Unsere Fotogalerie von der Messe.
Es gibt bekanntlich drei Arten von Wahrheit: die echte Wahrheit, die Unwahrheit (auch gerne als Lüge bezeichnet) und die halbe Wahrheit, bei der nicht alles falsch ist, aber auch nicht alles richtig.
Mit einem Marketing-Konzept mit Halbwahrheiten präsentierte die renommierte italienische Firma Luce5 auf der großen Möbelmesse Salone del Mobile (08. bis 13. April 2025) ihre neue Technologie HYLEtech + Nex-S. Dabei handelt es sich um Aluminium, das bei einer Dicke von nur einem Zentimeter eine erstaunliche Stärke und Festigkeit hat und bei dem Lichtstreifen perfekt und ohne elektrische Leitungen in das Material integriert werden können. Die Helligkeit, die sich steuern lässt, scheint aus dem Stoff selbst zu kommen, was interessante Möglichkeiten für die Gestaltung von Möbeln und für die Innenarchitektur erlaubt.
Das Marketing für diese Innovation aber kam mit einer ärgerlichen Variante von Dichtung und Wahrheit daher, dies mit dem Ziel, Aluminium als umweltfreundliches Material herauszustellen: Im Produktvideo, das auf der Messe gezeigt wurde, und in den Pressematerialien gab es einen abstrusen Vergleich mit Holz: Vom Transport her betrachtet, sei das Leichtmetall dem natürlichen Material in Sachen CO2-Freisetzung weit überlegen, hieß es…
Wir weisen auf diese kuriose Art der Verbraucherinformation hin, weil wir ein Magazin mit Schwerpunkt auf Naturstein sind und die Befürchtung haben müssen, dass der Unsinn alsbald auch in Bezug auf Marmor, Granit usw. in Umlauf gebracht wird.
Zur Messe. Sie fand zum 63. Mal statt und hatte in diesem Jahr die beiden Sektionen Euroluce und Workplace 3.0/S.Project, die sich jährlich mit Küche und Bad abwechseln. Das macht es schwer, die Statistiken von Jahr zu Jahr miteinander zu vergleichen, unter anderem weil Messestände für Lichttechnik weniger Ausstellungsfläche brauchen als die fürs Kochen und für Hygiene.
Ein Höhepunkt war wie üblich der Salone Satellite, wo junge Designer aus der ganzen Welt ihre Ideen präsentierten. Das wiederum zog viele junge Besucher an.
In diesem Jahr gab es 2109 Aussteller mit einem Anteil von 38 % aus dem Ausland. Sie kamen aus insgesamt 37 Ländern. Fast drei Viertel (73 %) waren in der EU zu Hause. Die Rangfolge war (nach Italien) Spanien, Portugal, Belgien, Deutschland, Brasilien, Frankreich, Rumänien, die Türkei, die Niederlande und Thailand.
Die Besucherzahl belief sich auf 302.548, mit einem Anteil von 68 % aus dem Ausland.
Die Messeleitung spricht in ihrer Pressemitteilung von einem „sehr unsicheren globalen Kontext“, in dem diesmal die weltgrößte Schau der Branche stattfand.
Von den Ausstellern hörten wir aber nur, dass man die nächsten Monate abwarten müsse, um zu erfahren, wie sich die Zölle des amerikanischen Präsidenten auswirkten beziehungsweise mit welcher Idee er bei der nächsten Gelegenheit daherkomme.
Naturstein war wie in den Jahren zuvor viel zu sehen, gerne in exotischen Varianten mit kräftigen Farben und heftigen Strukturen. Seltener trafen wir auf weißen oder schwarzen Marmor als klassisches Material für Luxus. Das aber heißt nichts, denn die Firmen heutzutage besorgen auf Kundenwunsch alle Sorten.
Fest steht: Naturstein wird als ästhetischer Akzent für den Wohnraum geschätzt, und auch als Ausdruck von Wohlstand und Luxus.
Eine Sache fiel uns besonders auf: Bei einigen Firmen wurden Tische aus Glas gezeigt, auf deren Platten von unten Adern (ähnlich Naturstein) aufgedruckt waren. Die Technologie stammt von der Keramikindustrie. Allerdings war bei den Glasmöbeln immer deutlich, dass sie nicht eine Nachahmung des Naturstein-Originals sein wollten. Das ist häufig bei der Keramik anders, wobei hier anzumerken ist, dass die Firmen seit einigen Jahren eigene „geologische“ Kreationen erfinden.
Und: Erstmals sahen wir eine durchscheinende Keramik von nur wenigen Millimetern Dicke.
In einer Fotogalerie werden wir demnächst Beispiele für besondere Verwendungen von Stein in der Möbelbranche zeigen.
Salone del Mobile 2026, 21. bis 26. April
Fotos: Firmen / Peter Becker












