Ökologisches Bauen mit Naturstein und Holz: Erweiterung eines Altenheims in Frankreich durch Studiolada Architectes

Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.

Die Planer stellten Steinplatten vor eine Wand aus Holzfachwerk und verwendeten nur Materialien aus der Region

Naturstein und Holz sind zwei Materialien, die 100%ig aus natürlichen Stoffen bestehen und bei denen in der Herstellung kein CO2 freigesetzt wird. Denn: beide sind von Natur aus vorhanden beziehungsweise wachsen nach. Folglich ist es ökologisch sinnvoll, ein Gebäude aus ihnen zu errichten.

Eine geradezu revolutionäre Idee dazu kommt nun von der Architektengemeinschaft Studiolada, die ihren Sitz in Nancy im Osten Frankreichs unweit der Grenze zu Deutschland hat: für ein Altenheim in der Ortschaft Vaucouleurs in der Nähe entwickelten die Planer eine Außenwand aus Holzfachwerk mit davorgesetzten Steinplatten. Es ging dabei nicht nur darum, mit der Konstruktion gute ökologische Werte zu erreichen, sondern auch, dem Gebäude einen Wohlfühl-Ausdruck und nicht das Erscheinungsbild eines Krankenhauses zu geben.

„Unsere Alten haben einen Sinn für edle Materialien, Licht und Proportionen,“ schreiben die Architekten Christophe Aubertin und Eléonore Nicolas.

Der Erweiterungsbau beherbergt unter anderem einen Gemeinschaftsraum, der mit verschiebbaren Trennwänden in seiner Größe verändert werden kann, und einige Büros. Von seiner Stirnseite hat man eine weite Aussicht. „Die Alten genießen den Blick in die Landschaft“, heißt es in einem Pressebericht.

Natürlich wurde sowohl Holz als auch Stein nur aus der Gegend verwendet. Im Inneren gibt es ein paar Wände aus dunklem Sichtbeton, die für die Stabilität notwendig sind.

Die Grafik zeigt die Schichten der Außenmauer (v.l.n.r): 2 Gipsplatten, verschiedene Schichten zur Isolierung, Regen- und UV-Schutz. Dann der äußere Holzrahmen mit den Steinplatten: oben und unten mit je 144 mm Breite, dazwischen mit je 300 mm Breite.

Die Außenwand besteht aus 2 Teilen: zum Gebäudeinneren gibt es eine Wand aus Holzfachwerk. Sie besteht aus Balken, die mit Gipsplatten verkleidet sind und zwischen denen sich die Wärmedämmung befindet.

Nach außen ist eine Wand aus Steinplatten davorgesetzt und mit dem Rahmen dahinter verbunden.

Es handelt sich gewissermaßen um eine hinterlüftete Fassade. Jedoch sind hier die Steinplatten – anders als üblich – nicht an eine Wand angehängt, sondern selbsttragend vor sie gesetzt.

Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.

Denkbar einfach ist die Steinwand konstruiert: die 4 cm dicken Platten sind in Reihen von je 60 cm Breite gestapelt. Jeweils 5 Platten ergeben optisch eine Einheit: diese setzt sich zusammen aus oben und unten je einer dunklen und schmalen Steinplatte von 14,4 cm Höhe und dazwischen drei hellen mit je 30 cm Höhe. Eine Hohlfuge zwischen den Einheiten erlaubt die Zirkulation der Luft.

Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.

Zwei Sorten Kalkstein kamen zur Verwendung: oben und unten der dunklere und härtere Pierre de Coulmier aus dem nahen Burgund, dazwischen dreimal der hellere Pierre de Savonnière aus der direkten Umgebung.

Studiolada Architectes: Altenheim in Vaucouleurs, Frankreich.

Die Montage beziehungsweise Demontage der Platten ist einfach.

Die Holz-Stein-Konstruktion musste zahlreiche Tests bestehen. Untersucht wurde unter anderem die maximale Ausdehnung des Holzes, sein Verhalten bei Feuchtigkeit sowie die beste Verbindung zwischen Holzbalken und Steinplatten.

Viele technische Details verlangten eine aufwändige Klärung, um für die Konstruktion die offizielle Zulassung (Atex) zu bekommen. Eine Zeitschrift für Holzbau schreibt: „Es gab zahllose Arbeitssitzungen bei der Prüfbehörde und in den Prüflaboren, dazu etwa 100 Seiten mit Berechnungen, Zeichnungen und technischen Blättern“.

Jedoch hat sich die Mühe gelohnt: „Wir haben jetzt für unsere Konstruktion eine offizielle Zulassung und ein Referenzgebäude,“ schreiben die Architekten.

Was die Kosten der Holz-Stein-Konstruktion angeht, hat das Altersheim gezeigt, dass sie
nur die Hälfte ausmachen im Vergleich zu Wänden aus Stahlbeton, an die Steinplatten angehängt sind.

Die Architekten wollen nun die Idee weiterentwickeln und auch die Zulassung für andere Steinsorten bekommen. Jedoch soll dabei der regionale Bezug nicht verloren gehen: die Materialien und die ausführenden Firmen sollen aus der jeweiligen Region kommen – die Architektur muss die Wirtschaft vor Ort fördern, so das Credo.

Nicht zuletzt gehört auch zu den Zielen, das weitab von Paris gelegene Lothringen (Großraum Grand Est) als Quelle von Innovationen zu präsentieren.

Das Gebäude würde 2019 mit dem Preis für Bauen mit Holz in der Kategorie „Gemeinschaftswohnen“ ausgezeichnet.

Studiolada Architectes (französisch)

Fotos / Rendering: Studiolada Architectes

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(12.10.2020)