Superflex: „Fish Cube“.Superflex: „Fish Cube“.

Steinerne Strukturen in den Ozeanen sind Zonen voller Leben, seien es Korallenriffe, Hänge von Unterwasserbergen oder jene Felsbrocken, die Umweltschützer vor den Küsten gelegentlich ins Wasser werfen, um die Fischerei zu behindern. Die dänische Künstlergruppe „Superflex“ kommt zusammen mit KWY.studio nun mit einer ungewöhnlichen Vision zum Thema der Steine im Wasser heraus: „Angesichts des steigenden Meeresspiegels ist es wichtig zu überlegen, wie menschliche Bauwerke in Zukunft von Fischen genutzt werden können,“ schreiben sie provozierend.

Die Feststellung ist nur als Einstieg in ihren Gedankengang gemeint, nämlich der Idee zur „Entwicklung einer skulpturalen Infrastruktur, die für Menschen als Kunst und für Fische als potenzieller Lebensraum dienen könnte.“

Superflex: „Fish Cube“.

Worum es den Künstlern geht, ist, ein generelles Umdenken anzustoßen: dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern nur ein Teil des Lebens auf unserem Planeten, und dass auch die Tiere und Pflanzen ein Recht auf Dasein haben.

Wir hatten schon über die „Interspecies Assembly“ (Artenübergreifende Versammlung) berichtet, die Superflex zusammen mit KWY.studio für die Public Art Biennale im Emirat Abu Dhabi geschaffen hat (noch bis zum 30. April 2025). Die Arbeit, um die es nun geht, ist der Fischwürfel (Fish Cube), den sie im Park des Klosters Mosteriro de Tibães in der Stadt Braga in Portugal aufgestellt haben. Es beherbergt zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit des portugiesischen Weltreichs.

Ausgangspunkt war ein gewöhnlicher Würfel aus portugiesischem Pink Marble – für Superflex ein Symbol für das Selbstverständnis der Wissenschaft: Denn ein Würfel ist aus Sicht der Mathematik zwar ein faszinierendes Objekt, aus Sicht der Tiere und Pflanzen jedoch weitgehend uninteressant.

Deshalb haben die Künstler diesen Würfel mit einer Seilsäge zerschnitten, und zwar nicht in perfekte Würfel oder Quader, sondern in Elemente mit jeweils einer runden Kante. Der rechte Winkel, zentrales Element der menschlichen Architektur, wird zwar nicht verteufelt, aber ein bisschen zurechtgestutzt.

Diese Einzelteile haben die Künstler neu zusammengesetzt, dabei teils gedreht, gewendet und in viele Richtungen wachsen lassen. Die Struktur, die dabei entstanden ist, findet man überall in der Natur, etwa bei Bäumen als Verzweigungen, oder in der Wiese als Grasshalme, die geknickt sind.

Superflex: „Fish Cube“.

Die ursprüngliche Oberfläche des Würfels wurde so erweitert. Zusätzlich kamen Zwischenräume dazu. Wenn der Betrachter gedanklich noch das Wasser ergänzt, kann er die Fische, vielfältig geformten Wassertiere wie Korallen und bunte Pflanzen unschwer sehen.

Die Botschaft der Künstler lautet: „Fish Cube schlägt vor, dass die Menschen ihre Bauten auch mit einem Blick auf andere Spezies ausführen, weg von dem anthropozentrischen Ansatz und hin zu einem Leben inmitten aller Arten.“

Superflex

KWY.studio

Fotos: Adriano Ferreira Borges/INDEX

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