Die „EY Exhibition: The Making of Rodin“ der Tate Modern gibt einen einzigartigen Einblick in die Denk- und Schaffensweise des Künstlers

Blick in die Ausstellung „The EY Exhibition: The Making of Rodin at Tate Modern“. Foto: Tate photography / Matt GreenwoodAuguste Rodin, Studie zu „Der Denker“, 1881, Musée Rodin.

Auguste Rodin, der selbst nur als Modellierer mit Materialien wie Ton arbeitete, brach die Regeln der klassischen Bildhauerei und schuf ein dramatisches Abbild des menschlichen Körpers

Die Londoner Kunstgalerie Tate Modern hat uns die folgende Pressemitteilung zu ihrer aktuellen Ausstellung geschickt. Die Schau findet statt im Rahmen der Partnerschaft von EY und TateArts:

Die Tate Modern präsentiert eine große neue Ausstellung über Auguste Rodin (1840-1917). Gezeigt wird, wie er die Regeln der klassischen Bildhauerei brach, um ein dramatisch anderes Bild des menschlichen Körpers zu schaffen, welches die Brüche, Komplexitäten und Unsicherheiten der Moderne widerspiegelt. Mit über 200 Werken, von denen viele noch nie außerhalb Frankreichs gezeigt wurden, gewährt „The EY Exhibition: The Making of Rodin“ einen einzigartigen Einblick in Rodins Denk- und Schaffensweise…

Obwohl Rodin vor allem für seine Bronze- und Marmorskulpturen bekannt ist, arbeitete er selbst nur als Modellierer. Er fing in formbaren Materialien wie Ton Bewegung, Emotion, Licht und Volumen ein, die dann in Gips gegossen wurden. „The EY Exhibition: The Making of Rodin“ ist die erste Schau, die sich eingehend mit Rodins Verwendung von Gips beschäftigt und sich dabei von der bahnbrechenden, selbst organisierten Ausstellung des Künstlers im Pavillon de l’Alma in Paris im Jahr 1900 inspirieren lässt.

Auguste Rodin, „Die Drei Schatten“, vor 1886, Musée Rodin.

Dort traf Rodin die unkonventionelle Entscheidung, sein Lebenswerk fast komplett in Gips zu zeigen, um die entscheidende Rolle dieses Mediums in seiner Karriere zu unterstreichen.

Die Ausstellung lässt auch die Atmosphäre des Pavillon de l’Alma wieder entstehen, der eine imaginäre Vision des Künstlerateliers darstellte: anstatt eine Werkstatt zu zeigen, die von Modellen, Bildhauern, Gießern und Fotografen bevölkert war, die Rodins Kreationen und Visionen in traditionelle, kommerzielle Skulpturen umsetzten, wurde im Pavillon das Modellieren und die Vorstellung der „Künstlerhand“ als zentrale Antriebskräfte für Rodins Arbeit in den Vordergrund gestellt.

Auguste Rodin, „Right hand of Pierre and Jacques de Wissant“, 1885–86 Musée Rodin.Auguste Rodin, Gliedmaße, circa 1880–1917. Gips und Terracotta. Musée Rodin. Foto: agence photographique du musee Rodin / Jerome Manoukian

Eine Sammlung von Körperteilen aus Gips, eine Leihgabe des Musée Rodin, zeigt, wie Rodin immer wieder mit Fragmentierung, Wiederholung und dem Zusammenfügen bestehender Teile auf unkonventionelle Weise experimentierte. Individuell gefertigte Köpfe, Hände, Arme, Beine und Füße erlaubten es ihm, seine Werke in unzähligen Kombinationen und Posen immer wieder zu zerlegen und neu zusammenzusetzen. Die Ausstellung zeigt, wie diese Experimente einige der bekanntesten Skulpturen des Künstlers beeinflussten, darunter der neu restaurierte Gipsentwurf für „Die Bürger von Calais“ (1889), der so gezeigt wird, wie Rodin es ursprünglich beabsichtigt hatte.

Die komplexe Dynamik von Rodins Arbeit mit verschiedenen Modellen wird aus der Perspektive einiger der außergewöhnlichen Frauen betrachtet, mit denen er zusammenarbeitete, darunter seine einstige Studioassistentin und Mitarbeiterin Camille Claudel. Anstatt ein Ideal zu entwerfen, ging Rodin stark auf den individuellen Charakter und die Körperlichkeit seiner Modelle ein.

Auguste Rodin, Hanako Maske, Typ E, 1907-10, Musée Rodin.

Besonders deutlich wird dies in seinen zahlreichen Porträts der Schauspielerin Ohta Hisa (1868-1945), die unter ihrem Künstlernamen Hanako westliche Adaptionen des Kabuki-Theaters vor einem japanbegeisterten französischen Publikum aufführte.

Auch die Büsten von Rodins Freundin und Korrespondentin, der deutschen Aristokratin Helene von Nostitz, geborene Hindenburg (1878-1944), zeigen, wie sehr Rodin die sichtbaren Spuren der Entstehung seines Werks schätzte, da er den Schaffensprozess für genauso bedeutend hielt wie die fertige Form.

Archivbilder, von denen Rodin viele auswählte, um sie neben seinen Gipsarbeiten im Pavillon de l’Alma auszustellen, zeigen, wie er die Fotografie nutzte, um Formkombinationen zu erkunden und seine Skulpturen aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren. Dazu gesellt sich eine Reihe von zarten Aquarellzeichnungen des Künstlers, in denen er weiter experimentierte und Körperformen überarbeitete.

Tate Modern: „The EY Exhibition: The Making of Rodin“, bis 21. November 2021

Video

Auguste Rodin, „The Tragic Muse“, 1890 Musée Rodin.Jules Richard: Rodin im Atelier. Musée Rodin.

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(27.05.2021)