Schnelles und kostengünstiges Bauen: in Frankreich sind Gebäude ganz aus kleinen Natursteinblöcken populär

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

In einem kleinen Ort in den Vogesen wurde ein Besucherzentrum komplett aus Sandstein und Holz, errichtet

Überall auf der Welt gibt es das Bemühen, die Regionen zu stärken und die Menschen von der Abwanderung in die Metropolen abzuhalten. Eine der Fragen ist, inwieweit die Architektur dabei helfen kann.

Eine interessante Antwort auf die Frage kommt nun aus der Ortschaft Plainfaing in Frankreichs Vogesen. Dort hat man allein mit lokal verfügbaren Materialien und einer modernen Gestaltung ein öffentliches Gebäude errichtet. Ziel des Architekten war auch, damit die  Wirtschaft der Region zu stärken.

Es handelt sich um das Besucherzentrum in dem Dorf Plainfaing mit etwa 1600 Einwohnern. Dass die Ortschaft auf etwa 1000 m Höhe im Mittelgebirge der Vogesen überhaupt solch ein Zentrum braucht, hängt mit einer Besonderheit zusammen: dort hat sich eine in ganz Frankreich und darüber hinaus bekannte Bonbon-Manufaktur angesiedelt, die Confiserie des Hautes Vosges. Sie wird pro Jahr von etwa 250.000 Gästen besucht.

Architekt Christoph Aubertin von der Bürogemeinschaft Studiolada entwarf für das Besucherzentrum einen einstöckigen Rundling, für den ausschließlich Naturstein und Holz aus der Region verwendet wurde. Wohlgemerkt: ausschließlich.

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

Denn die Wände des Gebäudes sind aus kleinen Steinblöcken zusammengesetzt. Es handelt sich um ein weiteres Beispiel für das Bauen mit Massivstein, das nur in Frankreich populär ist. Wir hatten bereits häufiger über solche Projekte berichtet, die außergewöhnlich gute Ökobilanzen zeigen und für die für den Bauherren gewissermaßen eine private Sparkasse sein können (da das Baumaterial eines Tages wiederverwendet werden kann).

Das Grundmodul der Steinblöcke hat eine Länge von 140 cm x 35 cm x 35 cm. Weitere Größen hier sind 140 x 20 x 35 cm und 35 x 35 x 35 cm. Insgesamt wurden 326 Blöcke des Sandsteins Grès Rose des Vosges verwendet.

Für einen kompletten Kreisumfang benötigt man 32 Blöcke. 10 Kreise liegen übereinander. Dann folgt nur noch das Dach. Das Gebälk besteht aus verschiedenen Holzarten, die 4 Sägereien aus der Nähe lieferten.

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

Innen sind verschiedene Räumlichkeiten abgeteilt, wobei die Wände ganz aus Holz ihre Stabilität durch die Anbindung an das Dach bekommen. Die Räume haben vor den Außenmauern aus Stein eine Isolation und eine Verkleidung mit Holzlatten.

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

Im Vorraum und draußen sind die Steinmauern naturbelassen ohne Verkleidung oder Putz.

Das reduziert die Baukosten, zudem reduziert die Konstruktion mit solchen vorgefertigten Maxi-Bausteinen die Bauzeit erheblich. Denn die Blöcke kommen einfach vom Kran und werden aufeinandergesetzt. Das Eigengewicht hält sie an Ort und Stelle. Als Mörtel wurde einfacher Fliesenkleber verwendet.

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

Nur bei den Steinlagen mit Verstärkungen kam ein Kalkmörtel von etwa 2-3 cm Dicke zum Einsatz.

Ungewöhnlich ist die Fassade des Gebäudes. Sie ergibt sich zwangsläufig, wenn rechteckige Blöcke für ein rundes Bauwerk verwendet werden. CNC-Sägen sind heute in der Lage, die Blöcke mit genügend Winkelgenauigkeit zu schneiden, so dass die einzelnen Elemente perfekt zusammenpassen.

Um es nicht zu vergessen: die runde Form macht es auch möglich, dass bei einer Nutzfläche von 150 m² vergleichsweise wenig Material für die Außenmauern verbaut werden musste.

Der auffällig rosa gefärbte Sandstein kommt aus dem nahen Steinbruch Champenay in Plaine. Er ist sehr hart, so dass er auch als Pflaster in den Außenbereichen und als Bodenbelag im Tourismuszentrum Verwendung fand.

Das Projekt wurde mit einem der Architekturpreise für „Bauen mit Naturstein im 21. Jahrhundert“ in Frankreich 2019 ausgezeichnet.

Christoph Aubertin Architecte (französisch)

Carrières de Grès de Champenay (französisch)

Ludmilla Cerveny (französisch)

Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.Christoph Aubertin Architecte: Besucherzentrum in Plainfaing in den Vogesen.

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(30.09.2020)