Im Washington Center der Arizona State University findet man in der Lobby den Sandstein der Wüste, mit CNC-Schnitten und Sandstrahlen künstlerisch bearbeitet

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

Die Verkleidung von 2 Wänden ahmt die spektakulären Schluchten des US-Bundesstaates nach

Wer den US-Bundesstaat Arizona besucht, weiß, was ihn außerhalb der klimatisierten Bereiche in den Büros und Wohnungen erwartet: es herrscht Wüstenhitze, und im Hinterland gibt es als die berühmten Schluchten, die Wind und Sturzregen in den Sandstein gegraben haben. Wer hingegen das neue Gebäude der Arizona State University in der Bundeshauptstadt Washington D.C. besucht, wird nicht erwarten, was er dort vorfindet: in der Lobby des ehrwürdigen Bauwerks ist an 2 Wänden die markante Landschaft des US-Bundesstaates nachgebildet.

Das geschah nicht in Form eines möglichst originalgetreuen Abklatsches der großartigen Schluchten, sondern als abstrakte Interpretation in Naturstein, in der man dennoch das Original erkennen kann.

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

Das Gebäude, von dessen Lobby die Rede ist, ist das Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center, mit dem die Arizona State University (ASU) ihrer Präsenz in der Bundeshauptstadt einen neuen Mittelpunkt gegeben hat. Das Haus mit 8 Stockwerken, nur 2 Blocks oder etwa 10 Gehminuten vom Weißen Haus entfernt, zeigt den neoklassischen Stil der Zeit um 1910, wurde anfangs für Apartmentwohnungen genutzt, später für Büroflächen, und erfuhr zuletzt eine grundlegende Umgestaltung für die Bedürfnisse der Universität.

Die betreibt von dort aus nun das Lobbying in eigener Sache und eröffnet ihren Studenten Kontakte in die Welt der Politik und der Wirtschaft.

Für das Gebäude wurde folglich ein besonderer Eingangsbereich gebraucht, mit dem die Uni möglichst viel über sich aussagen würde, das jedoch mit sozusagen diplomatischer Zurückhaltung.

Das ist mit den beiden Wänden im Erdgeschoss zweifellos gelungen: sie lassen keinen Zweifel daran, dass die ASU sich auch in der Hauptstadt zu ihrem Zuhause bekennt, und dass es bei ihr hier wie dort stilvoll zugeht.

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

An der Wand mit dem Logo wird der Besucher dessen auf den ersten Blick gewahr – gerade weil das Logo der Universität nur indirekt erkennbar ist. Zunächst ahnt der Besucher nur irgendwie, dass in dieser Wand mehr steckt als nur die Wüstenfarben von gelb bis braun, und also wendet er den Kopf hin und her, bis er die Umrisse der 3 Buchstaben mit der Sonne erfasst hat.

Hochschule heißt schließlich auch, aktiv Erkenntnis zu suchen und zwischen den Zeilen und den Zeichen zu lesen.

Beinahe noch besser, weil eigentlich ganz losgelöst von der Universität selbst, ist die 2. Wand. Hier ist eine jener engen und gewundenen Schluchten [slot canyons] nachgebildet, die zu den Touristenattraktionen des Bundesstaates zählen. Unablässiger Wind mit hohem Anteil an Sandkörnern gepaart mit gelegentlichen Sturzbächen nach Gewitterregen haben diese besonderen Landschaften geschaffen.

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

Die Windungen, die diese Schluchten im Original kennzeichnen, haben die Architekten als Erhöhungen und Vertiefungen auf die Steinplatten gebracht.

Bei dem Stein handelt es sich den Metaquartzit „Las Vegas Rock“, der in der Firma mit demselben Namen unweit der Stadt mit dem Spielerparadies gewonnen wird. Man kann ihn als einen ganz besonderen Sandstein mit einem sehr hohen Anteil an Quarzit bezeichnen, der entsprechend hart und dauerhaft ist. Er wird nur von Las Vega Rock gewonnen.

Ausgangspunkt für diese Wand waren unregelmäßige Rechtecke. Auf dem Foto sieht man, dass deren Oberflächen in Triangulationen räumlich gestaltet sind:

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

Die endgültige Gestaltung der Oberflächen erfolgte – analog zu den Vorgängen in der Natur – mit einem Sandstrahlgebläse. Die Leute in den klobigen Schutzanzügen wurden zu Künstlern, weil es von ihrem Know-how abhing, wie die einzelnen Steinplatten aneinanderpassten und wie am Ende die komplette Wand wirken würde.

Die Mitarbeiter von Las Vegas Rock schafften das meisterhaft. Dass das Sandstrahlen als künstlerische Bearbeitung eingesetzt wird, erlebt man nicht alle Tage.

Nur in wenigen Fällen musste bei der Installation nachgearbeitet werden. Das war die Aufgabe der Firma Boatman & Magnani. Vorausgegangen war, den Boden mit höchster Genauigkeit zu nivellieren. Danach konnten die Steinplatten (maximal gut 15 cm Dicke) an einem Tragegerüst vor der Betonwand angebracht werden. Die Gesamtgröße des Wandbildes beträgt 12 x 3 m (40 x 10 Fuß).

Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.Arizona State University (ASU): Barbara Barrett & Sandra Day O’Connor Washington Center.

Die Beleuchtung mit Streiflicht hebt die Besonderheiten dieser Wand noch einmal hervor.

Der Entwurf stammte von dem Washingtoner Büro CORE Architecture + Design.

Das Projekt wurde mit einem der Pinnacle-Awards 2019 des Natural Stone Institutes ausgezeichnet.

Las Vegas Rock

CORE Architecture + Design

ASU in Washington, D.C.

Fotos: Alan Karchmer/OTTO

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(15.05.2020)