Ein Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“ für die Neugestaltung des Ufers in der Ortschaft Shiroka

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

Die Architekten des Büros Casanova+Hernandez haben die Fläche mit einem Mosaik nach Art der lokalen Textilkunst als Einheit erlebbar gemacht

Das Ziel der markanten Ufergestaltung im albanischen Fischerdorf Shiroka war nicht nur, die malerische Fläche den Bürgern und Besuchern wiederzugeben, sondern auch, sie als Einheit erlebbar zu machen. Das hat das Büro Casanova-Hernandez mit Standorten in Rotterdam und Tirana unter anderem mit einer Pflasterung geschafft, die sich über gut 500 m am Ufer zieht und Motive aus der Kultur jener Gegend aufgreift. „Albanischer Teppich“ war deshalb der Titel des Projekts.

Das Fischerdorf liegt am Skutarisee an der Grenze zu Montenegro, unweit der Stadt Shkodër. Der Blick über den weiten See scheint ins Unendliche zu gehen, auf der anderen Seite in Montenegro erhebt sich das Rumija-Gebirge.

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

Nach dem Ende der kommunistischen Diktatur in Albanien herrschte in dem Fischerdorf Goldgräbermentalität. Das Seeufer wurde wild mit Privathäusern, Restaurants, Kiosken und privaten Parkflächen bebaut und verschwand hinter einer unansehnlichen Wohn- und Gewerbezone, wie man es auch von Ufern oder Küsten anderswo kennt.

Die Architekten planten an der Stelle dieser Bebauung eine öffentliche Nutzfläche, quasi einen langgezogenen Park, als einheitliche Fläche erlebbar durch den „Teppich“, der in der Tat wie ausgerollt erscheint. Damit gestaltet ist auch der Belag der Straße, die am Ufer langführt.

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

Das auffällige Pflastermuster mit Elementen aus der lokalen Textilkunst bewirkt, dass die Autofahrer mit der Geschwindigkeit heruntergehen.

Verwendet wurden dafür weiße und schwarze Granitsteine ( 9 x 9 x 6 cm), die pixelartig verlegt sind. Wo es Stufen gibt, reißen die Muster nicht ab, sondern sind darüber hinweg weitergeführt.

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

Diese Stufen wiederum spielen eine wichtige Rolle in dem Konzept: sie führen zu höheren Ebenen, auf denen die Architekten gewissermaßen öffentliche Zimmer mit Sitzbänken und Tischen geschaffen haben. Die sollen sich die Bürger eine Zeitlang aneignen: zum Picknicken, Debattieren oder Spielen usw.

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

Die Anordnung der Stufen lässt an einer Stelle eine Art von Amphitheater entstehen.

Dieser Platz ist frei gehalten von Bäumen. Ansonsten ist das alte Grün liebevoll in die Anlage integriert. Zahlreich wurden auch neue Gehölze gepflanzt.

Das Vorhaben in Shiroka ist Teil eines größeren Entwicklungsprojekts entlang des Seeufers, das von der benachbarten Großstadt Shkodra und dem Albanian Development Fund finanziert wird. Es erstreckt sich über rund 115 ha, umfasst auch Wander- und Fahrradwege, die Wiederherstellung eines natürlichen Fischerhafens und den Neubau eines Museums am Ufer, das vom Amphitheater aus zu erreichen sein wird.

Die Gestaltung wurde für die 1. Phase des europäischen Mies van der Rohe Architekturpreises 2022 nominiert.

Casanova+Hernandez Architects

Mies van der Rohe Award

Fotos: Casanova+Hernandez / E. Zhabjaku / Orestia Kapidani

Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.Casanova+Hernandez: Granitpflaster wie ein „albanischer Teppich“.

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(25.08.2021)