Marmomac 2019: „Percorsi d’Arte“ führt vor, welche Möglichkeiten die neuen Technologien den Bildhauern öffnen (1)

Cynthia Sah: „Wave’s Passage“.Cynthia Sah: „Wave’s Passage“.

Vier Künstler um den Industriedesigner Raffaello Galiotto zeigten Arbeiten, die bislang nicht möglich waren

Neue Technologien schlagen sich auch in der Kunst nieder. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist die Umwandlung des Eisens zu Stahl, die um 1800 eine Vollendung erreicht hatte und etwa von 1850 an zu entscheidenden Neuerungen im Klavierbau führte. Erst mit dem damals neuen Konzertflügel mit Stahlsaiten und Rahmen aus Gusseisen konnten Künstler wie Franz Liszt ihr ganzes Können ausleben.

Im Moment vollzieht sich etwas Ähnliches im Bereich der Steinbildhauerei: hier sind der CNC-gesteuerte Roboterarm und das Diamantseil sowie die Wasserstrahltechnologie die wichtigsten Neuheiten.

Vier Bildhauer um den Industriedesigner Raffaello Galiotto haben sich im Projekt „Percorsi d’Arte“ (Wege der Kunst) mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt. Ihre Arbeiten wurden in Halle 1 der Marmomac gezeigt.

Wir stellen in den kommenden Wochen die Künstler und ihre Ideen vor.

Diesmal: Cynthia Sah, „Wave’s Passage“ (Das Vorbeiziehen einer Welle):

Cynthia Sah: „Wave’s Passage“.

„Mein Konzept basiert auf der Idee, auf einer Marmoroberfläche mit Technologie eine 3-dimensionale Struktur zu erzeugen. Wie kann ich die Maschine die von mir erdachte Form gestalten lassen, wie kann sie verschiedene Höhenstufen betonen, durchgehende Linien ausschneiden oder diese Linien auch ändern?
Eigentlich ist es so, als hätte man eine Partitur und ein Musikinstrument für ein Spiel in die Hand genommen.
Meine Skulpturen haben einfache, aber aussagekräftige Formen. In diesem speziellen Fall ist die „Wave’s Passage“ wie ein Wasserfluss, der durch eine Bergkette fließt, sich langsam einschneidet in sie und dabei Hügel und Hohlräume schafft.
Spannend finde ich dieses Experimentieren, ohne dass dabei meine künstlerische Sprache verloren geht: die Texturen sollen Teil der Form sein und an von der Natur geschaffene Terrassen erinnern. Die Spuren der Bearbeitung durch die Maschine können dabei die Form noch akzentuieren, indem sie Tiefe und Fließen darstellen.“

Produktion: Denver
Software: Taglio

Cynthia wurde 1952 in Hongkong geboren und wuchs in Japan und Taiwan auf. Sie schloss ihr Studium mit einem Abschluss am Bard College in New York und einem Master am Teacher’s College der Columbia University ab. Ihre Werke befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt. Viele sind in Taiwan im Taipei Fine Arts Museum, im Hualien Cultural Center, im Kaohsiung Museum of Fine Arts und im Taichung National Museum of Fine Arts zu sehen, ebenso im Hong Kong Museum of Fine Arts, im Azuchi-cho-Kulturzentrum in Japan, im der Internationalen Skulpturenpark in Farum, Dänemark und in der Stiching Utopa Foundation in Voorhout, Niederlande. Daneben hat sie zahlreiche private Aufträge für Hotels und Immobilienunternehmer ausgeführt.
Gemeinsam mit Nicolas Bertoux hat sie die Fondazione Arkad in Seravezza bei Carrara gegründet. Dort werden in einer ehemaligen Marmorfabrik Kurse für Bildhauer und Seminare zur Zukunft der Bildhauerei angeboten. Darüber hinaus finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt.

Cynthia Sah

Fondazione Arkad

Fotos: Marmomac

Cynthia Sah: „Wave’s Passage“.Cynthia Sah: „Wave’s Passage“.Cynthia Sah.

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(09.12.2019)