Fassadengroße Wandmosaike aus bunten Natursteinen waren von den 1950ern bis 1970er in Lateinamerika in Mode. Berühmte Beispiele findet man in Chile von der Künstlerin María Martner, in Mexiko von Juan O’Connor.
Auch heute noch widmen sich Künstler solchen Mischformen aus Mosaikkunst und Bildhauerei. Meist handelt es sich jedoch um kleinere Arbeiten in privatem Auftrag.
Eine der Arbeiten von Maria Martner in Santiago de Chile wird derzeit auf ihre Standfestigkeit untersucht.
Weltberühmt ist die Arbeit des Künstler Juan O’Connor für die Zentralbibliothek Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM): Alle vier Fassaden des schachtelartigen Gebäudes sind mit Steinmosaiken verkleidet – das macht insgesamt rund 4000 Quadratmeter Fläche oder Millionen von Steinbrocken aus. Der Künstler, der aus einer irischen Familie stammte, ließ das Material aus ganz Mexiko zusammentragen.
1956 wurde die Bibliothek der Öffentlichkeit übergeben. Jede Fassadenseite behandelt ein bestimmtes Thema: auf der Nordseite geht es um Mexikos Geschichte vor der Zeit der Spanier, die Südseite zeigt die Kolonialzeit, im Osten geht es generell um die Gegenwart und im Westen um die Universität sowie das Mexiko von heute. „Mit diesen Mosaiken sollte sich die Bibliothek von den anderen Gebäuden der Ciudad Universitaria unterscheiden und einen besonderen mexikanischen Charakter bekommen“, wird der Künstler bei Wikipedia zitiert.
Im Jahr 2007 wurde der gesamt Campus, zu dem mehr als 60 Architekten, Bauingenieure und Künstler Beiträge leisteten, von der Unesco in den Rang eines Weltkulturerbes aufgenommen. Die Anlage zählt zu den wichtigen Touristenzielen im Land.
Die Wandmosaike von chilenischen Künstlerin María Martner (1921 – 2010) in Chiles Hauptstadt Santiago sind weit von diesem Bekanntheitsgrad entfernt. Auffallend sind die Verbindungen nach Mexico, die im Sinne einer fortschrittlichen Internationale auch für die damalige Zeit stehen: Das Werk „Tupahue“ im Metropolitan Park der Stadt wurde von Juan O’Gorman entworfen, das Thema ist die Völkerfreundschaft zwischen Mexico und Chile. Es stammt aus dem Jahr 1964 und ist 27 Meter breit und 6,75 Meter hoch.
Dargestellt werden Caupolicán, ein Kriegshäuptling der Mapuche im Süden Chiles, der sich hartnäckig der spanischen Conquista entgegenstellte, und Cuauhtémoc, der letzte aztekische Herrscher von Tenochtitlán, der erbittert gegen Hernán Cortés kämpfte. Eingearbeitet in die Darstellung sind wichtige nationale Symbole: für Chile der Guanako, die Urform des Lamas, der Kondor und eine Weinrebe, für Mexiko der Gepard, der Adler und ein Maiskolben.
Wie das National Institute of Anthropology and History (INAH) Anfang November 2024 mitteilte, wird derzeit der Zustand des Kunstwerks überprüft. Zum Einsatz kommen dafür nicht-zerstörerische Methoden wie Georadar oder elektrische Messungen. Unter anderem geht es darum, ob Feuchtigkeit der Stahlbetonmauer geschadet hat, an der das Mosaik angesetzt ist, ob die Witterung die Steine hat erodieren lassen oder ob die Wurzeln einer parasitären Pflanze schon Schäden angerichtet haben.
Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass es keine „strukturellen Schäden“ zu geben scheint, heißt es auf der Webpage des (INAH). Beteiligt sind auch Forscher der Universität Straßburg in Frankreich.
Ebenfalls zu den Nationaldenkmälern von Chile zählt das Wandmosaik „Los peces del frío“ im Park der Stadt Chillán Viejo von María Martner. Es wurde 1973 eingeweiht und stellt das Leben des Militärs und Freiheitskämpfers Bernardo O’Higgins Riquelme dar, der nach dem Unabhängigkeitskampf zum ersten Führer des Landes ernannt und mit dem Titel Director Supremo ausgezeichnet wurde.
Die Arbeit misst 60 m Breite und 6 m Höhe.
Das Wandbild mit dem Titel „Leben im Ozean“ (Vida Oceánica) in der Gemeinde Valparaíso wurde von María Martner während der Feierlichkeiten zur Meeresmesse dort im Jahr 1973 fertiggestellt. Es ist 8,05 m breit und 1,98 m hoch.
Auf der Webpage der Nationaldenkmäler Chiles (Conseio de Monumentos Nacionales De Chile, CMN) wird die Bedeutung von María Martner für die Kultur des Landes gewürdigt: Sie
* stelle die Geschichte des Landes dar;
* gebe die raue Geographie Chiles wider;
* widme sich der neuen Rolle der Frau in Chile;
* dokumentiere die 1960er und 1970er Jahre, wo es vielen Künstlern darum ging, Arbeit und Gesellschaft zusammenzubringen;
* ihre Arbeiten nehmen Anteil an der Politik, greifen die Werte matriarchaler Ordnungen auf und setzen sich ab von der religiösen Ausrichtung anderer Bildhauer.
Instituto Nacional de Antropología e Historia, INAH (spanisch)
Conseio de Monumentos Nacionales De Chile (spanisch)
Fotos: Wikimedia Commons







