Die türkischen Natursteinexporte im Jahr 2020 waren zwar negativ in Vergleich zum Vorjahr, jedoch zeigten sich auch deutliche positive Entwicklungen

Quelle: IMIB

Die Blockexporte nach China brachen wegen Corona nach Wert um -22% ein, bei den Lieferungen von Endprodukten gab es jedoch (fast) überall kräftige Anstiege

Die türkische Natursteinbranche ist – zumindest 2020 – relativ gut durch die Coronakrise durchgekommen: Die Exporteure verzeichneten gegenüber dem Vorjahr nach Wert ein Minus von (-)6,81% und nach Tonnage um (-)9,40%. Diese Zahlen gehen aus der Statistik des Verbands IMIB hervor.

Damit setzte sich der Trend des Vorjahres fort: 2019 hatte es gegenüber 2018 einen Rückgang nach Wert um (-)2,29% gegeben, nach Tonnage um (-)4,27. Gleichzeitig aber hatte das Land in jenem Jahr im Bereich der Endprodukte einen Anstieg um (+3,46%) verzeichnet.

Und auch die aktuellen Daten bestätigen, dass die türkischen Firmen auf einem guten Weg sind, die Wertschöpfung aus den Bodenschätzen des Landes zu verbessern.

Eine nähere Betrachtung der aktuellen Zahlen:
* dass die Lieferungen nach China drastisch einbrechen würden (nach Wert um -22,24%, nach Tonnage um -21,44%), war klar. China hatte in den ersten Monaten des Jahres seine Einkäufe in der ganzen Welt auf einen Schlag gestoppt. Die Türkei exportiert einen Großteil ihrer Blöcke nach China.
* etwa von Mai an nahm China seinen Handel mit der Welt zwar wieder auf, das aber führte zu einem Mangel an Containern und rapide steigenden Preisen im Schiffstransport, wovon auch die türkischen Blocklieferungen nach Indien betroffen waren.

Die deutlichen 2020er Einbrüche kann man also nicht den türkischen Firmen anlasten.

Demgegenüber positiv verbuchen muss man aber etwas anderes: herausragende Steigerungen gab es bei den Exporten von Endprodukten, wie bereits gesagt! Hier wurden bei den USA, Saudi Arabien, Israel und Frankreich Steigerungen nach Wert zwischen +9 bis +13,7% erreicht. Dies trotz der Krise.

Türkischer Travertin hängte dabei die Marmore des Landes ab: nach detaillierteren Statistiken, die wir in den nationalen Magazinen Turkish Stone World und Marble Trend gefunden haben, gab es bei den Endprodukten aus Marmor einen Anstieg um +2,24 nach Wert (+5,46% nach Tonnage), bei Travertin sogar um +22,07% nach Wert (29,98% nach Tonnage).

Generell ist festzustellen, dass es gleichermaßen Länder der muslimischen wie der christlichen Welt sind, wo sich die Türkei als Lieferant von höherwertigen Endprodukten gut platziert hat. Dabei haben sich die politischen Streitigkeiten der Regierung mit manchen Staaten nicht in den 2020er Steinexporten niederzuschlagen, etwa im Fall von Saudi Arabien oder Qatar. Das kann sich aber noch ändern, wie die ersten Zahlen für 2021 vermuten lassen.

Die 2020er Steigerung um +26% im Fall von Lieferungen nach Deutschland dürfte auf einzelne Projekte zurückgehen, genauso der Einbruch bei den Lieferungen nach Kanada (-39%).

Der Einbruch nach Italien (-31%) ist wieder eine direkte Folge der Pandemie, denn Italien kauft reichlich Rohblöcke in der Türkei und bringt sie verarbeitet wieder auf den Markt.

In einem Interview mit Turkish Stone World skizzierte IMIB-Präsident Aydin Dinçer die vorrangigen Ziele für 2021: „Es wird virtuelle Besuche von Delegationen in Ägypten, Jordanien und Algerien geben, außerdem in Großbritannien. Es folgen Delegationen nach Bangladesch und Taiwan sowie Russland.“ Echte Mitwirkungen an Messen wird es in den USA und Italien geben.

Insgesamt erwartet er im Jahr 2021 neuerliche Exportsteigerungen, weil bei vielen Kunden die Lager leer sind.

Istanbul Mineral Exporters’ Association (IMIB)

Turkish Stone World

Marble Trend

See also:

(12.04.2021)