Ein „Steinernes Gewebe“ nach der Art von Efeu, das Hitze abhält, aber Licht passieren lässt

Giuseppe Fallacara: „Tessuto Litico“. Foto: Peter Becker

Professor Giuseppe Fallacara von der Polytechnischen Universität Bari nutzt Naturstein für eine innovative Fassadenverkleidung

Wir haben in Berichten immer wieder die Eigenschaften des Natursteins analysiert und beschrieben, in welchen Produkten sie bisher benutzt werden. Eine Eigenschaft dreht sich um Energie: Stein ist ein guter Wärmeleiter und kann auch viel Wärme speichern (was Zuckerbäcker sich seit alters her zu nutzen machen, siehe Link unten).

Genauso ist Stein ein ideales Material für die Wärmedämmung, und das wird bei vorgehängten Fassaden genutzt. Allerdings sind die Grenzen der Verwendung hierfür eng gezogen: einen Büroraum mit Glasfassade kann man mit vorgehängten Steinplatten zwar vor der Sonneneinstrahlung schützen, aber dann liegt der Raum dahinter im Dunkeln…

… es sei denn, man macht’s wie Giuseppe Fallacara, Professor an der Polytechnischen Hochschule in Bari im Süden Italiens und einer der Vordenker für innovative Architekturideen mit Stein. „Tessuto Litico“ (Steinernes Gewebe) heißt sein Konzept, dessen Prototyp im vergangenen Jahr auf der Marmomac in Verona präsentiert wurde.

Giuseppe Fallacara: „Tessuto Litico“. Foto: Peter Becker

Vorbild für Fallacaras Idee waren Pflanzen, zum Beispiel der Efeu, der seine Blätter entlang einer dünnen Liane aneinanderreiht. Wenn man nun diese Blätter aus Stein herstellen würde, ihnen eine dem Zweck angemessene Form gäbe und sie dann noch miteinander verbinden würde, hätte man eine Art von Vorhang vor dem Glasfenster des Büroraums wie oben erwähnt: die pralle Sonneneinstrahlung würde abgehalten, aber es könnte weiterhin Licht in den Raum dahinter fallen.

Genau das hat Giuseppe Fallacara bei seinem Steinernen Gewebe gemacht. Das klingt leichter als es ist, denn die einzelnen Elemente müssen miteinander verbunden werden. Das geschieht hier mit Stahlseil, detailliert ist es in der Patentschrift dazu beschrieben. Inzwischen hat eine Schweizer Firma die Verwertungsrechte gekauft. Das Design als solches ist (unter der Nummer 007762794 vom 20.03.2020) markenrechtlich geschützt.

Das Gewicht des Steinernen Gewebes beträgt 55 kg/m². Etwa 6 m hoch (2 Stockwerke) kann es in einem Stück sein. Für weitere Stockwerke benötigt man weitere Aufhängungen.

Da der Wind hier eine besondere Rolle spielt, müssen für jede Fassade die exakten Lasten berechnet werden.

Bei dem auf der Marmomac gezeigten Prototyp kam die CNC-Programmierung für das Zurechtschneiden der „Blätter“ von Francesco Brunetti. Beteiligt war auch die Firma Stilmarmo mit ihrem Kalkstein Serpeggiante.

Giuseppe Fallacara: „Tessuto Litico“. Rendering: Francesco Brunetti

Das Projekt passte sehr gut in das Thema „Naturalità“, das die Marmomac ihrem Italian Stone Theater 2019 in der Halle 1 gegeben hatte: Ziel war unter anderem, Brücken zwischen der Welt der Pflanzen und der Gesteine zu schlagen.

Auch fand die Architekturtradition rund um Mittelmeer ihren Niederschlag im Steinernen Gewebe: vor allem in den muslimischen Ländern kennt man die Mashrabiyas, Sichtblenden meist aus Holz vor den Fenstern, die einen Luftzug in die Räume lassen, aber die Sonnenhitze draußen halten.

Atelier Fallacara d’Architettura

Francesco Brunetti

Stilmarmo

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(27.04.2020)