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Vom Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren: alles nur Beton und deshalb nur begrenzt haltbar

Das Brandenburger Tor, ein Rest der alten Stadtmauer aus dem Jahr 1791.

In den letzten Monaten des Jahres 1989 gingen in der ganzen DDR die Bürger auf die Straße und brachten das sozialistische Regime zu einem Ende

Wir müssen eingestehen, dass, wenn wir im ehemaligen Berliner Osten zu tun haben und mit dem Fahrrad unterwegs sind, wir immer und grundsätzlich den Weg durchs Brandenburger Tor nehmen. Das hängt damit zusammen, dass wir auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer (am 09. November 1989) noch nicht recht glauben können, dass das Tor wirklich offen ist und wir uns deshalb immer wieder rückversichern müssen, dass nicht alles doch nur ein schöner Traum war.

Als Wunder kann man den Fall der Mauer getrost bezeichnen, vor allem die Tatsache, dass er friedlich und ohne Blutvergießen vor sich ging.

Vielleicht lag der Niedergang des „antifaschistischen Schutzwalls“ oder „Eisernen Vorhangs“ – wie das Bauwerk im Osten beziehungsweise Westen bezeichnet wurde – auch nur daran, dass die Mauer nicht aus Stein sondern aus Beton-Fertigteilen errichtet war und deshalb ohnehin nicht ewig stehen konnte.

In Berlin zieht sich jetzt ein Band aus Pflastersteinen durch die City, das den ehemaligen Verlauf der Teilung nachzeichnet. Und das Brandenburger Tor steht in seinem gelblichen Sandstein und dem Granitsockel als Schutz gegen aufsteigende Nässe inzwischen so da, als hätte es die Jahrzehnte mit dem sozialistischen Grauschleier nie erleben müssen.

In Berlin zeichnet ein Band von Pflastersteinen den Verlauf der Mauer nach. Foto: Shizhao / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons

In Sachen Natursteinverwendung hat die DDR kaum Spuren hinterlassen. Doch gab es noch in den 1960er und 1970er Jahren Steinbruchbetriebe in privater Hand, die erst später in die großen staatlichen Einheiten eingegliedert wurden. Die Chronik des DNV zu seinem 100. Jubiläum nennt als wichtigste Betriebe in Ostdeutschland die Lausitzer Granitwerke, den VEB-Elbe-Naturstein in Dresden und die Harzer Granitwerke in Wernigerode. Vor allem für den Friedhofbereich wurde Naturstein abgebaut, heißt es dort.

Die geologische Forschung jedoch hatte einen wichtigen Stellenwert in der Wissenschaft des so genannten Arbeiter- und Bauernstaates. Hier ging es vor allem um die Erschließung der Ressourcen, damit die eigene sozialistische Wirtschaft möglichst unabhängig von Lieferungen aus dem „kapitalistischen Ausland“ (DDR-Jargon) werden könnte.

So kommt es, „dass das Territorium Ostdeutschlands heute zu
einem der besterforschten Gebiete in Europa zählt“, nachzulesen in der Veröffentlichung „Zur Geschichte der Geowissenschaften in der DDR“ (Schriftenreihe für Geowissenschaften, 16, 2008).

Nicht anders als zahlreiche andere Länder, behandelte die DDR die Forschungsergebnisse zu den eigenen Ressourcen als vertraulich. In späteren Jahren aber wurde die Geheimniskrämerei gelegentlich ins Absurde getrieben: so beschränkten sich die Publikationen der wissenschaftlichen Institute zuletzt auf bloße Exkursisonführer für die interessierte Bevölkerung, wie es auf einer Webpage zur Geologie in Sachsen heißt.

Nach der Wende, als die Forschungslandschaft der DDR neu geordnet wurde, bestand plötzlich die Gefahr, dass dieses wertvolle Wissen aus Unachtsamkeit oder sonstwie verloren gehen könnte. Denn die Erkenntnisse zu den Schätzen im Untergrund waren und sind in der Öffentlichkeit nur wenig populär.

Dem wirkte unter anderem Professor Johannes H. Schroeder von der Technischen Universität Berlin entgegen, indem er als unermüdliche Netzwerker gleich nach der Wende die Geologen aus den Westen mit denen aus dem Osten zusammenbrachte. Später wurde er unter anderem für diese Leistung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Das meiste aus Naturstein, das mit der DDR zusammenhängt und noch zu sehen ist, sind Denkmale zu ihrem Ende und zur folgenden Vereinigung der beiden deutschen Staaten.

Der „Brunnen der Einheit“ von David Chipperfield in Leipzig.

Zu erwähnen ist zum Beispiel der „Brunnen der Einheit“ von David Chipperfield in Leipzig: randvoll mit Wasser gefüllt zeigt er, dass es am Ende nur eines einzigen Tropfens bedarf, damit die Dinge in Bewegung geraten und der Trog überläuft.

Das Wendedenkmal in Plauen. Foto: Straktur / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Erwähnen wollen wir auch das Wendedenkmal in Plauen: es steht auf einem Granitsockel inmitten eines Natursteinpflasters und erinnert mit der Form einer Kerze an die Angst der Menschen, dass die Dinge in der Umbruchzeit vielleicht keinen guten Verlauf nehmen würden.

Eigentlich war es in dieser kleinen sächsischen Stadt, dass die Bürger erstmals ihre Kritik an der DDR-Regierung auf die Straße trugen: Just am 07. Oktober 1989, als die Staatsführung in Berlin den 40. Jahrestag ihrer DDR feierte, zog in Plauen geschätzt etwa ein Viertel der Bevökerung durch die Stadt und forderte Veränderungen. Das ging über fünf Monate so. Anfangs wurde es über Sachsen hinaus kaum wahrgenommen.

Die späteren Montagsdemos etwa in Leipzig aber waren von Anfang an populär, und in ihrer Folge gab es in vielen anderen Städten ähnliche Aufzüge.

Wir erinnern uns an einen Montagabend in Halle, wohin wir mit einem Besuchsvisum zu Freunden gefahren waren: schweigend zogen in der November-Dunkelheit die Menschen über die Ringstraße; Beleuchtung gab es nur entlang dieser Hauptverkehrsader, die Seitenstraßen lagen bedrohlich im Finstern.

Unwillkürlich zog man im Nieselregen den Kopf tiefer zwischen die Schultern, denn, so kompromisslos wie sich das DDR-Regime gegenüber Kritik vorher immer gegeben hatte, war es es ganz und gar unwahrscheinlich, dass die Sache ohne Gewalt über die Bühne gehen würde.

Berliner Mauer

Wendedenkmal Plauen

Demonstration in Plauen

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(08.11.2019)