Wirklich neu ist an diesem Produkt eigentlich nur der Name, der aber für einen Teil der Produktion steht: Im Rahmen der Milan Design Week 2025 zeigte die italienische Keramikfirma ihre „Neue KI-Marmorgeneration“ (New AI Generation Marble), deren Aussehen mithilfe künstlicher Intelligenz geschaffen worden war. Dass damit ein – potenziell – neues Steindesign auf den Markt gebracht wird, ist nicht neu; wir hatten den Trend zur freien Erfindung neuer Steinsorten schon vor einigen Jahren auf der Messe Cersaie in Bologna beobachtet und darüber berichtet (see unten).
Bisher aber wurde solches Design von Menschenhand mit Grafikprogrammen gemacht. Oder, wenn man einfach das Original eines Natursteins kopieren wollte, wurde ein hochauflösendes Foto eines Originalsteins per Bildbearbeitung aufgepeppt und danach auf die Tonschicht der Keramik aufgedruckt.
Nun kommt KI ins Spiel, das heißt: Ein Programmierer hat einen Algorithmus geschrieben, auf dessen Basis die Maschine eigenständig eine Oberfläche entwirft und gegebenenfalls weiterentwickelt.
Marazzi hatte zusammen mit dem Spezialisten für digitales Arbeiten, Reply, und den Architekten von ACPV ARCHITECTS den KI-Programmierern den Auftrag gegeben, neue Marmorsorten zu entwerfen. Sie wurden als großformatige Keramiken von 3,2 m Höhe im Rahmen der Milan Design Week der Öffentlichkeit gezeigt. Die Entwicklung hatte 2023 begonnen.
Angepriesen wird die Neuheit in den Presseunterlagen mit der Feststellung, hier würden die Ressourcen an Naturstein geschont.
Besonders interessant erschien uns dabei eine Bemerkung am Rande: Marazzi habe großformatige Keramikplatten ohne „optische Halluzinationen und unter Beibehaltung der realistischen Wirksamkeit“, heißt es in den Unterlagen.
Das verweist auf die Schwächen der bisherigen frei erfundenen Steine: Sie sind zwar zunächst überraschend und interessant, wirken aber alsbald wie Fantasien, die sich jeden Moment in Luft auflösen könnten.
Wahrscheinlich liegt das aber weniger an ihrem Erscheinungsbild, als vielmehr an der Tatsache, dass sie nur dünne Scheiben sind und ihnen die Materialität als Verlässlichkeit der natürlichen Welt abgeht.
Materialität ist für den Betrachter aber auch an der Oberfläche erkennbar, nicht nur an den Kanten und Ecken.
Betont wird, dass Marazzi nicht Naturstein kopieren, sondern ihn „neu interpretieren“ will.
Die Zeitschrift „Ceramic Review“ zeigt künstlerische Beispiele für KI-Keramikdesign.
Fotos: Marazzi




