www.stone-ideas.com

Naturstein wiederverwendet: Stufen für eine Treppe am Luganersee

Enrico Sassi: Stufen für ein Treppe am Luganersee.Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.

Im berühmten Dorf Gandria hat der Architekt Enrico Sassi ein kleines Detail mit großer Wirkung erneuert

Steinmetze auf der ganzen Welt klagen darüber, dass sich in ihren Werkstätten Reststücke oder alte Steine stapeln. Das folgende Projekt zeigt eine Möglichkeit, was damit geschehen kann.

Am Luganersee kann man den Kontrast von kleinen Siedlungen am Ufer und einem berauschenden Alpenpanorama obendrüber genießen. Gandria ist eines der bekanntesten Dörfer dort, mit seinem Gewimmel von Häusern, Gässchen und Winkeln ist es in die Liste der Schützenwerten Orte der Schweiz (ISOS) aufgenommen.

Seit 2019 gibt es dort ein kleines Detail, das eine besondere Erwähnung verdient: es ist die Treppe vom Parkplatz an der Kantonalstraße hinunter zum Seeufer und zum viel begangenen Olivenweg (Sentiero dell’ Olivio).

Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.

Ehemals war es eine einfache Betontreppe, deren Stufen im Lauf der Zeit arg ramponiert wurden. Das Architekturbüro Enrico Sassi, über die Region hinaus bekannt für seine „sanfte“ Aufwertung alter Dorfkerne im Tessin, bekam den Auftrag.

Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.

Wie üblich orientierte sich Sassi an der Umgebung. Prägend am engen Seeufer sind Terrassen für Olivenbäume mit Trockenmauern als Hangabstützungen. Entlang der Treppe, die mit 72 Stufen und 5 Podesten einen Höhenunterschied von 14,40 m bewältigt, kommt immer wieder der Fels des Monte Brè zwischen Buschwerk hervor.

Naturstein würde das Material für die neue Treppe sein, das war klar. Aber: würden exakt zugeschnittene Stufen in dieses Ensemble passen? Schließlich ragen beim Blick nach oben die ehernen Berggipfel in den Himmel und ist dort oben alles Zeitlosigkeit und Erhabenheit.

Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.

Aber Enrico Sassi kennt die Steinmetze in der Region und bei einem in Lugano fand er die Lösung: dort lagen im Lager die üblichen alten Stücke, die irgendwann irgendwo demontiert worden waren, aber nie eine neue Verwendung gefunden hatten, die aber auch niemand hatte wegwerfen wollen.

Auf der Treppe fanden sie eine neue Verwendung – sie wurden einfach auf die Stufen aus Beton aufgesetzt. Falls sie auf ihren Oberflächen Spuren aus ihrem Vorleben trugen, wurden diese so belassen und sogar so platziert, dass sie auf jeden Fall sichtbar sein würden.

Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.Enrico Sassi: Stufen für eine Treppe am Luganersee.

Die Treppe führt am Friedhof von Gandria vorbei – so stellen diese Steinstufen nun dem Panorama der Berge ein deutliches Zeichen der Anwesenheit von Menschen seit vielen Generationen entgegen.

Enrico Sassi: staircase in Gandria

Für das Geländer wurde ein industrielles Design und Eisen als modernes Material gewählt.

Die Erneuerung der Treppe ist Teil einer umfassenden Modernisierung des Olivenwegs. Ehemals war die Gegend bekannt für ihre Produktion des Speiseöls. In jüngerer Zeit wurden wieder Terrassen mit den knorrigen Bäumen bepflanzt, und im Ortszentrum ist eine alte Olivenpresse aufgestellt.

Aktuell saniert Enrico Sassi den Dorfkern von Gandria.

Gandria

Enrico Sassi Architetto

Fotos: Alberto Canepa, Marcelo Villada

Panorama am Luganersee. Foto: Hp. Baumeler / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

See also:
Panorama am Luganersee. Foto: Hp. Baumeler / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>
 

 

 

 

(31.01.2020)