Tücher in Stein darzustellen, ist eine Herausforderung für die Bildhauer von alters her. Berühmt sind die scheinbar im Wind wehenden Gewänder an Skulpturen der Antike oder jene Faltenwürfe im Stoff, die ohne Nacktheit einer Person den Körper sichtbar machen oder die Gesichtszüge und sogar die aktuelle Stimmung ahnen lassen.
Der Designer Bruno Tarabella wurde in Pietrasanta unweit von Carrara geboren und hat das Thema für ein neues Produkt von Budri bearbeitet. Das Ergebnis ist die Tischlampe „Velo“ (Schleier), die eine Alltagsgeste abbildet: Da fühlt sich jemand beispielsweise im Schlafzimmer vom vielen Licht gestört, will sich nicht mit dem Herummachen an Reglern aufhalten und wirft einfach ein Tuch über die Lampe.
In diese Richtung lässt uns jedenfalls die Beschreibung denken, die der Designer geschickt hat.
Was woanders das Stück Tuch wäre, ist hier eine weiße Marmorsorte, die durchscheinend werden kann, wenn sie dünn wird. Was auf dem Textil ein Druck oder eine Stickerei wären, sind beim Stein die Adern.
Die Herausforderung liegt im Detail: Denn der steinerne Lampenschirm hat sein Gewicht und braucht ein Gestänge, auf dem er sicher ruhen kann. Davon aber ist nichts zu sehen, weil Tarabella mit der Dicke des Steins gespielt hat, sodass es zwar eine Auflage für den Schirm gibt, die man aber auch bei Licht nicht erkennt.
Mit dem Aufsetzen des Schirms auf das Gestänge aber erschließt sich eine andere Möglichkeit: Die steinerne Draperie lässt ich mit einem Handgriff auch wieder abnehmen.
Was uns bei der Präsentation im Showroom von Budri auf praktische Gedanken gebracht hat:
* Zum einen könnte ein Kunde sich, zum Beispiel, für jeden Wochentag einen anders geformten Lampenschirm zulegen;
* zum anderen könnten die Schirme auch aus Steinen verschiedener Farbe bestehen und so vielleicht Botschaften aussenden.
Fotos: Budri
Budri: CV von Bruno Tarabella

