1. Wettbewerb für Naturstein-Design in Schweden: wie man dem Kunden auch noch die Reststücke aus der Produktion verkaufen kann

Die 3 Gewinner beim 1. Wettbewerb für Naturstein-Design in Schweden: (v.l.n.r) Enes Musa, Alissa Nyberg, Peder Nilsson (1. Preis).

Der Verband als Initiator hatte die Studenten abgehalten von pompösen Ideen, die am Ende doch nicht verkäuflich sind

Erfreuliche Neuigkeiten zum Produktdesign mit Naturstein gibt es aus Schweden: dort hatte in diesem Jahr der Natursteinverband Sveriges Stenindustriförbund zum 1. Mal einen Designwettbewerb unter Studenten ausgeschrieben, und eines der Ergebnisse war gleich wegweisend. Denn das als Gewinner prämierte Objekt beinhaltet eine innovative Verbindung von Abfall und Material.

Der Wettbewerb erfolgte in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Produktdesign an der Universität Malmö. Teilnehmer waren Studenten, die in der Fachrichtung Materialgerechtes Design (Material-Driven Design) eingeschrieben waren.

Wie üblich bei solchen Wettbewerben hatte der Verband den Interessierten die heimischen Natursteine vorgestellt und deren Besonderheiten erklärt. Ungewöhnlich aber war, dass die Studenten auch mit Reststücken aus der Verarbeitung der Steine konfrontiert wurden.

Peder Nilsson: „Spill Table“.

Ausdrücklich hatte es in der Ausschreibung geheißen, dass die Studenten Ideen für die Verwendung solchen Abfalls finden sollten.

Das führte zumindest bei Peder Nilsson, Student im Abschlusssemester, zu einer ungewöhnlichen Idee – wobei nicht das Produkt als solches ungewöhnlich ist, sondern das Konzept drumherum.

Peder Nilsson: „Spill Table“.

Der von Haus aus gelernte Tischler verarbeitete nämlich die Reststücke aus dem Zuschneiden von Küchenarbeitsplatten zu Beistelltischen. Die Füße der Tischchen konzipierte er in Holz.

Das Innovative daran ist: ein Kunde, der eine Küchenarbeitsplatte kauft, soll vom Steinmetz auch das Angebot bekommen, dass aus dem Reststück solch ein Beistelltisch gefertigt wird.

Die Geschäftsidee überzeugt: erstens geht der Abfall aus der Verarbeitung zum Kunden, und zweitens kann der Steinmetz damit noch eine zusätzliche Arbeitsleistung verkaufen. Peder Nilsson spricht von einem „Bonus im passenden Stein“.

Ein Beispiel, wie man die Idee weiterdenken könnte: wenn eine Steinfirma in einem Hotel im Eingangsbereich Marmor verlegt hat, kann sie dem Hotelier anbieten, mit dem Verschnitt gleich noch die Bushaltestelle vor dem Hotel zu garnieren.

Anders formuliert: wer als Steinfirma den Abfall aus einem Projekt in der Werkstatt behält, hat unternehmerisch etwas falsch gemacht. Dass die Reststücke je nach Projekt in unterschiedlichen Dicken anfallen, kann laut Peder Nilsson durch unterschiedliche Winkel für die Bohrlöcher für die Füße kompensiert werden.

Alissa Nyberg: „Rest“.

Zwei weitere Preise gab es: Alissa Nyberg entwickelte eine Stütze fürs Bücherboard, die auch Lesezeichen sein kann.

Enes Musa: „Conglomerate“.

Enes Musa entwickelte ein Set von Kerzenständern in 4 Teilen, die in einem Objekt vereint sind.

Das Preisgeld für den 1. Preis betrug 10.000 SEK (900 €), die beiden anderen Gewinner erhielten eine Urkunde.

Die Jury setzte sich zusammen aus Kai Marklin, Präsident des Verbands, Peter Willebrand, Chefredakteur der Verbandszeitschrift „Sten“ sowie den Designern Jenni und Andreas Kullaro, bekannt für ihre Objekte aus Diabas (siehe Link unten).

Der Grund für das bemerkenswerte Ergebnis dieses Wettbewerbs ist vielleicht, dass in der Ausschreibung von Anfang an die Verwendung von Reststücken so sehr betont worden war. Das hielt die Studenten davon ab, große Würfe zu versuchen, die am Ende wegen des hohen Gewichts des Materials nicht zu verkaufen sind.

Bemerkenswert ist das Ergebnis auch insofern, als der schwedische Verband das Thema Materialgerechtigkeit in Richtung Ehrlichkeit interpretiert hat: denn während die Steinbranche üblicherweise zwar ein endloses Loblied auf sein Material singt, unter anderem weil es Millionen Jahre alt und zu 100% Natur ist, gehen die Firmen in der Praxis wenig respektvoll damit um.

Das gilt übrigens auch für die Bildhauer, die aus einem großen Rohblock am Ende neben ihrer Skulptur nur einem großen Haufen an steinernen Chips zurücklassen. Und nicht immer ist das Werk wirklich die Mühe wert.

Sveriges Stenindustriförbund (schwedisch)

Fotos: Sveriges Stenindustriförbund

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(06.08.2021)