Wegen seiner Quarzite scheint Brasilien erstmals seit 2013 wieder aus dem Tal der Tränen herauszukommen

Brasiliens Natursteinexporte nach Wert von 1999 bis 2019. Violett/Total (ganz oben): Gesamtsumme; blau/RSB: Rohblöcke Granit; rot/RCB: Rohblöcke Marmor; grün/RP: verarbeiteter Stein. Quelle: Kistemann Chiodi / Abirochas

Die Steinbranche des Landes verzeichnete bei den Ausfuhren 2019 eine Steigerung um beinahe (+)2%, während die Gesamtexporte Brasiliens um (-)6,8% zurückgingen

Im Moment, wo weltweit die Volkswirtschaften aufgrund der Coronakrise rote Zahlen schreiben, erscheinen Rückblicke auf vergangene Jahre wie Schnee von gestern. Der Vollständigkeit halber wollen wir diese Statistiken dennoch liefern – diesmal die von Brasiliens Natursteinbranche, die uns der Abirochas (Associação Brasileira da Indústria de Rochas Ornamentais) zur Verfügung gestellt hat. Zahlen für das 1. Trimester 2020 siehe unten):
 

Kommt Brasiliens Natursteinbranche aus dem Tal der Tränen heraus, in dem sie seit dem Jahr 2013 gefangen war? 2019 gab es zum 1. Mal wieder einen Anstieg bei den Exporterträgen um (+)1,94%! Auf den ersten Blick sieht diese Zahl nicht berauschend aus, aber: zum einen bewegen sich Brasiliens Steinexporte auf einem Niveau, wo große Sprünge kaum noch zu erreichen sind, und zum anderen hat das Land wieder die magische Marke von 1 Milliarde US-$ übersprungen (1.012.059,91 US-$), unter die es zuletzt gefallen war (siehe Tabelle oben).

Dass gleichzeitig nach Tonnage die Exporte hingegen gesunken sind (um -1,97% auf 2,15 Millionen t), bedeutet, dass Brasiliens Steinfirmen im Schnitt ihre Waren zu besseren Preisen als in den Vorjahren absetzen konnte.

Das sind die Zahlen aus der aktuellen Statistik des landesweiten brasilianischen Branchenverbands Abirochas. Erstellt wurden sie vom Beraterbüro Kistemann & Chiodi Assessoria e Projetos.

Vielleicht sogar, dass es dem Land nun doch noch gelingt, mit seinem Reichtum an natürlichen Ressourcen eine Alleinstellung auf dem Weltmarkt zu erreichen. Der aktuelle Renner sind die Quarzite, mit denen man anhaltend einen beachtlichen Durchschnittspreis von 2000 US-$ pro t erzielt. An Quarziten hat Brasilien ein großartige Vielfalt, vor allem in seinen nördlichen Bundesstaaten.

Auch die heimischen Marmorsorten laufen gut (970 US-$/t) und ebenso der Speckstein (730 US-$/t).

Wir erinnern uns: vor etwa 10 Jahren hatte Brasilien schon einmal eine Alleinstellung am Weltmarkt angestrebt, nämlich mit den den so genannten Exóticos. Das sind Steinsorten mit den Farben und Strukturen von Marmor und der Härte von Granit. Die Bemühungen führten damals aber nicht zu Erfolg, und der Grund waren hausgemachte Fehler: denn im Bereich der Keramik zeigt sich heute, dass es eine Nachfrage nach exotischem Natursteindekor gibt, und Brasiliens Exoten findet man durchaus am Markt, allerdings über den Umweg über andere Länder.

Mit Genugtuung konstatiert Chiodi die aktuellen Zahlen, dies auch, weil die Gesamtexporte Brasiliens über alle Branchen im Jahr 2019 um deutliche (-)6,8% zurückgegangen waren.

Selten liest man von ihm ein so ausdrückliches Lob für die heimische Steinbranche wie in der aktuellen Statistik: „Einmal mehr haben die brasilianischen Unternehmer die schwierige strukturelle und konjunkturelle Situation gemeistert und die Chancen ihrer Quarzite und Marmore auf dem US-Markt zu nutzen gewusst.“

In diesem Lob wird aber nebenbei auch gesagt, dass nach wie vor Brasiliens Exporte nicht gut verteilt sind: nach Wert gehen 62% in die USA (Platten, Schiefer), gefolgt von China (12,1%, nur Blöcke). Weit dahinter folgen Italien (6,3%, vor allem Blöcke, Platten und Schiefer), Mexiko (3%), United Kingdom (1,7% vor allem Schiefer), Canada (1,5%) und Spanien (1%).

Dass die Exporte nach einem phänomenalen Anstieg im 1. Quartal 2019 (wir hatten berichtet, Link siehe unten) zum Ende des Jahres wieder signifikant gefallen waren, führt Chiodi darauf zurück, dass die Effekte von Donald Trumps Handelskrieg gegen China nachgelassen hätten. China bringe seine Waren inzwischen über Drittländer in die USA, gibt er Pressemitteilungen wieder.

Hingegen einen Einbruch gab es wieder bei Brasiliens Importen von Naturstein (-20% nach Wert, -13.6% nach Menge) auf 24,2 Millionen US-$ oder 46.500 t. Größte Lieferanten waren hier Italien (10.300 t), Spanien (10.200 t) und die Türkei (8100 t). Weitere Anteile hatten Indonesien, China, Griechenland, Mexiko und Portugal.

Bei den Kunststeinen (Engineered Stone, Quarzkomposite) gab es Importe im Wert von 44,9 Millionen US-$ (+1,1%).

Bei den Ausfuhren von Kunststeinen hingegen wird Brasilien immer stärker: zuletzt erreichten seine Hersteller hier 10,4 Millionen US-$ (12.750 t). Der Anstieg nach Wert betrug sogar +176,6% beziehungsweise nach Menge +91,4%. Auch hier waren die USA mit 73,5% nach Wert der Hauptabnehmer. Verkäufe gab es auch in 5 Länder Südamerikas.

Download (portugiesisch)

Nachtrag: im 1.Trimester 2020 gab es einen Rückgang bei den Exporten nach Wert um (-)10,3 % und nach Tonnage um (-)5,6% (Portugiesisch).

See also:

(29.04.2020)