Sie sind On the Road Again, sozusagen, das Steinmetzpaar Orianne Pieragnolo und Louis Dutrieux, die im Juli 2022 aufgebrochen waren, um auf der „Route de la Pierre“ mit Fahrrädern von Frankreich bis nach China und zurückzufahren. Was sie vorhaben, ist eine Forschungsreise: Sie wollen entdecken, wie ihr Beruf in anderen Ländern ausgeführt wird und welche Beispiele es für Architektur mit Naturstein dort gibt. Nun haben sie das Programm leicht geändert, nachdem sie wie geplant im Dezember 2024 in Uzbekistan angekommen waren und wieder ins Winterquartier zu Hause gingen.
Die aktuelle Wegstrecke seit Ende Mai 2025 führt sie zunächst zurück in Richtung Westen: Drei Wochen lang werden sie wieder durch Georgien fahren, wie schon zu Beginn der 2. Etappe, „neben unseren Fahrrädern und unseren Werkzeugen wird auch ein Fernsehteam dabei sein“, schreiben sie auf Facebook. Der Film soll auf dem französisch-deutschen Kulturkanal Arte ausgetrahlt werden.
Seit ihrem Start hatten sie alle drei Monate Berichte („Logbuch“) auf ihrer Webpage veröffentlicht, die im Netz auch auf Englisch zu lesen sind. Dazwischen erschienen auf ihrer Facebook-Seite kurze Updates auf Französisch und Englisch.
Aus Usbekistan aus verkündeten sie als Neuigkeit eine neue Routenplanung, und es klang so, als müssten sie zunächst einmal wieder zu ihren Wurzeln in Frankreich zurückkehren, um gedanklich zur Ruhe zu kommen. Nach etlichen Monaten des kontinuierlichen Entdeckens und Dazulernens brauchten sie wohl eine Art der Sedimentierung des neugewonnenen Wissens, um es nicht gleich wieder aus dem Kopf zu verlieren und am Ende mit einem Haufen von ungeordneten Fotos und Erinnerungen dazustehen.
In ihrem Facebook-Post vom Oktober drücken sie die Übersättigung poetisch aus: „Wir sind überwältigt von dem Wunsch, unseren kindlichen Geist wiederzuentdecken, der alles um uns herum zu einer Entdeckung macht.“
Zu jenem Zeitpunkt waren sie in Usbekistan, und im Post heißt es weiter: „Usbekistan war eines der Länder, die unseren Geist und unsere Einstellung erschütterten, was uns erlaubte, die Grundlagen unseres Lebens zu überdenken, uns eine andere Denkweise vorzustellen und Gastfreundschaft so zu verstehen, wie ein Kind sein Spielzeug verleiht, mit wachem Herzen und belustigten Augen.“
Die 1. Etappe der Reise war wohl einfach und bloß anregend gewesen: Ein Großteil der Strecke verlief entlang der Donau flussabwärts. Unter anderem gehörte der Besuch beim Festival der Europäischen Steinmetze in Budapest zum Programm, einer Art Familientreffen der Branche. Die Strecke nach Bulgarien war in Zahlen 4100 km lang.
Nach einer Winterruhe zu Hause nahmen sie im Juni 2024 den Reisefaden am Schwarzen Meer wieder auf. Die folgende 2. Etappe führte acht Monate über 6000 km durch Zentralasien und steuerte die Länder Georgien, Aserbeidschan, Kasachstan und Usbekistan an. Die Tour hatte die Bergkette des Kaukasus und die Ausläufer des Himalaya im Blick und führte durch die endlosen trockenen Ebenen Zentralasiens.
Der Beginn dieses Teils des Abenteuers war die Überfahrt mit der Fähre von Bulgarien über das Schwarze Meer: In ihrem Bericht schildern sie, wie sie zunächst ihre zarten Fahrräder im Laderaum neben schweren LKWs abstellen, wie sie 2,5 Tage lang unter wilden Gesellen bei Wodka und Domino verbringen und mit ihnen die Kabine teilen: „Eine Horde moderner Argonauten, bestehend aus Fernfahrern, Riesenkörpern, donnerndem Gelächter, tätowierten Muskeln und dem Geist von Asphaltreisenden!“
Der Facebook-Bericht vom Oktober erzählt aus Usbekistan, wo sie der Kulturdelegierte des Landes unter seine Fittiche nahm. Von Frankreich aus hatten sie Kontakt mit ihm aufgenommen. In der Hauptstadt Taschkent entsteht zurzeit das monumentale Zentrum für Islamische Zivilisation mit heimischem Kalkstein an den Fassaden. Die Nischen rund um die Eingänge tragen Mosaike aus lokalem weißem Marmor mit exotischen Importsteinen, etwa aus Brasilien.
Künftig sollen die Etappen auf drei Monate reduziert sein. In einem Beitrag wird angedeutet, dass sie damit weg von dem Leerlauf der bloßen Fortbewegung kommen wollen, um mehr Zeit und bessere Bedingungen für ihre Forschungen zu haben. Es soll „mehr Zeit für die Analyse“ der Stein-Dinge verfügbar sein, auf die sie unterwegs stoßen.
Auf der Webpage des Projekts gibt es neuerdings einen Onlineshop („Boutique“) , wo man erste vom Projekt inspirierte Kreationen kaufen kann, zum Beispiel Reisefotos in limitierter Auflage auf feinem Papier oder die L’Astella Création mit Linoldrucken.
Fotos: Orianne Pieragnolo, Louis Dutrieux






