Warum die römischen Steinmetze im Marmor-Bookmatch in einer Villa in Ephesos die Reihenfolge der Platten änderten

Ein Bookmatch entsteht, wenn man in einer Reihenfolge von Platten (meist aus demselben Block) diejenigen mit den geraden Nummern umdreht. Dann stoßen die Strukturen im Stein plötzlich aneinander.

In unserem Hauptartikel über die Villa im Hanghaus 2 in der antiken Stadt Ephesos haben wir das Marmor-Bookmatch beschrieben. Dort gibt es eine Unregelmäßigkeit in der Verlegung der Steinplatten – wir zeigen hier, was vermutlich das Problem war und wie die Steinmetze damals es gelöst haben.

Ein Bookmatch wie gezeigt ergibt sich, wenn man Platten aus einem Block schneidet und so platziert, dass die mit den geraden Nummer gedreht werden.

Die Reihenfolge der Platten im gesamten Bookmatch ist dann 1-2 / 3-4 / 5-6.

So ist fast der ganze Sockel im Hanghaus 2 gestaltet. Aber an der Südseite der Wand ist die Reihenfolge der Platten verändert: sie beginnt hier mit 1-2 und geht dann mit 5-4 und 7-6 weiter.

Der Grund ist, so die Erkenntnisse der Forschergruppe um Professor Cees Passchier, dass offenbar die Platte 3 beim Polieren gebrochen war und ersetzt werden musste.

Wenn beim Polieren nun eine der Platten bricht (hier: die Nummer 3), kann man die folgenden Platten wieder zurückdrehen und eine zusätzliche Platte von rechts einschieben. Das geschah jedoch beim Hanghaus 2 in Ephesos nicht.

Allerdings hätte man das so entstandene Problem auch einfacher lösen können, nämlich indem man die folgenden Platten 4-5 und 6 einfach wieder rückwärts gedreht und dann von außen die Platte 7 hinzugefügt hätte. Also: 1-2 / 4-5 / 6-7.

Warum aber taten die Römer das nicht, sondern wählten die – kompliziertere – Reihenfolge 1-2 / 5-4 / 7-6?

Die römischen Steinmetze wechselten lieber die Reihenfolge der Plattenpaare. Der Grund lag vermutlich darin, dass sie vermeiden wollten, dass die Platten auf 2 Seiten poliert und damit gefährlich dünn würden.

Der Grund wird offenbar, wenn man sich die (vermutliche) Arbeitsweise der Polierer vor Augen führt:
* bevor sie ihre Arbeit begannen, legten sie die Platten zunächst so nebeneinander, wie sie im Sockel erscheinen würden. Danach begann das Polieren, aus Zeitgründen wahrscheinlich gleichzeitig an allen Platten.
* wenn aber dann eine bereits vollständig oder nur teilweise polierte Platte brach (in diesem Fall: Nummer 3), konnte man nicht einfach die kaputte Platte herausnehmen und die folgenden rückwärts drehen und von rechts eine zusätzliche Platte nachschieben. Denn: wenn man damit anfing, die Platten auf beiden Seiten zu polieren, wurde das Risiko groß, dass man eine kritische Dicke unterschreiten und manche Platte brechen würde. Schließlich sind sie schon bei Politur nur auf einer Seite nur noch rund 15 mm dick – und das bei diesem Marmor, der bekanntlich gerne reißt.
* die Römer fanden einen besseren Weg, indem sie die folgenden Plattenpaare miteinander vertauschten.

Dadurch ging zwar ein wenig der angestrebten perfekten Symmetrie verloren. Aber dieser geringe Verlust an ästhetischer Wirkung war hinnehmbar angesichts der Tatsache, dass das Bruch- und damit auch das Kostenrisiko signifikant verringert war.

Grafik: Cees Passchier

Teil des rekonstruierten Sockels in der römischen Villa in Ephesos.

(30.07.2021)