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Die Türkei hat bei den Natursteinexporten nach Jahren der Flaute wieder die Marke von 2 Milliarden US-$ übersprungen

Die Exportzahlen der türkischen Natursteinbranche im Jahr 2017. Quelle: IMIB

Bei näherer Betrachtung der Zahlen zeigt sich aber, dass es im Moment um die Branche nicht gut bestellt ist

Groß war der Jubel in den türkischen Fachzeitschriften über die Nachricht, dass das Land im Jahr 2017 bei den Exporten wieder die magische Marke von 2 Milliarden US-$ übersprungen hat. Konkret waren es 2,048 Milliarden. Das war eine satte Steigerung um +13,43% gegenüber dem Vorjahr. Der Jubel basierte im Wesentlichen darauf, dass es nach mehreren Jahren der Flaute wieder aufwärts zu gehen scheint.

Jedoch: Um diesen Anstieg zu erreichen, musste man um +21,78% mehr Material (insgesamt 7,936 Millionen t) exportieren.

Der erzielte Durchschnittswert pro t sank also wieder einmal ab.

Bedenklich sind weitere Aspekte:
* mehr als die Hälfte der Gesamtsumme kam durch den Verkauf von Rohblöcken zustande (1,102 Milliarden US-$);
* davon wiederum wurden 0,946 Milliarden US-$ allein mit China erwirtschaftet.

Insofern spiegeln sich die Statistiken der Türkei exakt in den Zahlen Chinas, über die wir schon berichtet hatten. Bildlich gesprochen: Man sitzt im selben Boot, wobei China das Steuer bedient und die Türkei rudert.

Dass hingegen die Exportzahlen nach Indien kräftig stiegen (um +54,03% auf knapp 85 Millionen US-$), zeigt lediglich, dass die türkischen Firmen sofort zu Stelle waren, als Indien seine bisherigen Importbeschränkungen für Marmor gelockert hat.

Auch bei den Endprodukten war die Entwicklung nicht gut. Zwar erreichte die Türkei bei den USA als wichtigstem Abnehmer hier eine leichte Steigerung nach Wert (+2,15%). Jedoch stieg dafür die Tonnage um +11,79%, was bedeutet, dass man auch hier pro t weniger Umsatz erzielte.

Und überhaupt: die aktuelle Steigerung im Handel mit den USA macht den Rückgang aus dem Vorjahr um -11,2% nicht annähernd wett.

Schließlich: bei einigen anderen großen Abnehmern von Endprodukten, etwa Saudi Arabien, gingen die Exportzahlen 2017 sogar zurück.

Immerhin bei den Ländern der EU erreichte man eine Steigerung beim Wert um +5,33% (auf 172 Millionen US-$). Hoffnungsvoll entwickelte sich Lateinamerika mit einem Plus von knapp (+)30% (auf 21,4 Millionen US-$). Jedoch sind in beiden Fällen die Exportmengen vergleichsweise gering.

Die Exporte der türkischen Natursteinbranche im Vergleich der letzten 15 Jahre, wie sie das <a href="http://www.marbletrend.com.tr/"target="_blank">Magazin Marble Trend</a> in seiner Ausgabe 44 veröffentlicht hat.

Man darf gespannt sein, wie sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln. Denn die türkische Steinbranche befindet sich insgesamt auf einem guten Weg, wie wir in unserem Bericht von der Messe Marble in Izmir festgestellt hatten.

Außerdem haben die türkischen Verbände im Jahr 2017 erhebliche Anstrengungen unternehmen, um in ihren Zielländern „mit dem Endverbraucher in Kontakt zu kommen“, wie es in Medienberichten heißt. Gemeint sind damit Architekten und Designer. Vorrangige Zielländer sind, Kanada, Mexiko, Brasilien, Indonesien und Malaysia, wie Aydin Dinçer, Präsident des Verbandes IMIB, zitiert wird.

Die Regierung hat dafür im Rahmen ihres UR-GE-Programms viel Geld zur Verfügung gestellt. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Türkei auf den internationalen Märkten gestärkt werden. Bei der Vergabe der Finanzmittel wird folgendes Konzept verfolgt: derjenige der Bewerber, der für ein Projekt das beste Konzept vorlegt, darf es durchführen. Am Ende des Jahres erfolgt dann eine Evaluation der Ergebnisse.

So präsentierte IMIB (Istanbul Mineral Exporters’ Association) auf der Messe MIPIM in Cannes im März 2018 seine Kampagne „I am Turkish Stone“. Den Geschäftsleuten der Immobilienbranche wurden dabei die Materialien aus der Türkei aufwändig vorgeführt.

Der Verband EIB (Aegean Exporters Association) hatte sich im Januar 2018 nach London aufgemacht. Der Grund für die Ortswahl war, dass dort alle großen internationalen Architekturbüros Vertretungen haben. Wie zu hören war, nahmen die Büros die mitgebrachten Muster dankbar in ihre Materialbibliotheken auf.

IMIB

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(06.06.2018)