Blick in die DNV-Mitgliederversammlung 2026 im Hotel Titanic in Berlin.

Mit den Worten „Aufwand und Chance“ umriss Hermann Graser, Präsident des Deutschen Naturwerkstein-Verbands, auf der Mitgliederversammlung 2026 die kommenden Jahre. Denn die Bauwirtschaft befindet sich im Wandel, abzulesen unter anderem an der Selbstverpflichtung der Bundesregierung und der EU die CO2-Neutralität zu erreichen. Das öffnet einerseits für Stein große Möglichkeiten (Graser: „Die Nachfrage nach Naturstein bleibt hoch und wird noch steigen“), andererseits verlangt es Aufwand, zum Beispiel die Anpassung der Baunormen und exakte Materialbeschreibungen (Environmental Product Declaration, EPD).

Mehr noch, denn aktuell wird in Deutschland das Bauen mit vorgefertigten Holzelementen propagiert – an die aber kann man keine Natursteinplatten mehr anhängen.

Die Branche tut also gut daran, neue Märkte zu entwickeln, und dafür hat der Verband seit einigen Jahren den Massivbau mit Stein im Blick. Zur Erinnerung: Mit der Industrialisierung und Beton als zentralem Baustoff wurde die Rolle von Stein auf Platten reduziert, die an die tragenden Betonwände vorgehängt wurden. Stein diente nur noch zur Dekoration der Fassaden oder Wände.

Dabei ist Massivbau mit Naturstein eigentlich nichts Neues, sondern eher die Rückkehr zu alten Zeiten, als wichtige und dauerhafte Gebäude mit tragendem Stein errichtet wurden. Das gilt für die Tempel der Antike genauso wie für die Rathäuser des Mittelalters oder die Kathedralen der späteren Jahrhunderte.

DNV-Geschäftsführer: Links Reiner Krug, der ausscheidet, rechts Daniel Kordmann, der dessen Rolle übernimmt. Foto: DNV Würzburg

Die Branche ist schon dabei, die alten Möglichkeiten des Materials mit moderner Technik zu erweitern. Ein Beispiel sind Vorspannungen für Pfeiler oder Platten, die Geschosse tragen oder als Fensterstürze und Geschossdecken dienen können. An Hochschulen und in Projekten wird das alte Know-how für Gewölbe neu definiert – Stichwort ist Stereotomie.

Der zusätzliche „Aufwand“, von dem Verbandspräsident Graser und auch der scheidende Verbandsgeschäftsführer Reiner Krug sprachen, fällt auch im Bereich der Forschung an. So hat der Verband an der Technischen Universität Dresden ein Projekt ins Leben gerufen, das die Wirtschaftlichkeit von Natursteinkonstruktionen im Wohnungsbau untersuchen soll. Das Material für entsprechende Prototypen steuerten die Firmen Franken Schotter und Kusser bei.

Zum zusätzlichen Aufwand zählen auch die Brandversuche mit Naturstein-Probekörpern, die der Verband an der Universität Stuttgart hat durchführen lassen. Die Prüfergebnisse werden in Kürze vorliegen.

Um solche zukunftsträchtigen Vorhaben zu finanzieren, hat der DNV im Jahr 2025 auch auf das Vereinsvermögen zugegriffen.

Verabschiedung von Joachim Deppisch (2.v.l.).

Normen sind ebenfalls ein zentrales Thema, mit dem über die Verwendung eines Baustoffs entschieden wird. Hier erreichte der DNV im Jahr 2025 eine Reduzierung der Mindeststärke von Natursteinmauerwerk, genauso beim Mindestquerschnitt und ebenso bei den Lagerfugen.

International tut sich für die kommenden Jahre hier eine neue Baustelle auf. Denn das US-amerikanische Natural Stone Institute (NSI) will internationale ISO-Normen durchsetzen. Der DNV will jedoch die europäischen Normen.

Intern vollzieht sich beim DNV ein personeller Wechsel, der jedoch wie gewohnt unauffällig und wohlorganisiert vor sich geht: Reiner Krug, langjähriger Geschäftsführer des Verbands und „wandelndes deutsches Natursteinlexikon“, wie ihn jemand auf der Mitgliederversammlung titulierte, ist nur noch an zwei Tagen pro Woche am Verbandssitz in Würzburg aktiv und übergab am 01. Mai 2026 seine Vollzeitrolle an Daniel Kordmann, Steinmetzmeister und studierter Architekt mit Erfahrung im eigenen Büro.

Der Verband dankte bei der Mitgliederversammlung Joachim Deppisch von der Landesgewerbeanstalt (LGA) Bayern, Bautechnik Würzburg, für die langjährige Zusammenarbeit. Deppisch bedankte sich mit den Worten „Stein war mein Leben“, wobei aus dem Kreis der Anwesenden der Zwischenruf „Stein ist dein Leben“ kam.

Hervorzuheben ist, dass das Mega-Projekt Schloss-Humboldtforum sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen erledigt wurde. Trotz großer Anstrengungen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, etwa auf den Messen Stone+tec und Bau oder mit der Internet-Kampagne „Zukunft Naturstein“, hat der Verband noch mit einem Erbe aus der Zeit der Industrialisierung zu kämpfen: Naturstein und seine Möglichkeiten sind in der Baubranche nicht jedem geläufig. Präsident Graser klagte, dass „andere Baustoffe populärer (sind)“ „und deshalb leichter Fördermittel bekommen“.

Im Bezug auf die kommende Messe GaLaBau (15. – 18. September 2026) richtete der neue Geschäftsführer Kordmann deshalb die Aufforderung an die Verbandsmitglieder, sich dort zu zeigen.

Deutscher Naturwerkstein-Verband