Frankreichs Pierre d’Arudy bekommt als 4. Naturstein des Landes das Siegel einer Geschützten Ursprungsbezeichnung (Indication Géographique)

Die Verteilung der Steinbrüche des Pierre d’Arudy direkt an der Grenze zu Spanien.

Der Titel schützt vor illegaler Verwendung des Produktnamens, gilt aber nur in Frankreich, dort aber auch für Importe

Frankreichs landestypische Produkte können sich mit einer Geschützten Ursprungsbezeichnung (Indication Geographique, IG) gegenüber illegaler Verwendung ihrer Namen wehren. Inzwischen wurde das entsprechende Siegel an insgesamt 12 Erzeugnisse vergeben. Darunter sind 4 Natursteine. Ende 2020 erlangte als einer von ihnen der Pierre d’Arudy die Zertifizierung. Das französische Magazin Pierre Actual (11/2020) hatte darüber berichtet.

Wohlgemerkt: dieser Schutz vor Namensschwindel gilt nur innerhalb von Frankreichs Grenzen. Es hatte Fälle gegeben, wo französische Hersteller von Beton ihr Material nach Natursteinen benannten.

Der Titel ist aber auch ein wirksames Mittel gegen Einfuhren unter falschem Etikett.

Der Pierre d’Arudy ist ein Kalkstein, der rund um die Stadt gleichen Namens an der Grenze zu Spanien gewonnen wird. Im Handel wird er als Marmor verkauft, auch wenn er in der Entstehung keine Metamorphose durchgemacht hat. Das ist auch anderswo üblich.

Er wird seit vielen Generationen verarbeitet. Verwendung fand und findet er vom Straßenbau über Grabmale bis hin zum Bau. Die Hersteller weisen gerne darauf hin, dass man ihn in der Opéra Garnier in Paris und genauso am Empire State Building in New York findet.

Im Jahr 2014 hatte die Regierung die Gesetzliche Grundlage für die Indication Geographique geschaffen. Der Weg, das Siegel zu erreichen, ist nicht einfach.

Die Formen des Logos der Indication Géographique.

So können sich nicht einzelne Firmen um den Titel bewerben, sondern nur Gruppen. Das erklärte Ziel ist, dass die Konkurrenten aus einem Gebiet sich zusammentun und dass die Großen sowie die Kleinen kooperieren.

Bewerber müssen nachweisen, dass ihr Produkt wirtschaftliche Bedeutung für die Region hat und auch für deren kulturelle Identität eine Rolle spielt.

Detaillierte Angaben sind im Fall der Natursteine etwa zur Petrographie des Steins zu machen. Darzulegen ist weiterhin, was das Material von anderen Sorten abhebt.

Die Produkte mit Status einer Indication Géographique (Stand mit nur 10 zertifizierten Produkten statt neuerdings 12).

Das führt in den Bewerbungen mitunter zu Marketing-Poesie, die aber auch dazu führt, dass die Hersteller sich überhaupt Gedanken über Marketing machen.

Mit dem Zertifikat werden verschiedene Details exakt geregelt:
* der Titel gilt für Steinbrüche rund um Arudy, Bescat, Louvie-Juzon (64) und
* für Verarbeiter in den Regionen Pyrénées-Atlantiques (64), Hautes-Pyrénées (65) sowie in 196 Gemeinden in der Region Landes (40). Die Nummern in Klammern bezeichnen die jeweiligen Départements.
* Zuständig für die „Organisation und die Verteidigung“ des Titels ist der Natursteinverband der Region Nouvelle-Aquitaine, heißt es in den Unterlagen.
* Serzeit gilt das Siegel für 8 Unternehmen mit rund 40 Arbeitsplätzen und einem Jahresumsatz von 4 Millionen €.

Frankreich legt also Wert darauf, seine kleinen und mittelgroßen Unternehmen, sprich: den Mittelstand und dessen Produkte zu schützen.

Auch für den Konsumenten hat die IG einen Wert, gibt sie ihm doch Orientierung auf einen Blick.

Vor dem Pierre d‘Arudy hatten 3 Natursteine das Siegel erlangt: der Granit de Bretagne, der Pierre de Bourgogne und die Pierres marbrières de Rhône-Alpes.

Unter den anderen derzeit insgesamt 12 Produkten, die bisher den Titel errungen haben, findet man zum Beispiel das Leinen aus dem Baskenland, den Grundstoff für Parfüm aus Grasse oder Teppiche aus Abusson.

Eine andere Initiative zum Schutz von Naturstein kam vor einigen Jahren von der Europäischen Kommission. Im Unterschied zur IG ging es dabei aber um einen Schutz, der für die ganze Europäische Union gelten würde. Wir werden demnächst über den aktuellen Stand der Dinge berichten.

Institut de la proprieté industrielle, INPI (französisch)

Liste aller IGs in Frankreich (französisch)

See also:

(22.01.2021)