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Natur im Steinbruch: bei der Schweizer Bärlocher AG sind Feuersalamander und Teichfrösche zuhause

Feuersalamander. Foto: Daria-bs / Wikimedia Commons

Wichtig für den Schutz der Tiere und Pflanzen ist, Randzonen auf dem Betriebsgelände zu sichern und so eine Vielfalt an Lebensräumen zu schaffen

Immer wieder heißt es, Steinbrüche würden die Natur zerstören. Das Gegenteil ist richtig – in einer lockeren Folge berichten wir von Fällen, wo (seltene) Tiere oder Pflanzen Lebensräume in einem AKTIVEN Steinbruch gefunden haben.

Die erste Maßnahme, wenn man Tier und Pflanze in einem Steinbruch fördern will, ist hinschauen und … nichts tun.

Die Rede ist hier von jenen Randlagen, die man eigentlich aus Sicht des Betriebs nicht wirklich braucht. Wenn man dort Störungen vermeidet, siedeln sich bald Gäste an.

Folglich ist wichtig für den Naturschutz im Steinbruch, die Mitarbeiter frühzeitig einzubeziehen.

Hans Jakob Bärlocher, Chef der Firma gleichen Namens unweit des Bodensees, hat das so gemacht. Konkret wies er seine Leute an, die Tümpel und Wasserläufe in den stillen Ecken des Steinbruchs Kreienwald in Staad (Sankt Gallen) möglichst unberührt zu lassen, und prompt gibt es heute dort den seltenen und geschützten Feuersalamander (Salamandra salamandra).

Stützmauern bieten vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Vor einigen Jahren hat Bärlocher als 1. Steinbruchbesitzer in der Schweiz sein Unternehmen in Sachen Umwelt zertifizieren lassen. Teil davon war eine Bestandsaufnahme, was für Naturzonen es auf dem Gelände gibt, und auch Empfehlungen, wie die Firma es dort für Tier und Pflanze leicht machen kann.

Wohlgemerkt: auch nach der Beratung durch die Umweltschützer wird weiterhin im Kernbereich des Steinbruchs der Rohrschacher Sandstein gewonnen.

Aber drumherum gibt es viele Bereiche, die für die kleinen Tiere groß genug sind. Um die geht es.

Tiere und Pflanzen nutzen im Steinbruch jene Bereiche, die für den Betrieb nicht wichtig sind.Tiere und Pflanzen nutzen im Steinbruch jene Bereiche, die für den Betrieb nicht wichtig sind.

Denn die kleinen Tiere brauchen zum Leben kein großes Naturschutzgebiet, sondern nur eine vergleichsweise kleine Kernzone, in der sie sich verstecken und Nachwuchs großziehen können. Drumherum muss es eine Randzone geben, in der sie auf die Jagd gehen und Nahrung finden. Beim Bärlocher-Steinbruch sind das die Bereiche, in denen Schuttmaterial abgekippt wurde.

In den Tümpeln hat sich der Teichfrosch (Pelophylax kl. Esculentus) angesiedelt. Wichtig für ihn ist, dass das Gewässer in der Sonne liegt.

Beat Haller, der beim Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB) als Umweltberater tätig ist, nennt aus dem Stand zahlreiche Maßnahmen, die meist nicht viel mehr verlangen als das oben angesprochene Nichtstun:
* Findlinge und Felsbrocken liegen lassen,
* Steinhaufen und Geröllflächen anlegen,
* Hangwasser in Gräben (nicht in Rohren) ableiten und in Tümpeln sammeln
* Felsvorsprünge erhalten,
* Hecken stehen lassen oder anlegen,
* Totholz liegen lassen.

Ideal ist ein Steinbruch als Biotop deshalb, weil er eine Vielfalt an Lebensräumen bietet, die die Tiere in der industriellen Landwirtschaft kaum mehr finden. „Nur auf den 1. Blick ist ein Steinbruch eine Trockenzone, in Wirklichkeit gibt es trockene, halbtrockene und nasse Bereiche auf sehr engem Raum“, sagt Beat Haller.

Hans Jakob Bärlocher mit seinem Team im Steinbruch Kreienwald in Staad (Sankt Gallen).

Bärlocher betont, dass die Feuersalamander keine Einschränkung der Betriebsabläufe mit sich bringen. „Die Mitarbeiter passen schon von sich aus auf, wenn sie einer Randzone nahe kommen.“ Außerdem: „Die Lurche sieht man gar nicht“, merkt er nüchtern an.

Feuersalamander sind nämlich erstens Nachtiere, und kommen zweitens nur zum Laichen ins Wasser. Danach leben sie in der Umgebung, sofern diese ausreichend feucht für ihre nasse Haut ist.

Bärlocher, von seiner Statur her ein ziemlicher Bär, hat in sein Umwelt-Engagement auch die Öffentlichkeit einbezogenen: für Schulklassen bietet er Besuche im Steinbruch, wo die Jüngsten auf Entdeckungsreise gehen. Die Größeren können selber in Sachen Umwelt aktiv sein: mal werden Steinhaufen aufgeschichtet, mal wird eine Trockenmauer gebaut, mal werden invasive Pflanzen ausgerupft.

Die Zertifizierung gilt 5 Jahre. So lange darf die Betrieb das Siegel in seiner Werbung nutzen. Wird Bärlocher im nächsten Jahr sich wieder dem Verfahren unterziehen?

„Natürlich“, sagt er nur.

Bärlocher AG

Fotos: Bärlocher

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(25.05.2018)