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Primeira Pedra: Ein Marmorteppich als Straßenbelag in einem einfachen Londoner Stadtviertel

Primeira Pedra, Michael Anastassiades: Ein Marmorteppich als Straßenbelag.

Der Designer Michael Anastassiades fand als Werbeidee für Portugals Steinbranche eine Verwendung für Abfall aus der Produktion

Was tun mit dem Abfall ist eine Frage, die in der Natursteinbranche mehr und mehr ins Bewusstsein der Firmen gerät. Zum einen weil die Öffentlichkeit zunehmend ein Auge auf solche Themen wirft, zum anderen weil auch die Branche selbst ihr Credo ernst zu nehmen beginnt, dass sie es mit einem besonderen Material zu tun hat, das vor Millionen von Jahren von der Natur geschaffen wurde und das folglich besondere Wertschätzung verdient.

Dabei muss man dazuzusagen, dass in der Steinbranche viel Abfall quasi auf natürlichem Wege zustande kommt: Weil ein Rohblock eben nicht in vorgegebenen Maßen aus dem Bruch kommt, muss er zugeschnitten werden, und dabei entsteht zwangsläufig Verschnitt.

Im Rahmen des portugiesischen Projekts Primeira Pedra (First Stone) hat nun der aus Zypern stammende Designer Michael Anastassiades sich eine sehr ungewöhnliche Idee für die Verwendung von Verschnitt einfallen lassen: er hat die Reststücke zu einem Belag für eine Londoner Seitenstraße ausgelegt.

Primeira Pedra, Michael Anastassiades: Ein Marmorteppich als Straßenbelag.

Die Länge ist 27 m die Breite 2 m, also insgesamt geht es um eine Werbefläche von 54 m².

Die Idee nimmt Bezug auf Portugals lange Tradition der Calçada Portuguesa, also des dekorativen Kleinpflasters für die Bürgersteige.

Hinzuweisen ist bei der Idee von Michael Anastassiades auch darauf, dass der Steinteppich in Southwark ausgelegt ist, einem eher einfachen Viertel in Englands Hauptstadt. Charles Dickens lebte hier, im Moment soll die Gegend aufgewertet werden.

Primeira Pedra, Michael Anastassiades: Ein Marmorteppich als Straßenbelag.

Das Marmorpflaster stellt nun eine hochherrschaftliche Verbindung der einfachen Wohnhäuser mit dem angrenzenden bescheidenen Mint Street Park her.

Gewissermaßen wird hier Stein zu dem, was er eigentlich ist, nämlich ein Material für alle.

Damit bricht der Designer mit dem üblichen Fokus der Steinbranche, der meist auf Luxusprodukten für die wenigen Reichen liegt. Vor allem das „Made in Italy“ ist auf diese Zielgruppe ausgerichtet.

Die Installation war Teil der London Design Week 2018 und bleibt dauerhaft erhalten. Die Adresse ist Mint Street, London, SE1 1QX.

Primeira Pedra, Michael Anastassiades: Ein Marmorteppich als Straßenbelag.

Verwendet wurden vor allem Reststücke von portugiesischem Marmor in Rosa- und Ockertönen. Daneben kam auch Schiefer zum Einsatz. Die Firmen Dimpomar und Mármores Galrão stellten das Material zur Verfügung.

Für die Verlegung wurden die einzelnen Steinriemchen zu Platten zusammengefasst. Manche Stücke ragen tiefer in den Boden und geben so Stabilität.

Im Rahmen unserer Berichterstattung über Primeira Pedra hatten wir bereits über andere interessante Ideen berichtet. Beteiligt daran sind der Natursteinverband Assimagra und die Agentur Experimentadesign. Zuschüsse kommen von der EU.

Primeira Pedra

Fotos: Ed Reeve

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(19.12.2018)