschließenden Festabend wurden die Jungmeister 2024 geehrt. Anwesend waren Nadine Kanzler, Adrian Asimus und Georg Weninger.

Neben der Verleihung von Ehrennadeln an Jungmeister wurden als eine beliebte Tradition der Bildungswoche sogenannte Putzmatzen – Anstecknadeln in Form eines historischen Steinmetzwerkzeugs – in Silber und Gold verliehen. Eine Putzmatz in Gold erhielt DNV-Hermann Graser. Die zweite goldene Putzmatz ging an Kurt Schwarz aus Moschendorf. Putzmatze in Silber erhielten Wilhelm Schreiber, Mag. Richard Watzke sowie Hannes Lapitz.

Am Freitag tagten die Delegierten der Berufsgruppensitzung sowie der Vorstand des Steinzentrums Hallein. Alle anderen Teilnehmer hatten die Gelegenheit, bei strahlender Wintersonne einen Skitag auf der Planai zu verbringen.

Großer Dank seitens der Organisatioren ging auch an die langjährigen Mitaussteller und Unterstützer aus: 2025 beteiligten sich die Firmen Ardex GmbH, Bostik GmbH (Austria), CNC-Graveur.at, Fickert & Winterling Maschinenbau GmbH, Gemar GmbH Profilitec Vertrieb Österreich Gemba Handelsges.m.b.H, Innomax GmbH, Mapei GmbH, Poschacher GmbH, Sopro Bauchemie GmbH sowie die Weha GmbH.

Quelle: Steinzentrum Hallein

Fotos: Richard Watzke, Freilassing

See also: