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Initiative aus NRW will das Steigerlied in die Liste der Immateriellen Kulturgüter bringen

Die Skulptur „Steile Lagerung“ von Max Kratz 1989 hinter dem Hauptbahnhof in Essen will an die Mühsal der Bergleute erinnern.

„Glück auf, Glück auf!“ gilt als die Hymne der Bergleute nicht nur in der Kohlebranche

Mit „Glück auf“ begrüßen sich auch die Geologen, aber wenn der Gruß doppelt ertönt, dann folgt das Steigerlied: „Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt.“ In Nordrhein-Westfalen hat eine Initiative nun beim Kultusministerium den Antrag eingebracht, das Lied in die Liste der Immateriellen Kulturgüter aufzunehmen. Initiator ist die RAG-Stiftung.

Das Lied mit seiner einprägsamen Melodie gilt als Hymne der Bergleute und wurde ehemals bei vielen offiziellen Anlässen in NRW gemeinsam gesungen – auf „gemeinsam“ liegt hier die Betonung. Auch wenn am 21. Dezember 2018 die letzte Kohle im Ruhrgebiet aus der Erde geholt wurde, dies auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop, gehört das Steigerlied weiterhin zum sozialen Leben dazu: bei den Fußballclubs Schalke 04 und Rot-Weiss Essen wird es bei jedem Spiel gesungen, schließlich gingen beide Vereine aus Spielvereinigungen von Bergleuten hervor.

Aus dem Kalibergbau gab es schon Zustimmung zu der Initiative.

Im Liedtext wird der Steiger als eine der zentralen Figuren in einer Grube herausgestellt. Er war gewissermaßen der technische Leiter einer Schicht, zuletzt Ingenieur mit Studium, und war bei Störungen der Maschinen derjenige, der eine Lösung herbeizaubern musste.

Auch war der Steiger früher für die Sicherheit vor Ort zuständig.

Untertage waren neben Felsstürzen Gasexplosionen besonders gefürchtet. Sie entstehen leicht wenn es eine kritische Mischung von Methan und Sauerstoff gibt. Ausgelöst durch Funken, rasen dann Feuerwalzen oft kilometerweit durch die Stollen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erkannte man, dass zwar das kritische Gasgemisch Voraussetzung für eine Explosion ist, dass aber erst der Kohlestaub in der Luft dafür sorgt, dass die Entzündung nicht schnell wieder erlöscht.

In der Liste des Immateriellen Kulturguts findet man zum Beispiel regionales Brauchtum wie etwa Musik oder Dichtung. Aber auch eher technische Besonderheiten tragen die Auszeichnung: So wurde kürzlich das aus dem Mittelalter stammende System der Wasserbewirtschaftung in Augsburg mit seinen Türmen, Kanälen und Brunnen in die Liste aufgenommen.

Das Aufnahmeverfahren ist mehrstufig: Das Kultusministerium NRW muss nun den Antrag prüfen und reicht die Unterlagen via Kultusministerkonferenz gegebenenfalls an das Auswärtige Amt in Berlin weiter. Von dort gehen sie zu einer Vorprüfung an das Unesco-Welterbezentrum in Paris.

Die Messlatte liegt dort hoch. Häufig fordert die Unseco Nachbesserungen am Konzept. Denn das Kulturgut muss einerseits praktiziert werden und andererseits muss es ein aktives kulturelles Umfeld dazu geben.

Steigerlied

Liste des deutschen Immateriellen Kulturguts

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(10.11.2019)