„Percorsi d’Arte“ führte vor, welche Möglichkeiten die neuen Technologien den Bildhauern öffnen (3)

Nicolas Bertoux: „Diapason“.

Vier Künstler um den Industriedesigner Raffaello Galiotto zeigten Arbeiten, die bislang nicht möglich waren

Neue Technologien schlagen sich auch in der Kunst nieder. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist die Umwandlung des Eisens zu Stahl, die um 1800 eine Vollendung erreicht und etwa von 1850 an zu entscheidenden Neuerungen im Klavierbau führte. Erst mit dem neuen Konzertflügel mit Stahlsaiten und Rahmen aus Gusseisen konnten Künstler wie Franz Liszt ihr ganzes Können ausleben.

Im Moment vollzieht sich etwas Ähnliches im Bereich der Steinbildhauerei: hier sind der CNC-gesteuerte Roboterarm und das Diamantseil sowie die Wasserstrahltechnologie die wichtigsten Neuheiten.

Vier Bildhauer um den Industriedesigner Raffaello Galiotto haben sich im Projekt „Percorsi d’Arte“ (Wege der Kunst) mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt. Ihre Arbeiten wurden in Halle 1 der Marmomac gezeigt.

Wir stellen die Künstler und ihre Ideen vor.
Diesmal: Nicolas Bertoux, „Diapason“ (Oktave):

Nicolas Bertoux: „Diapason“.Nicolas Bertoux: „Diapason“.

„Die Skulptur ist aus einer einzigen rechteckigen Platte entstanden. Fünf schräge Schnitte wurden von einer numerisch gesteuerten Wasserstrahlmaschine mit 5 Achsen durch die Platte gezogen. Als Vorbild für den Verlauf der Schnitte dienten Höhenlinien, iwe man sie von topographischen Karten kennt. So entstanden 6 Elemente, die dann neu komponiert wurden. So entstand eine dreidimensionale Silhouette nach der Art eines Gebirges.

Zuletzt wurde diese neue Komposition aufrecht gestellt. Dadurch entstand der Eindruck eines steinernen Tores, wie man es beim Eingang zu manchen Stienbrüchen findet.

Nicolas Bertoux: „Diapason“.

Mit der Art der Neuanordnung der Einzelteile soll keinesfalls die Tatsache überdeckt werden, dass die Oberfläche der Platte nicht mehr die ist, die sie vorher war. Vielmehr soll gezeigt werden, welcher Gestaltungsreichtum im Naturstein liegt und welche Dynamik das Maschinenwerkzeug der Kunst geben kann.”

Produktion: Cms

Material: Marmor Bianco Carrara

Nicolas Bertoux: „Diapason“.

Nicolas Bertoux wurde in Frankreich geboren und begann seine Karriere als Innenarchitekt in Paris, bevor er sich ganz auf die Bildhauerei verlegte. Kerngedanke bei seinen Arbeiten ist, dass diese in ihre Umgebung integriert werden. Erreicht wird das, indem der Bildhauer sich vom Ambiente, der Kultur, der Geschichte und der Natur des jeweiligen Ortes inspirieren lässt. Nicolas Bertoux’ monumentale Skulpturen wurden im Europäischen Parlament in Straßburg und im Stadtzentrum von Ronchamp aufgestellt. Weitere Arbeiten sind in Taiwan im Taipei Transport Institute, im Kaohsiung Museum of Fine Arts und im Hsin Chu Cultural Centre sowie in China in der Shanghai Corporate Avenue und im Beijing Olympic Park zu sehen.

Nicolas Bertoux. Foto: Stefano Baroni

Gemeinsam mit Cynthia Saw hat Nicolas Bertoux die Fondazione Arkad in Seravezza bei Carrara gegründet. Dort werden in einer ehemaligen Marmorfabrik Kurse für Bildhauer und Seminare zur Zukunft der Bildhauerei angeboten. Darüber hinaus finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt.

Nicolas Bertoux

Fondazione Arkad

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(30.01.2020)