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Leserbeschimpfung (3): Schluss mit der Stein„Industrie“, die es gar nicht gibt

Schluss mit der Stein„Industrie“, die es gar nicht gibt.

Die Natursteinbranche sollte sich besser an die Manufaktur-Mode anhängen / Stärkere Betonung von Marmor und Granit als Unikat

In den Mails, die wir von unseren Lesern bekommen, wird häufig darüber geklagt, dass die Konkurrenz den Naturstein mit vielen falschen Behauptungen unter Druck setzt. Wir hingegen haben gelegentlich eher den Eindruck, dass die Steinbranche selber ihr Material schlecht dastehen lässt. Das werden wir – quasi als Leserbeschimpfung – in lockerer Folge in einzelnen Aspekten abhandeln.

Diesmal wollen wir uns mit der angeblichen Stein„Industrie“ und mit der zunehmenden Individualisierung in unseren Gesellschaften beschäftigen. Beides hängt eng miteinander zusammen und ist von strategischer Bedeutung für die Branche.

Die Behauptung, eine Industrie zu sein, ist im Fall der Natursteinbranche nicht nur falsch, sondern mal wieder kontraproduktiv. Denn kein einziges ihrer Unternehmen erreicht die Größenordnung einer Industrie, und auch die Produktion vom Steinbruch bis zur Verarbeitung hat nichts mit der Organisation einer Fabrik zu tun.

Zum Beispiel in der Autoindustrie herrscht nämlich arbeitsteilige Fertigung: der Tank eines Autos kommt von woanders als das Getriebe oder die Sitze, und das ganze wird im Werk nur noch zusammengesetzt.

In der Steinbranche hingegen wird ganzheitlich gearbeitet.

Die Bezeichnung als Industrie hat heutzutage keinen guten Klang mehr. Begriffe wie „Lebensmittelindustrie“ oder „Tourismusindustrie“ zeigen das. Sie tragen in sich das Massengeschäft mit all seinen Folgen. „Pharmaindustrie“ zu sein ist heutzutage sogar ein Schimpfwort.

Außerdem: die Industrie selbst unternimmt Anstrengungen, weg vom Bild der Fertigung durch Roboter in menschenleeren Hallen und hin zum Image der kleinteiligen Manufaktur mit ihren Einzelstücken zu kommen.

Ein Beleg dafür sind die exklusiven Materialien wie zum Beispiel Naturstein, die Autofirmen neuerdings in einzelne Modelle einbauen. „Damit wollten wir Luxus, Eleganz und Handwerkskunst einfangen und unserem Auto eine ganz spezielle Note geben“, sagt Thierry Metroz, Designchef bei Citroen, in einem Interview.

Aktuelle Trendprodukte wie das Craft Beer, das nur in kleinen Mengen nach speziellen Mischungen gebraut wird, oder die Schokolade vom Schokolatier sind Beispiele dafür.

Das bringt uns zum 2. Aspekt unserer Betrachtung, nämlich dem zunehmenden Kundenwunsch nach individuellen Produkten.

Der ist Wasser auf die Mühlen der Steinbranche, ist doch jeder Naturstein ein Unikat. In manchen Ländern stellt die Branche das schon hinreichend heraus.

Einen Aspekt haben wir hier jedoch bislang vermisst: den Naturstein als Unikat speziell jungen Leuten nahezubringen.

Denn die Jugendlichen heutzutage legen größten Wert darauf, sich zum Beispiel individuell zu kleiden. Das heißt: man orientiert sich zwar an der Mode, die in der eigenen Gruppe gilt. Innerhalb dieses Rahmens aber streben Mädchen wie Jungen nach einem ganz eigenen Stil.

Nicht zu übersehen ist das in Großstädten: Jugendliche, die zu Besuch sind, stylen sich extra dafür und präsentieren sich auf der Straße wie auf einem Laufsteg.

Es ist zu erwarten, dass mit zunehmenden Alter dieser Drang nach Individualität nicht verschwindet, sondern in anderen Feldern ausgelebt wird.

Wenn die Jugendlichen schon heute erfahren, dass jeder Marmor und jeder Granit ein Einzelstück ist, könnte es sein, dass sie, wenn sie ihr eigenes Geld verdienen, bevorzugt auf diese Materialien zurückgreifen.

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(15.09.2016)