Es gibt neue Strafzölle aus den USA, die wieder Brasiliens Natursteinwirtschaft betreffen. Dabei richten sie sich gar nicht explizit gegen die Südamerikaner, anders als die Strafzölle Ende Juli 2025: Sie waren gegen Brasilien verhängt worden, weil das Land ein Gerichtsverfahren gegen seinen umstrittenen Ex-Präsident Jair Bolzonaro durchzog. Trump hatte versucht, das Verfahren abzuwenden (siehe Link).
Nun geht es um einen Schlag gegen die internationale Möbelbranche. In einem Post auf Trumps Kanal Truth Social vom 25. September heißt es: „Vom 01. Oktober 2025 an werden wir einen Zollsatz von 50 % auf alle Küchenschränke, Badezimmerwaschtische und zugehörige Produkte erheben.“
Der kritische Punkt für die Steinbranche sind die Waschtische (bathroom vanities). Als Material dafür sind in den USA die bunten Quarzite aus Brasilien sehr beliebt – von den ersten Strafzöllen waren sie zwar ausgenommen, nun aber wären sie dennoch betroffen, falls sie nämlich fertig zugeschnitten oder fertig für die Montage auf Unterschränken in die USA kämen.
Der Fall zeigt das vollständige Durcheinander, das Trump mit seinen Zöllen inzwischen angerichtet hat: Zum Beispiel wäre nun ein Spritzschutz aus brasilianischen Quarzitfliesen an der Wand hinter einem Waschtisch nicht von den neuen Zöllen betroffen, der Waschtisch aus brasilianischem Quarzit selbst aber sehr wohl, falls er, wie gesagt, in Brasilien zugeschnitten wurde.
Schon häufiger waren Klagen von seiten US-amerikanischer Steinleute über die sich ausbreitende Allgemeine Verunsicherung zu hören: „Wenn man sich auf einer Veranstaltung über die neueste Sachlage informiert hat, ist, bis man für den Rückflug eincheckt, schon wieder alles ganz anders”, sagte schon im Mai 2025 ein Vertreter der US-Steinwirtschaft bei einem Treffen des Natural Stone Institute (NSI).
Kurios kann sich die Situation auch im Bezug auf Brasiliens Granite entwickeln. Sie sind weiterhin von den ersten Strafzöllen betroffen: Ein anderes Land aber könnte sie fortan als Rohblöcke in Brasilien kaufen, zuhause verarbeiten, und dann als Fertigprodukte in die USA liefern. Die Endverbraucher müssten die Kosten tragen.
Neue Zölle soll es auch auf Polstermöbel geben, wie es auf Truth Social heißt, hier in Höhe von 30 %.
Als Begründung für die Maßnahmen nennt Trumps Social Media Kanal: „Der Grund ist die massive ,ÜBERSCHWEMMUNG‘ des US-Marktes mit diesen Produkten aus anderen Ländern. Das ist eine sehr unfaire Praxis, aber wir müssen aus Gründen der nationalen Sicherheit und aus anderen Gründen unseren Fertigungsprozess schützen.“