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Euroroc: bei der „Sicherung der Rohstoffressourcen“ geht es auch um das Offenhalten der Steinbrüche

Peter Handley. Foto: EU Kommission

Peter Handley ist bei der EU-Kommission neuerdings zuständig für das Thema / Seine Leitlinie ist Kreislaufwirtschaft

Rohstoffe sind ein großes Thema in der EU. In die Öffentlichkeit kam es erstmals in den Jahren nach 2010, als bestimmte Seltene Erden knapp zu werden drohten.

Auch Naturstein zählt zu den Rohstoffen, allerdings erreicht er nicht so viel Aufmerksamkeit. Jedoch schafft die Branche viele Arbeitsplätze, mancherorts leben ganze Regionen von der Gewinnung und Verarbeitung von Marmor, Granit & Co.

Der aktuelle Streitpunkt dabei ist: viele Bürger und folglich auch viele Politiker meinen, der Abbau sollte woanders erfolgen.

In der EU-Kommission ist seit September 2017 Peter Handley für das Thema zuständig. Er ist Chef der Abteilung „Ressourcen-Effizienz und Rohstoffe“, die in der Generaldirektion für Wachstum angesiedelt ist.

Im Juni 2018 statteten ihm Vertreter von Euroroc einen Besuch ab. Es waren der Generalsekretär des Europäischen Dachverbands der Natursteinorganisationen, Professor Gerd Merke, und Stijn Renier vom Belgischen Verband „Union Des Carrieres et Scieries De Marbres De Belgique“. Ziel war, Handley die Bedeutung des Natursteins für Europas Wirtschaft klarzumachen und ihn auch über die Herausforderungen der Branche zu informieren.

Denn die Kommission hat bestimmte Leitlinien vorgegeben, was den Umgang mit Rohstoffen angeht: die Wirtschaft soll sparsam mit den Bodenschätzen umgehen und der Produktionsabfall soll, sofern der sich nicht vermeiden lässt, wiederverwendet werden.

Stichwort ist Circular Economy, also Kreislaufwirtschaft. Die Grundlage dafür ist das Life-Cycle-Assessment (Ökobilanz). Es ermittelt sämtliche Faktoren wie etwa Energieverbrauch oder CO2-Freisetzung während der gesamten Lebensdauer eines Materials.

Naturstein bringt in beiden Feldern von Natur aus herausragende Eigenschaften mit: Zum einen ist er schlichtweg vorhanden – es wird also keine Primärenergie für die Erzeugung benötigt. Zum anderen hat er eine Lebensdauer wie keines der Materialien von Menschenhand. Fußbodenfliesen zum Beispiel lassen sich sehr oft aufarbeiten und weiterverwenden.

Nicht gut aufgestellt ist die Branche hingegen, was Abfall angeht. Bei der 1st International Sustainable Stone Conference in Carrara im Jahr 2016 führten italienische Experten aus, dass in Sachen Reststoffe die Natursteinfirmen nach der Bauwirtschaft auf einem unrühmlichen 2. Platz liegen: Im Jahr 2012 produzierten sie EU-weit 727 Millionen t Abfall. Das entsprach 28% der gesamten Abfallmenge aller Branchen.

Zur Vermeidung kam kürzlich von der IMM Carrara die Anregung, spezielle Harze zu entwickeln, mit denen sich ganze Bänke im Steinbruch festigen lassen.

Ideen für die Verwertung des Abfalls sind angesichts der riesigen Mengen eher Tropfen auf den heißen Stein. Das gilt zum Beispiel für das Mehl aus Carrara-Marmor, das traditionell als Scheuermittel der Zahnpasta beigegeben wird. Steinpuder würde sich auch eignen als Zuschlagsstoff etwa für Asphalt, Zement, Gips und vieles mehr, haben Forschungen ergeben. Jedoch wurde hier bislang kein Marktdurchbruch erzielt.

Um die Wichtigkeit der Rohstoffe in die Öffentlichkeit zu bringen, hat die Kommission vor 3 Jahren die so genannte Raw Materials Week ins Leben gerufen. Schauplatz ist Brüssel vom 12. bis 16. November 2018.

Zur Beratung der Kommission gibt es das Expertengremium der Raw Materials Supply Group. In ihr sitzen Vertreter unter anderem der Verbände, die mit dem Thema befasst sind.

Wichtig zu erwähnen in diesem Zusammenhang ist PRODCOM. Es handelt sich um Statistiken über Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden und die Herstellung von Waren daraus. Naturstein und seine Produkte sind auch aufgenommen. Derzeit wird die lange Tabelle überarbeitet.

Euroroc

Raw Materials Week

Autor: Peter Becker

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(07.09.2018)