„Dusty Die“ ist der Titel der ersten Einzelausstellung der international renommierten polnisch-deutschen Künstlerin Alicja Kwade in Belgien, die bis zum 22. Februar 2026 zu sehen ist. Veranstaltungsort ist das M Leuven, kurz für Museum Löwen, in der Hauptstadt der Provinz Flämisch-Brabant. Die Ausstellung ist Teil der Feierlichkeiten zum 600-jährigen Jubiläum der Katholieke Universiteit Leuven, der ältesten Universität des Landes. Das zentrale Thema der Feierlichkeiten lautet „Reflexion“.
Das Museum kommentiert die Ausstellung wie folgt: „Kwades Skulpturen und räumliche Interventionen verwischen die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft sowie zwischen Intellekt und Intuition. Durch Reflexionen, Wiederholungen und eine Mischung aus natürlichen Materialien und Alltagsgegenständen lädt sie die Betrachter dazu ein, zu untersuchen, wie sie die Welt wahrnehmen, sie verstehen und strukturieren. Kwades Arbeit wirft tiefgreifende Fragen auf: Was ist Realität? Was ist Zeit? Was bedeutet es, ,zu wissen‘“?
Die Ausstellung bietet einen kuratierten Überblick über Kwades jüngste Arbeiten und zeigt neue Installationen, die speziell für Löwen geschaffen wurden.
Das Werk „Dusty Die“ kann laut Museum aufgrund der beiden Begriffe, die sowohl auf Materie als auch auf das Schicksal Bezug nehmen, Verwirrung stiften: „Das Wort ‚Staub‘ ruft das Bild eines staubbedeckten Objekts hervor, das erstarrt und bewegungslos ist. Staub ist auch ein altes Symbol für Vergänglichkeit und den Lauf der Zeit – ‚Asche zu Asche, Staub zu Staub‘. Ebenso spielt er eine entscheidende Rolle in unserer Sicht auf das Universum: Ohne Staubpartikel in der Luft und mikroskopisch kleine Aerosole gäbe es keinen blauen Himmel, sondern nur die Schwärze des Weltraums. Diese Partikel streuen das Licht und verleihen dem Himmel seine Farbe.
‚Die‘ kann auf zwei Arten interpretiert werden. Als Substantiv bezieht es sich auf einen Würfel – einen Gegenstand, der Assoziationen zu Zufall, Wahrscheinlichkeit und Schicksal weckt. In diesem Sinne erinnert es an Albert Einsteins berühmte Aussage „Gott würfelt nicht“, in der er seine Zweifel am reinen Zufall als Leitprinzip des Universums zum Ausdruck brachte.
Zusammen bilden Staub und sterben einen Titel, der sowohl das Mikroskopische als auch das Kosmische umfasst: vom Staub in unserer Atmosphäre bis hin zu Würfeln als Symbol des Schicksals. Er verbindet unsere unmittelbare, staubige Realität mit dem (Welt-)Raum außerhalb unserer Atmosphäre.“
Ein neues Werk ist „Blue Days Dust“, bei dem sie einen Raum mit Farbe, gemischt mit echtem Lapislazuli, in einen immersiven tiefblauen Raum verwandelte. Im Zentrum steht ein Block des Minerals mit einem Gewicht von gut 2 t. Der Stein war einst ein mystisches Material, das wertvoller war als Gold, mit einem farbigen Mineral, das für Gemälde verwendet wurde, die Heilige darstellten, insbesondere den Mantel der Jungfrau Maria. Die Kuratoren schreiben: „Kwade sieht die Installation als eine Zeitkapsel, die uns in geologische Prozesse vor Millionen von Jahren zurückversetzt. Gleichzeitig regt sie zum Nachdenken darüber an, wie wir Objekten und Materialien wie Edelsteinen einen Wert beimessen. Die Künstlerin sieht diesen Wert eher als kulturell bedingt denn als absolut an.“
Ein weiteres neues Werk ist „Substance“, eine Installation aus Stahlrahmen mit Spiegeln und verschiedenen Objekten. Es handelt sich um eine Variation der bekannten „WeltenLinie“, die Kwade erstmals 2017 auf der Biennale in Venedig präsentierte.

„Superheavy Skies“ ist ebenfalls neu. Steine unterschiedlicher Größe hängen an beeindruckenden, monumentalen Mobiles. Trotz ihres Gewichts scheinen sie sanft im Raum zu schweben.
Vor der Ausstellungseröffnung im M installierte Alicja Kwade ihr neues Werk „Carriers“ im Stadtpark von Leuven. Es ist Teil eines Kunstprojekts mit 16 nationalen und internationalen Künstlern. Kwades Werk ist eine monumentale Skulptur, bei der ein Felsbrocken von einem Kreis aus Stühlen getragen wird. „In dieser Arbeit macht sie das Gewicht des ‚Nichtwissens‘ greifbar, indem sie die Abwesenheit wissenschaftlicher Erkenntnisse in Form des Felsbrockens visualisiert“, so das Museum.




