Neues vom massiven Bauen mit Naturstein: nicht dicke Wände aufrichten, sondern „die kostbare Ressource mit Maß und Ziel verwenden“

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Die Architekten von Studiolada verwenden für ein Gesundheitshaus im Osten Frankreichs nur dünne Natursteinquader plus einer Holzrahmenkonstruktion

In Frankreich gibt es als Nische im Baugeschehen jene Gebäude aus massivem Stein, bei denen die Wände aus kleinen Blöcken wie bei einem Baukasten zusammengesetzt sind. Wir haben das Prinzip häufiger beschrieben: es ist in ökologischer Hinsicht wegweisend, weil die CO2-Emissionen minimal sind, das Material 100% natürlich ist, es optimale Dämmwerte hat und das Bauwerk in kürzester Zeit hochgezogen werden kann.

Nicht zuletzt können die kleinen Blöcke später demontiert und wiederverwendet werden.

Nun kommt ein ganz neuer Aspekt zum Thema hinzu, und zwar von dem Architekten-Kollektiv Studiolada, von denen wir erst kürzlich ein Massivhaus aus heimischem Sandstein beschrieben hatten. Der Denkansatz der Planer ist revolutionär, zumindest was die Steinbranche selbst betrifft: „Naturstein ist eine kostbare Ressource. Er muss mit Maß und Ziel verwendet werden.“

Das heißt: die Architekten wollen nicht dicke Blöcke aufeinander stapeln, sondern dünnere Quader.

Benoît Sindt und Éleonore Nicolas von Studiolada nehmen dafür zum Massivbauen mit Stein ein weiteres ökologisches Baumaterial hinzu, nämlich Holz. Für bestimmte Teile des Gebäudes nehmen sie auch Beton.

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Ihr Konzept, im Jahr 2019 beim neuen Gesundheitshaus in der Stadt Audun-le-Roman unweit der Grenze zu Luxemburg und Belgien realisiert, hat gewissermaßen 3 Schichten, wenn man das Gebäude außen nach innen betrachtet:
* ganz außen umgibt eine massive Steinwand das Gebäude. Anders als üblich, sind die Steinquader hier nur 15 cm dick. Jedoch sind sie wie normal selbsttragend;
* auf sie folgt eine Holzrahmenkonstruktion mitsamt der Dämmung;
* ganz im Inneren des Gebäudes sind die Wände aus Beton und geben zusammen mit den Decken dem Bauwerk Stabilität.

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Damit die äußerste Steinwand auch großen Windlasten standhält, sind ihre Steinquader mittels Metallwinkeln mit dem Holzrahmen dahinter verbunden. Die Quader selbst sind ohne Mörtel aufeinander gesetzt. Ein Fliesenkleber hält sie zusammen. Zwischen den Lagen gibt es eine Bewehrung.

Lassen wir nochmal die Architekten zu Wort kommen: „Wir wollten dem Gebäude einen Hauch von Stil geben“, schreiben sie. Gemeint ist damit, dass manche Häuser für Gesundheit oder Pflege die Patienten und deren Besucher eher krank machen.

Das Haus in Audun-le-Roman aber sollte sowohl von außen als im Inneren eine warme und beruhigende Atmosphäre haben. „Wir glauben, dass Architektur zum Wohlergehen der Bevölkerung beitragen kann“, heißt es in den Unterlagen.

Zwei Geschosse hat das Haus plus einer Art von Maisonette auf dem Dach. Die verschiedenen Ärzte oder Dienstleister verteilen sich über die Etagen. Nur ebenerdig zu bauen war auch in dieser ländlichen Region nicht möglich, weil das Terrain mitten im Ort hohe Quadratmeterpreise hat.

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Markant an der Fassade ist die Südseite mit einer zurückgesetzten Claustra über 2 Etagen. Den Begriff benutzen die Architekten, um einen Bezug den Kreuzgängen der alten Klöster herzustellen, die gleichzeitig offen und verschlossen sind.

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Die Steinwand trägt hier dreieckige Winkel, die Licht und Luft in die Claustra und in die Räume dahinter fallen lassen. Erste Messungen haben gezeigt, dass das Gebäude im Sommer ohne Klimatisierung auskommt.

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

Markant sind die Fenster, auch wenn sie ohne jedes Dekor auskommen: sie haben keine Stürze, sondern sind als Horizontalbögen (scheitrechte Bögen) aus Stein gemauert.

Verwendet wurde der Kalkstein Pierre de Saint-Maximin, aus einem Bruch etwa 60 km von Paris. Er ist bekannt aus dem Paris von Baron Haussmann oder zum Beispiel vom Schloss von Chantilly.

Studiolada

Fotos: Ludmilla Cerveny

Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.Studiolada: Gesundheitshaus in Audun-le-Roman.

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(15.01.2021)