Ein Buch forscht der „Urbanen Textur der Großstadt“ anhand von unauffälligen Details im Stadtbild nach
Um das traditionelle Straßenpflaster in Berlin, also die großen „Schweinebäuche“ und drumherum das kleinteilige Mosaik, geht es in einem Beitrag in dem Buch „Berlin – Die Schönheit des Alltäglichen. Urbane Textur einer Großstadt“. Weitere Themen sind unter anderem die Berliner Brandmauer als Feuersicherung von nebeneinander stehenden Gebäuden, das urbane Mobiliar im öffentlichen Raum oder die Denkmalgeschichte der U-Bahnbauten.
Die Saga geht, dass die Berliner, als man woanders in Europa schon auf feinen Pflastern wandelte, sich noch über Sandpisten voller Pützen hinwegbewegen mussten. Nicht nur Regenwasser stand in den Pfützen – lange war es üblich, die Nachttöpfe einfach per Fenster auf den Gehweg auszuleeren.
Dann ließ die Weinhandlung Lutter & Wegner Steinplatten vor ihrer Schenke am Gendarmenmarkt verlegen – diese Werbemaßnahme gefiel dem preußischen König so gut, dass er eine entsprechende Order an alle Hausbesitzer erließ.
Für die Finanzierung habe die Obrigkeit die Hundesteuer herangezogen, wird erzählt.
Der Gendarmenmarkt von heute mit seinem Schmuckpflaster wurde übrigens vor ein paar Jahren erneuert.
„Der Berliner Gehweg funktioniert mit seinen Elementen wie ein grammatikalisches System – für alle Aufgaben gibt es Regeln und eine schlüssige Lösung“, heißt es in dem Buch in einem Beitrag über die Pflasterung der Trottoirs. In der Mitte des Gehwegs liegen ein Reihe oder zwei großer Granitplatten. Sie sind auf der Unterseite gewölbt, damit sie im Sand nicht verrutschen, daher die Bezeichnung „Schweinebauch“.
Die so genannten „Bischofsmützen“ sind ein anderes Element aus diesem Gestaltungsrepertoire.
Entlang der Hauswand gibt es „traditionell das Bernburger Mosaikpflaster – die Berliner Fachleute sprechen jedoch meist einfach von ,Bernburger’ oder schlicht von ,Moos’“, heißt es in einem anderen Beitrag. Es handelt sich um hellgrauen Kalkstein aus Bernburg in Sachsen-Anhalt in der Schlagung 4/6 cm.
Zur Arbeit der Steinsetzer heißt es an einer Stelle: „,Jeder Stein hat sein Gesicht’ – der Pflasterer dreht ihn bei der Arbeit so lange in der Hand, bis er es gefunden hat. Und wo der Stein nicht passt, da wird er beiseitegelegt und später an anderer Stelle eingepasst – weshalb man diesen Mosaikverband auch ,Passe’ nennt.“
„Berlin – Die Schönheit des Alltäglichen. Urbane Textur einer Großstadt“ (herausgegeben von Frank Peter Jäger, Jovis Verlag 2018, ISBN 978-3-86859-380-8)
https://www.jovis.de/de/buecher/details/product/berlin_die_schoenheit_des_alltaeglichen.html
(06.07.2019)







