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Schwedische Forscher: Die Inschriften auf dem Runenstein von Rök berichten von der Angst der Menschen vor Wetterextremen

Der Runenstein von Rök. Foto: Bengt Olog Aradsson / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Thematisiert wird der Überlebenskampf bei Hungersnöten, nicht der Kampf von Helden in der Schlacht

Der berühmte Runenstein von Rök in Südschweden könnte sich mit seiner Inschrift auf extreme Wetterereignisse beziehen und nicht auf Schlachten und Helden aus der Geschichte der Vikinger.

Die Inschrift mit 760 Runenzeichen auf den mehr als 3 m hohen und aufrecht stehenden Stein in der Provinz Östergötland interpretieren die Forscher nun nicht mehr als Heldenbericht, wo dem Sterben eines jungen Mannes gedacht wird. „Vielmehr handelt es sich um ein Sinnieren eines alternden Mannes über den Tod seines Sohnes“, sagt Henrik Williams, Professor für Skandinavische Sprachen an der Universität Uppsala.

Der Sohn, ein erfolgreicher Militärführer, war laut Text zu Odin gerufen geworden – aber nicht für eine kriegerische Auseinandersetzung. Vielmehr sollte er dem Gott bei „Ragnarök“ dienen, jener endgültigen Schlacht um das Ende der Welt, die in den altnordischen Mythen angekündigt ist.

Dieses Ende der Welt hatten die Vikinger vielleicht schon häufiger in den Jahrhunderten vor 800 n. Chr. erlebt, als sie den Stein aufstellten. Denn immer wieder hatte es seltsame Erscheinungen geben: „Ein Sonnensturm färbte den Himmel in dramatisches Rot, die Ernte litt unter extremer Sommerkälte, und später hatte es eine Sonnenfinsternis unmittelbar nach Sonnenaufgang gegeben“, umreißt Professor Bo Gräslund, Archäologe an der Universität Uppsala, die Bandbreite der Erscheinungen.

Extremwetter sind aber auch historisch belegt, etwa in den Folgejahren nach 540 n. Chr.: damals hatten schwerste Hungersnöte in Skandinavien geherrscht, in deren Verlauf die Hälfte der Bevölkerung umgekommen war.

Der Auslöser jener (weltweiten) Nöte war vermutlich die gewaltige Explosion des Vulkans Ilopango im heutigen El Salvador in Jahr 539/540 gewesen. Dabei waren riesige Mengen an Asche in die Atmosphäre geschleudert worden, die für ein paar Jahre das Wetter auf der Nordhalbkugel auf den Kopf stellten. Kürzlich hatten Forscher die meterhohen Ablagerungen von so genannter „Tierra Blanca Joven“ in El Salvador mit diesem in Verbindung gebracht.

Derartige Geschehnisse konnten die Menschen damals nicht verstehen – folglich brachten sie sie mit den Göttern in Verbindung.

Vordergründig also viele der alten Texte nur von heldenhaften Kämpfen der Menschen gegeneinander zu berichten; in manchen Fällen mögen sie sich aber auch auf den finalen Kampf Hell gegen Dunkel, Leben gegen Tod, also auf das Ende der Welt beziehen.

Wie die schwedischen Forscher schreiben, gibt es „auffallende Übereinstimmungen zwischen den Inschriften auf dem Runenstein mit Zeugnissen der frühen skandinavischen Edda-Dichtung, speziell dem altnordischen Gedicht Vafþrúðnismál“.

Beteiligt an dem Forschungsprojekt waren unter anderem Spezialisten aus der Sprachwissenschaft, der Archäologie und der Religionsgeschichte.

Uppsala University

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(12.01.2020)