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Feinstaubbelastung in Steinbetrieben ist in vielen Ländern in Thema

Staub gehört zur Arbeit mit Naturstein dazu.

Teils geht es um Partikel speziell aus der Bearbeitung von Quarz-Komposit-Materialien, teils allgemein um Arbeitsschutz

Auf einmal ist der Schutz am Arbeitsplatz in der Steinbranche weltweit ein Thema. Es geht zum einen um Quarz-Feinstaub speziell aus der Bearbeitung von Quarz-Komposit-Materialien, zum anderen um allgemeine Neuregelungen in den USA und in Europa. Wir haben uns die Veröffentlichungen dazu angeschraubt.

In Australien hat ein Steinmetz 10 Hersteller von Arbeitsplatten aus Quarz-Komposit-Materialien verklagt. Er wirft ihnen vor, dass er sich beim Bearbeiten dieser Materialien eine Silikose zugezogen habe. Die britische Zeitschrift Stone Specialist hat den Fall ausführlich auf ihrer Website beschrieben (Link siehe unten).

Solche Materialien beinhalten etwa 90 % Anteile an Quarz. Das ist etwa das Doppelte im Vergleich zu Granit, der für Küchenarbeitsplatten ein beliebter Naturstein ist.

Der Steinmetz aus Australien, der auch eine Rheumatoide Arthritis, eine Gelenkerkrankung, auf den eingeatmeten Quarzstaub zurückführt, behauptet, ihn habe niemand über die Gefahren informiert. Der Stone Specialist zitiert ihn mit den Worten: „Immer noch sägen viele Firmen trocken.“

Wir merken an: Das nicht zu tun, steht in den Anweisungen der Hersteller. Sie empfehlen außerdem Atemschutz und Absauganlagen.

Die Realität aber scheint so auszusehen, das in vielen Ländern die Hinweise nicht beachtet werden.

Die Zeitung El Pais hatte (im Juni 2016) Fälle von Mitarbeitern von Steinmetzbetrieben in Spanien beschrieben, die an Silikose erkrankt oder gestorben waren.

Die New York Times vom April 2016 hatte ähnliche Erkrankungen in Israel benannt. Auch dort ging es um Arbeitsplätze, an denen Arbeitsplatten aus Quarz-Komposit-Materialien zugeschnitten wurden.

Kürzlich betrachtete die Online-Zeitschrift Focuspiedra aus Spanien das Thema aus Unternehmersicht. Sie veröffentlichte ein Interview mit einem Steinmetz, von dessen ehemals 40 Mitarbeitern 6 an Silikose erkrankt sind. Er rechnet mit Schadenersatzforderungen von 200.000 € pro Fall. Zudem gibt es schon eine Strafanzeige gegen ihn.

Der Unternehmer beklagt, dass die Hersteller ein gefährliches Material in die Welt gesetzt und dass die Behörden das zugelassen hätten. Die zumeist kleinen Betriebe wären alleingelassen worden mit den hohen Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen.

Auch in den USA und in Europa ist die Feinstaubbelastung in Steinmetzbetrieben ein Thema, wenn auch nicht explizit im Zusammenhang mit Quarz-Komposit-Materialien.

In den USA sind die Regelungen folgende:
* bei Arbeiten zum Beispiel auf der Baustelle gilt vom 23. September 2017 an ein Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (50 µg/m³) festlegt [50 micrograms per cubic meter of air (50 µg/m³), averaged over an 8-hour shift]. Bisher waren es 250 Mikrogramm. Der zeitliche Bezugsrahmen ist ein Arbeitstag von 8 Stunden.
* in einer Steinmetzwerkstatt tritt der neue Grenzwert erst am 23. Juni 2018 in Kraft. Er beträgt dann ebenfalls 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (50 µg/m³). Zuvor waren es hier 100 Mikrogramm/m³ (100 µg/m³) gewesen. Der zeitliche Bezugsrahmen ist derselbe.

Trotz Widerstandes unter anderem vom Marble Institute of America (MIA) und vom Building Stone Insitute (BSI) hatte die zuständige Occupational Safety and Health Administration (OSHA) die neue Regelung im letzten Jahr verkündet.

In Europas Behörden geht die Diskussion in dieselbe Richtung, wobei der Grenzwert aber vielleicht nicht derart niedrig festgelegt wird. Die EU-Kommission will das Limit auf 100 Mikrogramm/m³ festlegen, also das Doppelte des US-Grenzwerts erlauben. Zuvor hatte das Brüsseler Parlament allerdings den amerikanischen Grenzwert von 50 Mikrogramm/m³ gefordert.

Europas Branchenvertreter, unter anderem Euroroc als Dachverband der nationalen Natursteinorganisationen, halten die 100 Mikrogramm/m³ für machbar und für das kleinere Übel und haben diesen Wert im Juli 2017 an die Politiker in Brüssel übermittelt. In einzelnen Ländern gelten ohnehin schon niedrigere Werte, wie wir in einem Bericht dargestellt hatten.

„Es war ein harter Kampf, um zu dem Agreement zu kommen“, kommentiert Professor Gerd Merke von Euroroc die Einigung der Verbände, „ein paar Monate lang waren wir mit aller Energie damit beschäftigt.“

Latest news: aus Brasilien erreichen uns Nachrichten, dass die dortigen Quarzite weltweit auf eine große Nachfrage stoßen. Der Anteil an Quarz ist bei diesen Natursteinen viel höher als bei Marmor oder Granit.

MIA+BSI: The Natural Stone Institute hat einen kostenlosen Online-Lehrgang zum Thema ins Netz gestellt

Stone Specialist

El Pais (spanisch)

New York Times

Focuspiedra (spanisch)

Occupational Safety and Health Administration (OSHA)

Euroroc

(18.09.2017)