Der Leser wird sich fragen, warum das Gebäude in Varberg in Schweden ein Dach hat, das in den Ecken aufgebogen ist. Soll das ein Hinweis auf die Funktion des Bauwerks sein, schließlich es ist ein Bahnhof, und da wäre das Erscheinungsbild eines fliegenden Teppichs nicht so verkehrt? Den wirklichen Grund nennt Rickard Stark vom Architekturbüro Okidoki in einem Bericht der Zeitschrift „Sten“ (3/25) des schwedischen Natursteinverbands: „Die Nähe zum Meer macht den Bahnhof einzigartig. Sie war der Ausgangspunkt für den Entwurf.“
Denn die Stadt Varberg war bekanntes Seebad – also greift das Dach die Situation auf, dass am Strand ein starker Wind aufkommt und die ausgelegten Badetücher flattern.
Noch mehr vom Ort haben die Architekten dem neuen Bahnhof mitgegeben:
* Die tragende Konstruktion besteht aus Holz, was der Tatsache Rechnung zollt, dass über den Hafen von Varberg viel Holz exportiert wurde;
* der Boden und auch die Sockel der Außenwände sind mit dem heimischen Halland Gneiss bekleidet – das nimmt Bezug auf die nahegelegene Festung und die Arbeit der Steinmetze dort. Die Oberfläche der Bodenplatten greift das Muster von Meereswellen auf, eine Idee der Architekten von 02Landskap.
* rund um den Bahnhof ist der Granit Tossene Grå Bohus und wieder Halland Gneiss verlegt.
Die Entscheidung für Naturstein und Holz fiel auch deshalb, damit das Gebäude einen minimalen ökologischen Fußabdruck bekommt. Einen Beitrag dazu leisteten auch die Recoma-Platten für die Innenverkleidung, die aus Abfallmaterialien hergestellt werden und zum Beispiel Sperrholzbretter ersetzen können. Außerdem ist das Dach begrünt und trägt Solarzellen.
Noch ein Detail: 1903 wurde das Kaltbad Varberg im orientalischen Stil errichtet. Dessen orientalisches Design findet sich in den Fenstern wieder.
Sten (3/25) (schwedisch)
Fotos: Åke E:Son Lindman






