
Die Vögel bauten ihre Gänge zum Nisten in einen großen Haufen Kalksteinsstaub, wie er beim Abbau anfällt
Immer wieder heißt es, Steinbrüche würden die Natur zerstören. Das Gegenteil ist richtig – in einer lockeren Folge berichten wir von Fällen, wo (seltene) Tiere oder Pflanzen Lebensräume in einem AKTIVEN Steinbruch gefunden haben.
Niall Kavanagh, Chef der irischen Firma McKeon Stone, ist ganz glücklich. Voller Freude hatte er in einem seiner Newsletter berichtet, dass Uferschwalben (Riparia riparia) in seinem Threecastle Steinbruch für Kilkenny Blue Limestone aufgetaucht waren: „Wir waren völlig überrascht, als ein Schwarm von ihnen anfing, Gänge in einen großen Haufen Kalksteinstaub zu bauen.“
Uferschwalben graben kurze Nisthöhlen normalerweise in Steilufer an Flüssen und ziehen darin ihre Jungen groß. Wichtig scheint die Nähe zu Wasser und damit zu ihrer Insektennahrung zu sein. Flexibler sind sie, was die Beschaffenheit des Untergrunds angeht. Gelegentlich tauchen sie auch in Kiesgruben auf.
Die Beschäftigten von McKeon Stone gingen weiterhin ihrer normalen Arbeit nach, nahmen bloß ein wenig Rücksicht auf die Mitbewohner, wie es im Newsletter heißt: „Wir haben die Fläche mit den Nestern sozusagen in Quarantäne genommen, damit die Tiere mit ihrer Brut so ungestört wie möglich weitermachen können.“
Im Juli waren die Tiere dann wieder verschwunden. Sie hatten sich zu ihrem Winterquartier vermutlich südlich der Sahara in schätzungsweise 6000 km Entfernung aufgemacht. „Die gute Nachricht ist, dass Schwalben standorttreu sind, so hoffen wir, sie im nächsten Frühjahr wiederzusehen“, heißt es im Newsletter.
Bleibt die Frage: Warum waren sie überhaupt beim Threecastle Quarry im County Laois mitten in Irland eingezogen?
Vielleicht, vermuten wir mit Augenzwinkern, wussten sie, dass Firmenchef Niall Kavanagh ein Ironman ist und dass seine Ehefrau Madeleine den Marathon läuft, und das war ihnen sympathisch.
Niall Kavanagh jedenfalls hat noch eine andere Geschichte von Tieren in seinem Steinbruch parat: „Manchmal sehen wir Wanderfalken, die an den Bruchkanten jagen.“ Die scheinen sogar irgendwie um die Arbeitszeiten der Menschen zu wissen, denn wenn am Wochenende Unbefugte sich auf dem Gelände herumtreiben, steigen die Falken auf und machen Radau, um die Eindringlinge aus ihrem Terrain zu vertreiben.
„Man kann nur hoffen, dass die Uferschwalben ihnen nicht in den Weg geraten“, räsonniert Niall Kavanagh. Wahrscheinlich aber sind die Schwalben ohnehin die schnelleren Flieger.
Fotos: McKeon Stone
(26.01.2018)






