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Artedomus: Naturstein-Design aus Australien, das sich doch nur an den Ideen aus Italien orientiert

Artedomus, Emma Elizabeth: Kerzenständer „Artemis“. Artedomus, Tom Skeehan: Tisch „Baccus“.

Die Firma verwendet für ihre neue Marke „New Volumes“ griechischen Marmor und bringt Objekte aus massivem Stein auf den Markt

In Australien hat sich in den letzten 30 Jahren eine kräftige Nachfrage nach Design entwickelt, wobei zum Beispiel die Inneneinrichtungen schon von einheimischen Studios ausgeführt werden, die verwendeten Waren aber meist noch aus Europa kommen. Das ändert sich seit einiger Zeit, und auch im Bereich von Produktdesign aus Naturstein stellt der 5. Kontinent sich auf eigene Füße.

Ein Beispiel ist die Marke New Volumes der Firma Artedomus: es sind exklusive Marmor-Objekte, die das luxuriöse Marktsegment anvisieren und als Mischung zwischen Skulpturen und Alltagsgegenständen zu verstehen sind.

Artedomus hatte vor rund 30 Jahren damit begonnen, Keramikfliesen aus Italien zu importieren. Inzwischen hat die Firma Showrooms in Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth und holt zum Beispiel auch noble Keramiken aus Japan oder die klassischen Marmormöbel von Agapecasa ins Land.

Artedomus, Ross Gardam: Tischlampe „Hemera“.Artedomus, Thomas Coward: Beistelltisch „Hurlysi“.

Interessant zu beobachten ist, wie das Unternehmen in diesem Portfolio die eigene – australische – Marke und deren aktuelle „Collection 01“ profilieren will.

Erstens: verwendet wird wie im Produktdesign mit Stein üblich weißer Marmor, aber nicht der aus Carrara, sondern die Sorte Elba aus Griechenland.

Sie ist als Markenzeichen registriert, und man habe exklusiven Zugriff darauf, heißt es auf der Webpage. Es handelt sich um einen Dolomit, der in verschiedenen Firmenvideos als Material mit ganz besonderen Eigenschaften beschrieben wird.

Zweitens: für die „Collection 01“ hat man australische Designer die Entwürfe machen lassen. Acht Studios haben 12 Objekte kreiert.

Artedomus, Thomas Coward: „Lydn“.Artedomus, Sarah King: Mörser und Stößel „Napoleon & Josephine“.

Leider ist an diesem Punkt das Besondere von New Volumes schon wieder zu Ende.

Denn was die Designer da hervorgebracht haben, kennt man aus Europa und vor allem aus Italien. Es ist Design in der Tradition der Bildhauerei, wo die Objekte immer komplett aus Stein gefertigt sein müssen (weil Bildhauer so arbeiten).

Auch haben wir viele der Objekte selbst so oder mit ähnlich geringer Benutzbarkeit schon oft gesehen.

Artedomus, Dale Hardiman: Sockel und Pflanzgefäß „Semper Planter“.Artedomus, Dale Hardiman: Sockel und Vase „Semper Vase“.

Schade, das. Denn es läge eine große Chance für die weltweite Steinbranche darin, wenn aus Australien etwas Eigenes käme.

Der Blick aufs Automobil lehrt das: sein weltweiter Erfolg beruht darauf, dass es einerseits den Wunsch des Kunden nach Mobilität perfekt erfüllt, es andererseits aber Fahrzeuge für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel gibt.

Artedomus, Marsha Golemac: Schüssel, Vase oder Kunstobjekt „Spomenik I“ (links), „Spomenik II“ (rechts).Artedomus, Nick Rennie: Fruchtschale „Undara“.

Naturstein-Design ist bisher Italien-dominiert und es wird allerorten nur die italiensiche Herangehensweise an das Thema kopiert.

Dass es auch anders geht, hat sich auf der Xiamen Stone Fair mit der Ausstellung „Stone Infinite“ schon gezeigt, zumindest ansatzweise.

Jedoch werden sich die Stücke der „Collection 01“ ohne Zweifel verkaufen. Denn es gibt auch in Australien einen Markt für exklusive Produkte, die Spektakel sind und Eindruck machen.

Artedomus, Nick Rennie: Tisch „Wyrie“.

Wirklich anders bei Artedomus als bei den Europäern ist nur eins: die Firma präsentiert sich als jung und selbstironisch. So wird über einen Mitarbeiter gesagt, dass er einen Hund namens Lewi$ hat, zu einer Mitarbeiterin heißt es, dass sie Nutella mag, und einer aus dem Team tut kund, dass er seine Ehefrau in der Firma kennengelernt hat.

Europäische Natursteinfirmen hingegen tragen gerne die Geschichte und Kultur ihrer Länder wie einen Popanz vor sich her.

New Volumes

Artedomus

Fotos: New Volumes

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(26.06.2019)