Als Goldmedaillengewinnerin bei den EuroSkills macht Melanie Seidl Werbung für die Ausbildung zum Steinmetz.Spaß auf der LinkedIn-Seite: Melanie Seidl als Pharaonin mit Meißel und Hammer.Bawag-Frauenpreis 2025: Melanie Seidl (Mitte) zwischen Christine Marek (links), Laudatorin und ehemalige Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium in Wien, und Dr. Eva Liebmann (rechts), Bawag.

Die drei Bilder zeigen die österreichische Steinmetzin Melanie Seidl: oben auf einem Plakat als „Heroine“ (Heldin) für ihren Beruf, in altägyptischer Pose auf ihrer eigenen Linkedin-Seite und bei der Ehrung für den Bawag-Frauenpreis im Februar 2025. Diese Auszeichnung bekam sie für ihr Engagement für das Handwerk und für eine moderne Frauenrolle.

Erstmals war sie im Jahr 2011 in der Öffentlichkeit aufgetreten. Das war bei den WorldSkills in London, wo sie die erste Frau war, die als Steinmetzin an diesen Weltmeisterschaften der Berufe sich der Konkurrenz stellte. Sie brachte es immerhin auf Platz fünf.

Ein Jahr später, bei den EuroSkills in Spa in Belgien, kam sie auf den ersten Platz und errang die Goldmedaille.

Die Erfahrung des Ruhms sei beeindruckend gewesen, wird sie auf einer Webpage der Skills Austria zitiert: „Alle wollen dich haben.“ Ein perfekter Start also für eine Karriere unter den Bekannten und Auffälligen. Was aber machte Melanie Seidl daraus?

Sie zog in die österreichischen Berge auf die Mayrhofalm nahe ihrem Geburtsort Werfenweng auf 1570 Metern Seehöhe und bewirtschaftet seitdem dort im Sommer Gäste. Das Steinmetzhandwerk als ihre große Leidenschaft nahm sie mit: Sie hat sich dort eine Werkstatt eingerichtet, und bei Nachfrage erklärt sie den Besuchern gern, was es mit diesem Beruf und mit ihrer Faszination dafür auf sich hat.

Im Tal und auch weiter entfernt bietet sie für junge Leute regelmäßig Einführungen in den Steinmetzberuf. Vor einer Weile leitete sie ein Berufscamp in Salzburg. „Ich finde es extrem cool, jungen Menschen etwas weiterzugeben“, wird sie zitiert.

Bodenständig ist sie geblieben, kein Zweifel. „Hoamatstoa“ ist der Oberbegriff für ihr Geschäftsmodell. Mit „Heimatstein“ wollen wir vorsichtig eine Übertragung ins Hochdeutsche versuchen.

Das Faszinierende an der Steinmetzarbeit besteht für sie darin, „ein starres Element zu formen, etwas für die Ewigkeit zu machen. Ich muss nicht teure Rohstoffe kaufen, sondern verwende das, was vor der Haustür herumliegt.“

Und nicht zuletzt: „Ich bin fast immer draußen an der frischen Luft, erspare mir Fitnessstudio und Solarium.“

Schon als Kind sei sie von der Leidenschaft für die Materialien der Natur gepackt worden, sagt sie.

Der Bawag-Frauenpreis wird von dem großen Finanzunternehmen gleichen namens mit Sitz in Wien vergeben. Wir erwähnen ihn hier weniger, weil er mit immerhin 5000 € dotiert ist, sondern weil er in den vergangenen mehr als zehn Jahren seine Ernsthaftigkeit unter Beweis gestellt hat. Ausgezeichnet werden Frauen, die einen eigenen Weg gehen und die damit Vorbilder sein können.

2022 hatte Melanie Seidl schon einen der Österreichischen Staatspreise bekommen. Gwürdigt wurden Personen, die die sich um die Positionierung von Frauen in der Gesellschaft verdient gemacht hatten.

2016 legte sie die Prüfung zur Meisterin in ihrem Beruf ab.

Wir haben im Netz ein Video gefunden, das sie auf ihrer Mayrhofalm zeigt.

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