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Äpfel mit Ananas gleichsetzen: eine fehlerhafte Vergleichsstudie von Betonpflaster und Naturstein taucht wieder auf

Logo der Zeitschrift Stadt+Grün.

Die Zeitschrift „Stadt+Grün“ gibt in einem Beitrag über Wegebau die alten und falschen Zahlen des Betonverbands SLG wieder

Die Zeitschrift „Stadt+Grün“ widmet sich in ihrer Ausgabe 12/2019 unter anderem dem Thema Professioneller Wegebau und vergleicht dabei die Ökobilanzen von verschiedenen Belägen für Wege. Dabei taucht eine Studie des Betonverbands Straße, Landschaft, Garten (SLG) vom Dezember 2008 wieder auf, und die Autorin in Stadt+Grün gibt deren Erkenntnisse wie folgt wieder: „Dabei weist die Variante mit Betonpflaster gegenüber den anderen Varianten den geringsten Primärenergiebedarf über den gesamten Lebenszyklus auf.“ Für Naturstein betrachtet ist das Unsinn.

Die, sagen wir: halbwahre, Behauptung in der SLG-Studie war dadurch zustande gekommen, dass trickreich der heimische Naturstein mit Einfuhren aus fernen Ländern in einen Topf geworfen worden war. Bildlich gesprochen: die Autoren jener Studie hatten Äpfel mit Ananas gleichgesetzt.

In der Studie waren die Ökobilanzen von 4 verschiedenen Wegedecken verglichen worden, nämlich Asphalt sowie Beton-, Naturstein- und Klinkerpflaster.

Beim Primärenergiebedarf, also dem Energieverbrauch für Herstellung und Transport des Materials, schnitt laut Studie Betonpflaster um 6% besser ab als Natursteinpflaster. In Zahlen: Betonpflaster stand mit 44.347 MJ/100 m² besser da als Naturstein mit 46.839 MJ/100 m².

Die Autoren der Studie beriefen sich bei ihren Berechnungen ausdrücklich auf Zahlen des Deutschen Natursteinverbands (DNV). Jedoch hatten sie für ihren Betonstein einen Transport aus einem Umkreis von 100 km angesetzt, für Naturstein hingegen einen Drittelmix mit Steinen ganz unterschiedlicher Herkunft.

Auch hierzu die Zahlen: mit 40% hatten die Autoren Stein aus regionaler Quelle (Deutschland, Transportentfernung im Mittel 350 km) eingerechnet, mit 30% Stein aus europäischen Quellen (zum Beispiel Italien, Transportentfernung im Mittel 1000 km) und mit ebenfalls 30% Stein aus Übersee (zum Beispiel China, Transportentfernung 20.000 km).

Der so gebildete Mittelwert lag natürlich über dem von Betonpflaster.

Beim Treibhauspotenzial allerdings hatte der Naturstein dann trotz aller Zahlenspiele besser als Betonstein abgeschnitten. Auch hierzu die Zahlen: Naturstein hatte über den gesamten Lebenszyklus 3025 kg CO2-Äqv/100 m², Betonpflaster hingegen 3169 CO2-Äqv/100 m².

Diesmal waren in der Studie jedoch keine Prozent-Vergleiche gebildet worden, vielmehr hieß es lapidar: „Das Treibhauspotenzial der Natursteinvariante und der Betonpflastervariante sind nahezu identisch.“

Im weiteren Verlauf des Berichts in Stadt+Grün wird dann noch die neuere DNV-Untersuchung „Nachhaltigkeitsstudie – Ökobilanz von Bodenbelägen“ ausführlich referiert, die sich jedoch mit Hartbelägen für Innenräume beschäftigt. Betonpflaster kommt in ihr natürlich nicht vor.

Die Studie des Betonverbands wird übrigens eigentlich nicht mehr verbreitet. Im Webshop des Verbands heißt es, eine Überarbeitung sei „aufgrund von Regelwerkveränderungen (u.a. RStO) notwendig“ geworden.

DNV: „Nachhaltigkeitsstudie – Ökobilanz von Bodenbelägen

(09.01.2020)