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Über die Weser wurde der Obernkirchener Sandstein in die ganze Welt exportiert

Porta Westfalica Ringmauer

Am 22. September 2018 findet in Obernkirchen der 5. Workshop der Reihe „Sandstein in Westfalen“ statt

Seeschiffe wurden ehemals gerne mit Naturstein als Ballast oder Rückfracht beladen (was übrigens die ersten Steine aus Indien für Grabmale nach Großbritannien brachte), und dazu gibt es zu einem Wrack aus dem Jahr 1629 vor der Westküste Australiens eine schöne Geschichte, die sich um Weserrenaissance, Obernkirchener Sandstein und einen Ostindiensegler dreht: das Schiff hatte nämlich in Amsterdam die vorgefertigten Elemente für ein Portal in Batavia – heute Jakarta und die Hauptstadt Indonesiens – geladen, und als man es in den 1970ern vom Korallenriff, an dem es zerschellt war, hob, gab es die Frage, was für eine Geschichte diese Fundstücke zu erzählen hatten.

Wir ahnen es schon und Details kann man auf einer Webpage der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nachlesen: die Niederländer in Gestalt der Ostindien-Kompanie (VOC), damals Machthaber in der pazifischen Inselwelt, wollten die Zitadelle mit ihrem Hauptquartier in Batavia mit einem schicken Portal verzieren, und hatten sich dafür den Obernkirchener Sandstein ausgeguckt. Der hat nämlich bis zu 80% Quarzanteil, ist folglich sehr hart, zudem sehr kompakt und gleichmäßig und war schließlich damals ein Naturstein der Mode.

Doch nicht nur nach Fernost wurde der Stein über die Weser und via Bremens Häfen verschickt. Die Webpage der Firma Wesling, die den Obernkirchener noch heute abbaut, nennt zahlreiche weitere Referenzen: Rathäuser von Bremen bis Antwerpen oder Börsenpaläste von Bergen bis Kaliningrad.

Am 22. September 2018 widmet sich der 5. Workshop der Reihe „Sandstein in Westfalen“ diesem heimischen Naturstein, der auch als Bremer Stein oder Bückebergsandstein bekannt ist. Veranstalter ist die Historische Kommission für Westfalen in Kooperation mit der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Schauplatz der Vorträge ist der Festsaal des Stifts Obernkirchen. Die Ortschaft mit knapp 10.000 Einwohnern liegt nicht weit entfernt von der Porta Westfalica.

Beim Workshop gibt es am Vormittag nach Begrüßung durch den Obernkirchener Bürgermeister und einer Einführung folgende Vorträge:
* Der Obernkirchener Sandstein – Vorkommen, Gewinnung, Verwendung – gestern und heute (Dr. Jochen Lepper, Hannover),
* Der Obernkirchener Sandstein als Ersatzgestein in der Denkmalpflege – Auswahlkriterien und Probleme (Dr. Birte Graue, LWL-Denkmalpflege, Münster),
* Sandstein auf dem Grund der Weser – die Entdeckung und Bergung der Schiffe bei Rohrsen (Dr. Burkhard Beyer, Historische Kommission für Westfalen, Münster).

Am Nachmittag schließt sich eine Besichtigung der Verarbeitungsanlagen der Firma Wesling und ein Besuch im Steinbruch der Firma an. Eine individuelle Fahrt im eigenen Pkw zum Steinbruch ist nicht möglich.

Anmeldeschluss ist am 14. September.

Die Reihe „Sandstein in Westfalen“ nimmt nach und nach die verschiedenen westfälischen Natursteine und ihre historischen und ihre heutige Bedeutung unter die Lupe. „Kleinräumige Nutzungen sollen so sichtbar werden, aber auch die internationalen Handelsbeziehungen einiger Absatzgebiete“, heißt es im Programm. Die Reihe richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit, nicht nur an Fachleute.

Bisherige Tagungsorte waren Anröchte (2014), Havixbeck (2015), Witten (2016) und Bielefeld (2017).

Historische Kommission für Westfalen

Wesling Obernkirchener Sandstein

BGR: Schiffswrack vor Australien

Gerade hat die Bundesanstalt BGR die Publikation „Bausandsteine in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen” herausgebracht. Darin beschreiben Dr. Angela Ehling und Dr. Jochen Lepper die Verwendung dieser Natursteine etwa am Hildesheimer Dom (Hildesheimer Rhätsandstein), am Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica (Porta-Sandstein), am Rathaus in Osnabrück (Schilfsandstein) sowie an zahlreichen Gebäuden auch im Ausland.

See also:

 

 

 

 

(09.08.2018)