Chinas Steinbranche unternimmt große Schritte in Sachen „grüner“ Gewinnung und Verarbeitung

Manche Firmen in China sind riesig. Die Bilder sind Screenshots aus einem Video von Pingchang Mining, das zu den Best-Practice-Unternehmen zählt. Das Abbaugebiet im Vordergrund misst 3,76 km². Im Hintergrund die Verarbeitung.

Auch soziale Standards für die Arbeiter spielen in den Modellprojekten eine Rolle, was sich auf die Branche in ganz Asien auswirken wird

Chinas Steinbranche unternimmt große Anstrengungen, die Gewinnung und Verarbeitung des von Natur aus umweltfreundlichen Materials auch nach „grünen“ Vorgaben zu gestalten. Dazu gehört, die Verschwendung von Energie und Wasser zu reduzieren und gleichzeitig die Folgen für die Natur drastisch zu verringern. Zu den Zielen gehört ausdrücklich auch, sie sozialen Belange der Mitarbeiter und auch der Anwohner zu berücksichtigen – das steht in China auf allen Fahnen.

Auswirkungen hat die „grüne“ Zielsetzung der Natursteinfirmen nicht nur auf die inländische Branche, wo die Anbieter dem immer stärkeren Wunsch der Kunden nach umweltfreundlichen Produkten nachkommen müssen.

Für ganz Asien legt China als führende Wirtschaftsnation damit Marksteine für die Entwicklung fest. Das heißt auch, dass in Nachbarländern zum Beispiel Kinderarbeit noch stärker als bisher in die Kritik geraten wird.

Genauso werden für aufkommende Lieferländer bestimmte Standards vorgegeben.

Chinas Regierung hat schon vor einigen Jahren die „grüne“ Ausrichtung seiner Industrie festgeschrieben.

Interessant ist dabei zu beobachten, dass die Durchsetzung nicht per Ukas von oben geschieht, sondern nach modernen Methoden der Wirtschaftspolitik: in Wettbewerben unter den Unternehmern werden Best-Practice-Beispiele identifiziert. Als Preise bekommen diese Firmen staatliche Förderung, und agieren dann als Botschafter, wie man es richtig macht.

Zur Erinnerung: wer noch vor 15 Jahren die Millionenstädte mit den großen Messen verließ und im Hinterland Steinbrüche und Fabriken besuchte, fand sich in Gegenden wieder, wo das Steinmehl die Bäche milchig gefärbt und die Pflanzenwelt mit einem weißen Schleier überzogen hatte.

Auf dem World Stone Congress im Rahmen der Xiamen Stone Fair 2019 hatte es einen Schwerpunkt zu dem Thema gegeben. Dort zeigten heimische Firmen ihre Best-Practice-Beispiele.

Im Oktober 2020 gab es ein großes Branchentreffen in der Provinz Fujian, die eines der Zentren der Natursteinbranche ist und in der auch die Stadt Xiamen liegt.

Rund 100 Vertreter von Firmen sowie regionalen Verbänden und Behörden nahmen daran teil. Veranstalter war der landesweite Verband China Stone Material Association (CSMA).

Solarzellen auf den Dächern sind inzwischen Standard.

Gezeigt wurden Vorbilder, die vom Aufarbeiten und der Wiederverwendung des Brauchwassers bis hin zum Schutz der Natur während des Betriebs eines Steinbruchs beziehungsweise der Wiederherstellung nach dem Ende des Abbaus behandelten. Die Diskussionen gingen bis in kleine Details, etwa was das Sauberhalten der Zufahrtstraßen in der Nähe von Fabriken angeht.

Auch Wohnungen und Freizeiteinrichtungen für Arbeiter waren Themen.

Denn seitdem China sein Hinterland entwickelt, wird es für die Unternehmen an der Küste immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Zwei Strategien prägen die „grüne“ Modernisierung von Chinas Steinbranche: zum einen will man vom Westen lernen, und zum anderen hat man immer auch die marktwirtschaftlichen Folgen der Modernisierung im Hinterkopf.

So waren auf dem World Stone Congress 2019 in Xiamen auch 2 Firmenvertreter aus dem Westen als Referenten eingeladen. Dabei zeichnet sich die chinesische Mentalität durch Lernbegierde aus: auch wenn man überzeugt ist, dass das eigene politische System das beste ist, stellt man sich nicht gerne als Supermacht hin. In unserem Interview im Jahr 2013 hatte Zou Chuansheng, der vorherige langjährige CSMA-Präsident, vehement betont, dass die Steinbranche seines Landes noch viel zu lernen habe.

Wenn ein Steinbruch stillgelegt wird, folgt die Renaturierung.

Bei aller Moderniserung werden auch Belange der Wirtschaft bedacht. Das zeigte sich wieder einmal bei dem Branchentreffen im Oktober 2020: dort wurden als die drei wichtigsten Kriterien für die Modernisierung der Steingewinnung „Geologie, Kosten und Märkte“ genannt.

Gemeint war damit: eine Gewinnung macht nur Sinn, wenn die Voraussetzungen vor Ort günstig sind; zur Kostenanalyse gehört auch immer der Vergleich mit den Gegebenheiten an einer anderen Lagerstätte; und nicht zuletzt muss man wissen, was der Kunde derzeit will und wie sich die Nachfrage in der Zukunft entwickeln wird.

Natürlich spielt sich das alles innerhalb der behördlichen Vorgaben ab, die auch durchgesetzt werden.

Sie gab es bei dem Treffen einen Bericht aus den Provinzen Innere Mongolei und Hebei, und zur Situation dort hieß es trocken, dass diejenigen Firmen, die bis Ende 2020 die Standards nicht einhalten, „ihre Lizenzen verlieren werden“. Und weiter: „Vor 2025 wird eine große Zahl von Steinbrüchen den Betrieb eingestellt haben.“

In Untersuchungen sei festgestellt worden, dass bei diesen Firmen der Kern des Problems in einer falschen Selbsteinschätzung liege.

See also:

(08.03.2021)