Die steinzeitlichen „Sonnensteine“ (dänisch: Solsten), die nur auf der Ostseeinsel Bornholm gefunden wurden, dort aber in großen Mengen, könnten mit einer großen Vulkanexplosion um das Jahr 2900 v. Chr. zusammenhängen. Forscher vermuten, dass die runden Schieferscheiben mit Ritzungen, die man als Sonnenstrahlen interpretieren kann, Opfergaben der Menschen angesichts einer längeren Wetterverschlechterung oder Dankesgaben nach einer Verbesserung waren.
In der Menschheitsgeschichte sind zahlreiche Vulkanexplosionen mit globalen Folgen dokumentiert. Um 43 v. Chr. gab es einen extremen Ausbruch in Alaska, bei dem große Mengen an Schwefel in die Stratosphäre gelangten und von dem rund ums Mittelmeer in Berichten von Missernten und Hungersnöten die Rede ist.
Für die Neuzeit ist der Ausbruch des Tambora am 10. April 1825 bekannt, der einen ganzen Berg in Form von Asche und Gesteinstaub in die Atmosphäre schoss. Zwölf Monate später war diese Masse um den Globus gezogen und verursachte in Europa das „Jahr ohne Sommer“, in Indien ein Ausbleiben des Monsuns und hatte auch in den USA politische Auswirkungen. Wir hatten an den Jahrestag des Ereignisses erinnert (Link unten).
Das Ereignis um 2900 v. Chr. konnten Forscher aus Dänemark nun anhand von Analysen aus Bohrkernen aus dem grönländischen Eis und weiteren Indizien mit den Sonnensteinen in Verbindung bringen.
Schon lange war über die Rolle jener mehrere hundert Scheiben mit um die fünf cm Durchmesser oder auch anderen Formen gerätselt worden, die man bei der Ausgrabungsstätte Vasagård West auf der Insel Bornholm gefunden hatte. Nach einigen Theorien sollten sie Hilfsmittel zum Zählen sein, andere sahen in ihnen Elemente für ein Ernteritual, wieder andere deuteten sie als Amulette oder Glücksbringer. Jene Scheiben, die Ritzungen ähnlich Spinnweben zeigen, verstanden manche als Bezüge zur Unterwelt.
Nun ist die Vermutung, dass eine Umweltkatastrophe nicht an den Menschen der damaligen Zeit spurlos vorübergegangen sein kann. „Wir wissen seit langem, dass die Sonne der Mittelpunkt der frühen landwirtschaftlichen Kulturen war, die wir in Nordeuropa kennen. Wenn die Sonne aufgrund von Nebel in der Stratosphäre für längere Zeit fast verschwunden wäre, wäre das für sie äußerst beängstigend gewesen“, sagt der Archäologe Rune Iversen von der Universität Kopenhagen in einer Mitteilung seiner Universität. Er war an den Ausgrabungen unter der Leitung des Bornholmer Museums und des Nationalmuseums beteiligt.
Vier der Sonnensteine aus Vasagård sind in der prähistorischen Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen zu sehen. Sie sind ein frühes Beispiel für einen neolithischen Sonnenkult in Südskandinavien. Spätere Beispiele stammen aus der nordischen Bronzezeit und sind Objekte wie etwa ein Sonnenwagen.
Lasse Vilien Sørensen, leitender Forscher am Dänischen Nationalmuseum und Mitverfasser des Forschungsberichts, geht noch weiter: „Die Sonnensteine sind völlig einzigartig, auch im europäischen Kontext. Einem ähnlichen Sonnenkult im Neolithikum am nächsten kommen einige Gräber in Südskandinavien oder Bauten wie Stonehenge in England, die einige Forscher mit der Sonne in Verbindung bringen. Bei den Sonnensteinen gibt es meines Erachtens keinen Zweifel. Es ist einfach eine unglaubliche Entdeckung, die zeigt, dass Gaben zu Ehren der Sonne ein uraltes Phänomen sind, das wir in Südskandinavien während der durch einen Vulkanausbruch im Jahr 536 n. Chr. ausgelösten Wetterkatastrophe wiederfinden, wo Gold in großen Mengen als Opfergabe deponiert wurde.“
