Konsumforscher: die Deutschen kommen aus dem Corona-Schock heraus und neigen angesichts der reduzierten Mehrwertsteuer dazu, größere Anschaffungen vorzuziehen

Die Binnennachfrage in Deutschland steht noch wackelig da, nachdem die Covid-19-Pandemie ihr einen schweren Schlag versetzt hat.

Allerdings sind die Bundesbürger speziell auf günstige Angebote aus, weil sie eigentlich von einer Verschlechterung ihrer finanziellen Situation ausgehen

Die deutschen Verbraucher lassen den Corona-Schock vom Frühjahr dieses Jahres mehr und mehr hinter sich. Während die Konjunkturerwartung erneut leicht ansteigt, legt die Anschaffungsneigung zum dritten Mal in Folge deutlich zu. Das sind Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für Juli 2020.

Für das Konsumklima zeichnet sich gegenwärtig eine V-förmige Entwicklung ab: Auf einen scharfen Einbruch der Konsumstimmung folgt unmittelbar eine rasche Erholung. Das Konsumklima steigt zum dritten Mal in Folge spürbar an. Seit seinem Tiefpunkt im Frühjahr hat der Indikator damit fast 23 Punkte hinzugewonnen.

„Zum überaus positiven Verlauf trägt sicherlich die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei. Die Verbraucher beabsichtigen offenbar, geplante größere Anschaffungen vorzuziehen,“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Ob das allerdings einen nachhaltigen Effekt hat, darf bezweifelt werden. Händler und Hersteller müssen sich darauf einstellen, dass sich die Konsumneigung wieder zurückbilden könnte, wenn ab Januar 2021 der ursprüngliche Mehrwertsteuersatz gilt.“

Diese Annahme ist nicht unbegründet. Denn im Vorfeld der letzten Mehrwertsteuererhöhung im Jahre 2007 kletterte die Anschaffungsneigung ebenfalls und es kam zu vorgezogenen Käufen. Mit Inkrafttreten der höheren Steuer jedoch fiel der Indikator rasch wieder auf sein ursprüngliches Niveau zurück. Eine ähnliche Entwicklung ist im Januar 2021 zu erwarten, wenn der alte Steuersatz wieder gilt.

In einer vorangegangenen Untersuchung hatten die GfK-Forscher sich bereits eingehend mit der Mehrwertsteuer beschäftigt: Aufgrund der Reduzierung planen 29 Prozent der Konsumenten bestimmte Anschaffungen vorzuziehen. Vor allem jüngere Verbraucher wollen in den nächsten sechs Monaten Ausgaben tätigen, hieß es.

Aber: da die Verbraucher eigentlich in den kommenden 12 Monaten eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation erwarten, wird ihre Entscheidung vor allem davon abhängen, ob sie ein wirklich günstiges Angebot erhalten: „Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit werden Verbraucher ihre Käufe voraussichtlich sehr bewusst planen und nur kaufen, was benötigt wird – insbesondere bei teureren Anschaffungen“ erklärt Petra Süptitz, GfK-Expertin im Bereich Consumer Insights.

Auch die Qualität spielt für Verbraucher in Deutschland weiterhin eine Rolle – mehr als ein Drittel gibt in der langjährigen GfK Consumer Life Studie an, lieber weniger, aber dafür höherwertige Produkte zu kaufen.

GfK: Die deutschen Verbraucher lassen den Corona-Schock vom Frühjahr dieses Jahres mehr und mehr hinter sich

GfK: 29 Prozent der Deutschen planen größere Anschaffungen vorzuziehen

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(27.07.2020)