Rolling Stones („Pedras Rolantes“) auf die portugiesische Art im Straßenpflaster der Stadt Évora

Bernardo Bagulho, Pó de Vir a Ser: „Pedras Rolantes“.

Der Künstler Bernardo Bagulho gestaltet aus Reststücken aus einem Bildhauerzentrum Gesichter und Masken und setzt damit charmante Akzente auf Wegen und Plätzen

Die portugiesische Stadt Évora hat nicht nur eine Altstadt, die zum Unesco-Kulturerbe zählt, sondern ist auch Heimat des Chorgesangs Cante Alentejano, der den Rang eines Immateriellen Kulturerbes hat. Nun hat der Ort mit rund 50.000 Einwohnern auch eigene Rolling Stones und man ahnt, dass der Titel hier doppeldeutig gemeint ist: es geht keineswegs um die Rockgruppe aus England, sondern um echte Steine, die die lange Tradition des Alentejo in der Steinbildhauerei aufgreifen – die „Pedras Rolantes“ sind flache Kunstwerke aus Stein, vergleichbar mit dicken Fliesen, die ins Pflaster der Plätze und Straßen eingesetzt werden.

Die Idee stammt von Bernardo Bagulho, realisiert in Kooperation mit dem Verein Pó de Vir a Ser, einem Zentrum für die Bildhauerei mit Stein. Seine ersten Arbeiten wurden im Jahr 2019 in der Altstadt verlegt – das geschah im Rahmen des Kulturfestivals Artes à Rua – übersetzt etwa: „Kunst auf die Straße!“. Inzwischen gibt es eine 2. Verlegeaktion, und damit 13 Arbeiten innerhalb der Stadtmauer und 14 außerhalb plus dazu als Orientierung für Einheimische und Touristen einen speziellen Stadtplan.

Denn es hat sich gezeigt, dass viele Menschen von der Idee begeistert sind und gerne mit dem Blick Richtung Boden durch auf den Ort streifen.

Wir merken an: Kinder lieben es, quasi im Blindflug über die Straßen zu laufen. Offenbar gibt es für sie dort viel mehr zu entdecken als in den Schaufenstern auf Erwachsenenhöhe.

Bernardo Bagulho, Pó de Vir a Ser: „Pedras Rolantes“.

Bernardo Bagulho bringt in seinen Fliesen Gesichter auf die Gehwege – man kann die Arbeiten auch als Masken sehen. Er verwendet dafür Reststücke, die bei der Arbeit der anderen Künstler im Verein Pó de Vir a Ser anfallen. In die Oberflächen fräst er Linien, oder setzt andere Steine mit anderen Farben ein.

Wer will, kann darin Persönlichkeiten aus dem Stadtleben wiedererkennen, heißt es auf der Webpage des Vereins.

Bernardo Bagulho, Pó de Vir a Ser: „Pedras Rolantes“.

Die Initiatoren betonen, dass auch die „mestres calceteiros“ an den Arbeiten beteiligt sind, nämlich an der Verlegung. Das sind die Pflasterer, die die Tradition der Calçada Portuguesa am Leben halten. Die Rolling Stones aus Évora brauchen nämlich die Hand eines Fachmanns, damit sie sich nicht allzu schnell aus dem Verbund der kleinen Steinchen drumherum lösen.

Der Künstler Bernardo Bagulho kommt aus Évora. Er studierte Design an der dortigen Universität, bekam an einer Hochschule in Barcelona ein Diplom in Illustrierung und wurde von 2018 an, wieder zurück in Évora, bei Pó de Vir a Ser an die Kunst mit Naturstein herangeführt.

Screenshot aus dem Video: Stadtplan mit den 27 Arbeiten.

Noch ein Wort zu dem Verein: er residiert in einem ehemaligen Schlachthof und „will die Skulptur zu einer Sache für jedermann machen“, wie es auf der Webpage heißt. Der Name Associação Pó de Vir a Ser selber hat etwas Spielerisches: er kann „Verein Staub des Werdens“ bedeuten und sich dabei auf das Mehl aus der Bearbeitung von Stein beziehen oder einfach „Verein Kann-Sein“ heißen.

Pó de Vir a Ser (portugiesisch)

Video (portugiesisch)

Fotos: Pó de Vir a Ser

Bernardo Bagulho, Pó de Vir a Ser: „Pedras Rolantes“.

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(18.06.2021)