Esmeralda Kosmatopoulos: „About 2 inches long, 2020 (production 2025). 
Marmor. Collection de l’artiste. © Esmeralda Kosmatopoulos

„Le Mystère Cleopatre“ (Das Geheimnis Kleopatra) ist das Thema einer Ausstellung bis zum 11. Januar 2026 im Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris. Natürlich geht es dort auch um die Nase der Pharaonin, schließlich hatte der große französische Philosoph Blaise Pascal sich Gedanken dazu gemacht: „Hätte Kleopatra eine kürzere Nase gehabt, wäre das Antlitz der Welt anders gewesen,“ hatte er in seinen Pensées geschrieben und damit auf Kleopatras viel besungene Wirkung auf die großen Römer ihrer Zeit angespielt.

Vermutlich wollte er damit ausdrücken, dass der Verlauf der Weltgeschichte Anstöße von scheinbar banalen Umständen bekommen kann.

François Barois (1656-1726): „Cléopâtre mourant“ (Die Sterbende Kleopatra), 1700 
Paris, Musée du Louvre. © GrandPalaisRmn (Musée du Louvre) / Stéphane Maréchalle

In der Ausstellung in Paris präsentiert die griechisch-französische Künstlerin Esmeralda Kosmatopoulos dazu passend ihre „Nasotheque“: Unter dem Titel „Ungefähr fünf cm lang“ hat sie aus Marmor Nasen nachgebildet, deren Vorbilder sie vielen künstlerischen Kleopatra-Darstellungen entnommen hat.

Die Kopien sind aus Marmor gefertigt und werden auf einfachen Drahtbügeln präsentiert.

Außerdem hat sie Texte der römischen Geschichtsschreiber Plutarch, Flavius Josephus und Cassius Dio mit redaktionellen Bearbeitungen versehen. An einer Stelle, wo ein Autor über Kleopatras „Schönheit“ schreibt, bietet sie als Verbesserung und Ersatz das Wort „Intelligenz“ an.

Kleopatras Mythos ist also eine Sache des jeweiligen Zeitgeistes. Eine Frage der Ausstellung ist, wie er entstanden ist und warum er noch heute so fasziniert.

Blick in die Ausstellung. Foto: Alice Sidoli / Institut du Monde ArabeBlick in die Ausstellung. Foto: Alice Sidoli / Institut du Monde Arabe

Eine Antwort liegt auf der Hand: Wichtiger Teil des Mythos war immer die orientalische Exotik und der Luxus der Welt am Nil.

Die Ausstellung in Paris greift das Thema auch künstlerisch auf: Die Marmornasen von Esmeralda Kosmatopoulos sind durch drei neue Düfte erweitert, die der Parfümeur Antoine Maisondieu speziell für diesen Zweck kreiert hat.

Wir zeigen einige Exponate aus der Ausstellung und geben die historischen Fakten einfach anhand der Pressemitteilung des IMA wieder:

„Kleopatra VII. wurde 69 v. Chr. in Alexandria geboren und war die letzte Herrscherin der Ptolemäer. Sie erbte ein Königreich unter römischem Einfluss und zeigte sich als gewiefte Diplomatin, um ihre Macht zu erhalten.

Während die Ägypter und Griechen sie als Göttin verehrten, stellte die römische Propaganda sie als „Prostituierte Königin“ dar. Im Mittelalter beschrieben arabische Schriftsteller sie als mütterliche Figur, Beschützerin ihres Volkes, gebildet und gelehrt.

Seit dem 16. Jahrhundert hat der Westen sie in Literatur und Kunst neu erfunden. Die fantasievolle Darstellung ihres Todes erstreckte sich über Jahrhunderte, wobei ein Werk nach dem anderen neue Kleopatras hervorbrachte.

„Kopfschmuck mit Pfauenmotiv“, 1890. Filmschmuck für Sarah Bernhardt als Kleopatra. Metall vergoldet und Glas, ca. 30 x 30 cm. Private Sammlung. Quelle: Alberto Ricci

Shakespeares Tragödie „Antonius und Kleopatra“ machte Kleopatras Mythengeschichte auf der Bühne populär. Große Schauspielerinnen, von Sarah Bernhardt bis Liz Taylor, verbreiteten die Geschichte ihres Schicksals im Medienzeitalter. Nun stand sie selbst an der Spitze der Besetzungsliste und verkörperte weiterhin ein fantastisches, orientalistisches ,Anderswo‘.

Mit der Verbreitung von Bildern und Massenkultur wurde Kleopatra zu einem Konsumobjekt: Schönheitskönigin, Mode-Muse, Werbemarke. Ihre moderne Figur war überall präsent, doch der Mythos überschattete schließlich die historische Realität des Staatsoberhauptes. Deshalb werden Stimmen laut, die die unter dem Mythos begrabene Wahrheit wiederentdecken wollen.

Neben ihrem populären und glamourösen Image entstand eine Charakterisierung Kleopatras als Staatsoberhaupt und gelehrte Königin. Ihre Weigerung, sich in einer von Männern dominierten Welt zu unterwerfen, und ihre Bereitschaft, lieber zu sterben als sich zu ergeben, machten sie zu einer Ikone des Kampfes um Identität und Emanzipation.

Alexandre Cabanel, 1893: „Kleopatra testet Gifte an zum Tode Verurteilten“ (Cléopatre essayant des poisons sur des condamnés à mort). Galerie Michel Descours. © Galerie Michel Descours/Didier Michalet

In Ägypten symbolisierte sie den Widerstand gegen den britischen Kolonialismus (1882–1956), während sie in den Vereinigten Staaten eine Quelle des Stolzes für die afroamerikanische Gemeinschaft war, insbesondere im Kampf gegen die Sklaverei während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865).

Feministische Bewegungen rehabilitierten ihre Rolle als mächtige Frau, prangerten ihre Auslöschung (geprägt durch den männlichen Blick) aus dieser Rolle an und machten sie zu einem zeitlosen Symbol.

All diese Bilder verstärken oder enthüllen das Geheimnis, das die berühmteste Frau der Geschichte umgibt.“

Institut du Monde Arabe

Esmeralda Kosmatopoulos

Esmeralda Kosmatopoulos, 2020: „Ich will aussehen wie Kleopatra #1“. Fotodruck auf Acryl. Sammlung der Künstlerin. © Alberto Ricci