Der brasilianische Designer Ludson Zampirolli und die Firma Gramazini: Marmor-Rohblöcke als „Trüffel“

Ludson Zampirolli, Gramazini: „Slipper“.

Im Marketingkonzept wird eine Analogiebildung zum luxuriösen Lebensstil betrieben / Der Designer als „Trüffelhund“

Mit einer Analogie zur Haute Cuisine propagieren der brasilianische Designer Ludson Zampirolli und die Firma Gramazini ihren exklusiven Marmor: „Coleção Truffas“ (Kollektion Trüffel) ist der Titel, wobei es die Rohblöcke des Marmors Enigma sind, die als „Trüffel“ bezeichnet werden.

Kurios ist das Ende, das die Geschichte genommen hat.

Der Reihe nach. Als erstes Designobjekt aus dem Material wurde auf der Messe High Design Expo in São Paulo das Waschbecken „Slipper“ (Pantoffel) präsentiert. Der Stein zeichnet sich durch eine dunkelbraune Farbe mit markanten weißen Adern aus.

Lang und schwärmerisch ist der Text auf Portugiesisch dazu auf der Website des Designers. Es wird erzählt, das der Trüffel ein Pilz ist, der unterirdisch wächst, und der bei den besten Küchenchefs hoch geschätzt wird.

Analog heißt es zum Enigma-Marmor, dass er sich aus Kalksedimenten bildete, die mit organischen Material durchsetzt waren und dem Stein seinen besonderen Farbton geben. Die strahlenden und mitunter breiten Adern bestehen aus Calcit-Kristallen, die sich über Jahrmillionen entlang von Wasserkanälen im Stein absetzten.

Ludson Zampirolli, Gramazini: „Slipper“.

Abgebaut wird der Marmor im Nordosten des Bundesstaates Bahia, wo es vor langer Zeit ein Meer gab.

Ungewöhnlich am Marketing-Konzept ist nicht die Analogiebildung zum luxuriösen Lebensstil. Das machen viele Natursteinfirmen so, um ihr Material den reichen Kunden schmackhaft zu machen.

Aber ein Bezug zu den knolligen Gewächsen, die es in weiß und schwarz und von Natur aus auch als „falsche“ Trüffel gibt, war unseres Wissens nach bislang in keinem anderern Projekt hergestellt worden.

Ludson Zampirolli, Gramazini: „Slipper“.Ludson Zampirolli, Gramazini: „Slipper“.

Und auch haben wir noch nicht davon gehört, dass eine Firma bei ihren Natursteinobjekten auch die Nummer des Rohblocks nennt, aus dem sie gefertigt wurden. Beim auf der Messe gezeigten Prototyp des „Slipper“ war es die 17675-3.

Die wird auf der Webpage gleich mehrfach genannt, und beschrieben wird auch, dass der Designer wie ein „Trüffelhund“ arbeiten muss: am Bildschirm schaut er sich alle Fotos von Blöcken an und sucht diejenigen heraus, bei denen die Größe und der Verlauf der Adern am besten mit der Form des späteren Waschbeckens einhergeht.

Denn: Zur Verwendung kamen Blöcke, die eigentlich für normale Verarbeitung nicht zu verwenden waren – Abfall, eigentlich.

Ludson Zampirolli informierte uns, dass die Firma 20 ihrer „Slipper“-Waschbecken an eine Wohnanlage in Miami verkauft hat.

Kurioserweise kam die Produktion damit zu einem Ende – es stand von Anfang an nur eine begrenzte Zahl an Abfall-„Trüffeln“ aus Enigma Marmor zur Verfügung. Dies war also eine ganz spezielle Limited Edition, sozusagen.

Ludson Zampirolli, Zidea (portugiesisch)

Gramazini

Ludson Zampirolli, Gramazini: „Slipper“.

See also:

 

 

 

 

(25.10.2019)