Zufällige Entdeckung: die Sonde Parker Solar Probe kann durch die Wolken rund um Venus hindurchschauen

Die Hochlandregion Aphrodite Terra der Venus. Bild: NASA/Johns Hopkins APL/Naval Research Laboratory/Guillermo Stenborg und Brendan Gallagher

Die Spezialkamera WISPR erfasste beim Vorbeiflug das Wärmebild einer dunklen Fläche, hinter der sich das Hochland Aphrodite Terra verbirgt

Die Sonde Parker Solar Probe der NASA hat während ihres nahen Vorbeiflugs an der Venus am 11. Juli 2020 unerwartete Bilder des Planeten eingefangen. Während dieser 3. Venus-Schwerkrafthilfe für die Reise zur Sonne hat die an Bord befindliche Kamera WISPR (Wide-field Imager for Parker Solar Probe) die Nachtseite des Planeten aus einer Entfernung von nur 7.693 Meilen aufgenommen.

Die Aufnahme zeigt eine dunkle Zone in der Mitte des Bildes, bei der es sich um Aphrodite Terra handelt. Das ist die größte Hochlandregion auf der Venusoberfläche, und sie ist von früheren Missionen bekannt. Die Zone erscheint dunkel, da ihre Temperatur um etwa 30 Grad Celsius (85 Grad Fahrenheit) niedriger als die Umgebung ist.

Dieser Aspekt des Bildes habe das Team überrascht, sagte Angelos Vourlidas, der WISPR-Projektwissenschaftler vom Johns Hopkins Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel, Maryland. „WISPR ist für die Beobachtung der Sonne im sichtbaren Licht zugeschnitten und getestet. Beim blick auf die Venus erwarteten wir, Wolken zu sehen, aber die Kamera blickte direkt bis zur Oberfläche hindurch.“

„WISPR hat die thermische Emission der Venusoberfläche eingefangen“, sagte Brian Wood, ein Astrophysiker und WISPR-Teammitglied vom U.S. Naval Research Laboratory in Washington, D.C.

Am 5. Februar 1974 nahm die NASA-Mission Mariner 10 diese Nahaufnahme der Venus auf. Bild: Nasa

Diese überraschende Beobachtung schickte das WISPR-Team zurück ins Labor, um die Empfindlichkeit des Instruments für infrarotes Licht zu messen. Wenn WISPR tatsächlich Wellenlängen des nahen Infrarots aufnehmen kann, würde diese unvorhergesehene Fähigkeit neue Möglichkeiten zur Untersuchung von Staub um die Sonne und im inneren Sonnensystem bieten. Wenn es keine zusätzlichen infraroten Wellenlängen aufnehmen kann, dann könnten diese Bilder – die Signaturen von Merkmalen auf der Venusoberfläche zeigen – ein bisher unbekanntes „Fenster“ durch die Venusatmosphäre enthüllt haben.

„So oder so“, sagte Vourlidas, „erwarten uns einige aufregende wissenschaftliche Möglichkeiten.“

Um weitere Erkenntnisse zu erhalten, hat das WISPR-Team eine Reihe ähnlicher Beobachtungen für den Venusvorbeiflugs am 20. Februar 2021 geplant. Die Wissenschaftler des Missionsteams erwarten, dass sie diese Daten bis Ende April erhalten und für die Analyse verarbeiten können.

Die Venus ist der rätselhafte Schwesterplanet der Erde mit einer ihrer ähnlichen Größe und Masse. Die viel kleineren Merkur und Mars sind die anderen Gesteinsplaneten in unserem Sonnensystem. Die Venus hat wie die Erde eine Atmosphäre, jedoch besteht diese zu mehr als 96% aus Kohlendioxid. Die Gaszusammensetzung verleiht ihr einen starken Treibhauseffekt und macht sie so heißer (464 °C; 867 °F) als Merkur, obwohl der sich näher an der Sonne befindet.

Die Venus leuchtet hell auf diesem Foto, das am 05. Dezember 2015 von der Internationalen Raumstation aus aufgenommen wurde. Bild: NASA/JAXA

Die Mission der Parker Solar Probe soll Bilder der Sonnenkorona und der inneren Heliosphäre im sichtbaren Licht (mit der WISPR-Kamera) sowie Bilder des Sonnenwindes aufnehmen. Die Venus spielt eine wichtige Rolle bei der Mission: Die Sonde fliegt im Laufe ihrer siebenjährigen Mission insgesamt sieben Mal an ihr vorbei und nutzt dabei die Schwerkraft des Planeten, um die Umlaufbahn der Sonde zu verändern. Diese Gravitationshilfe hilft ihr, immer näher an die Sonne heranzukommen.

Quelle: Nasa

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(02.03.2021)