In einem separaten Bericht aus unserer Reihe Stone Insight beschreiben wir die Präsentation des Grabschatzes des Tutanchamun https://www.stone-ideas.com/118325/grand-egyptian-museum-grabschatz-tutanchamun/.
Dreiecke in unendlicher Zahl sind über die Fassaden des neuen Grand Egyptian Museum (GEM) in Kairo verteilt. Das hätte man fast erwarten können, denn nur knapp zwei Kilometer entfernt liegen in Sichtweite die Pyramiden von Gizeh, und deren grenzenlose Steinmassen sind als Seiten von hohen Dreiecken angeordnet.
Bei dem Museumsbau ging es den irischen Architekten von heneghan peng im Auftrag der ägyptischen Regierung um den Mythos der uralten Kulturen am Nil, und nicht nur in der Fassade haben sie die Aufgabe ihres Supermuseums großartig inszeniert: Es will zentraler Präsentationsort für die gewaltige Zahl an Kunstschätzen aus Altägypten sein und diese der Gegenwart nahebringen.
Das Versprechen der Zugänge mit dem durchscheinendem Alabaster lautet, dass die Besucher im Inneren des Museums den ganzen Glanz der Zeit vor 5000 Jahren erfahren – anders als die nahen Pyramiden bleibt das Museum nicht abgeschlossen gegenüber der Gegenwart, sondern spricht zu den Menschen.
In den frühen Planungen sollte sogar die komplette Museumsfassade durchscheinende Alabasterdreiecke tragen
Das GEM hat riesige Dimensionen und wird entweder als das größte Museum, das einer einzigen Kultur gewidmet ist, oder gar als das größte überhaupt bezeichnet.
Es ist rund 800 m lang, reicht bis in 25 m Höhe und hat laut Architekten zusammen mit dem Kongresszentrum zirka 100.000 m² Fläche auf mehreren Stockwerken.
Allein schon die Eingangshalle ist atemberaubend. Dort steht die Statue von Pharao Ramses II, ein Granitkoloss von 11 m Höhe und 83 t Gewicht. Das Stück ist so riesig, dass es als Erstes auf die Baustelle kam – dann wurde die Halle um die Herrscherstatue herum errichtet.
Rund 100.000 Ausstellungsstücke aus den alten Nil-Kulturen sind zu bestaunen. Sie werden mithilfe modernster Technologien präsentiert und zum Scheinen gebracht.
Wer das Vorläufermuseum in Kairos Innenstadt kannte, wird den Ägyptern danken, dass sie endlich eine angemessene Präsentation ihrer Geschichte geschafft haben.
Die verschiedenen Etagen erreicht man von der Eingangshalle aus über eine zentrale Treppe, auf der 90 Großskulpturen aus der gesamten Nilregion den Besucher über sechs Stockwerke nach oben begleiten.
Ein architektonischer Blickfang entlang der Treppe sind die „Stilettos“: 26 m hohe Strukturen, die wie Pfeile von oben herabkommen und den Aufgang flankieren.
Auf der nächsten Etage öffnet sich der Panoramablick auf die Pyramiden. Diese optische Verbindung wird dadurch verstärkt, dass die Innenwände im Museum auf die drei Monumentalbauten von Gizeh ausgerichtet sind. In der Landschaftsgestaltung taucht hier die Idee des Dreiecks wieder auf.
Auf der 2. Etage findet man die spektakuläre Tut-ench-Amun-Ausstellung.
Die tragenden Strukturen des Gebäudes sind Beton und Stahl. Zu ihrer Bekleidung und für die Böden wurden rund 210.000 m² Naturstein verwendet.
Ausdrücklich heißt es, dass auch die Bewohner von Kairo und die Ägypter sich das Museum zu eigen machen sollen.
Dazu gibt es ein fünf Hektar großes Außengelände mit großem Park. Er ist mit lokaler Vegetation wie Dattelpalmen bepflanzt. In einem Themengarten wird an die jahreszeitlich verlässlichen Nilüberschwemmungen erinnert, die der Nährboden der alten Kulturen waren.
Zum GEM gehört auch ein Forschungszentrum zum Erhalt der Kunstschätze. Es ist mit seinen insgesamt 17 Labors über einen Tunnel zu erreichen. Hier widmen sich Experten der Sicherung der Schätze, deren Materialien von Papyrus und Textilien über Töpfer- und Steinarbeiten bis hin zu menschlichen Überresten reichen.
Grand Egyptian Museum: Tickets
Fotos: GEM, heneghan peng architects, Georges & Samuel Mohsen – The GS Studio
• Architect: heneghan peng architects
• Museology: Cultural Innovations
• Structural/Civic/Traffic, Facade Engineering: Arup
• Building Services, IT/Security/Fire/Acoustics: Buro Happold
• Landscape, Public Space and Masterplanning: West 8
• Exhibition Masterplanning: Metaphor
• Local Architect: Raafat Millier Consulting
• Local Structural/Civil Traffic: Arab Consulting Engineers
• Local Building Services: Shaker Consulting Engineers
• Local Landscape: SITES International Egypt
• Design Team Management, QS: Davis Langdon
• Specialist Lighting: Bartenbach Lichlabor
• Signage & Wayfinding: Bruce Mau Design











