Hans-Jakob Bärlocher: „Reststücke aus dem Steinbruch und der Verarbeitung lassen sich vielfach nutzen, das gilt sogar für das Steinmehl aus dem Zerschneiden der Blöcke“

Hans-Jakob Bärlocher.

Interview mit dem Chef der Bärlocher AG aus der Schweiz

In unserem Peters Corner unter dem Titel „Die Steinbranche muss sich dringend in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mit den Reststoffen beschäftigen“ haben wir uns dem Abfall gewidmet, wie er bei der Gewinnung und Verarbeitung von Naturstein anfällt. Zu dem Thema haben wir Hans-Jakob Bärlocher befragt, der die Bärlocher AG mit Sitz unweit des Bodensees führt:

Stone-Ideas.com: Auf Ihrer Webpage schreiben Sie ‚Wir sind im Abbau bestrebt, möglichst alles anfallende Material zu verwerten‘. Wie gelingt das?

Hans-Jakob Bärlocher: In einem Steinbruch können Sie nicht alles Material verwenden, das Sie aus dem Fels holen. Das liegt an der Geologie, bei unserem Rohrschacher Sandstein an der Ablagerung vor vielen Millionen Jahren und den Einflüssen der Natur seitdem. Es fällt Material an, das für eine Verwertung nicht geeignet ist. Das behandeln wir ganz umweltbewusst: Ein Teil des nicht verwertbaren Materials verwenden wir für die Wiederherstellung des Abbaugeländes. Unter anderem werden Steinhaufen, sogenannte Kleinstrukturen, geschüttet. Diese sind wichtige Lebensräume für seltene Tier-und Pflanzenarten. Wir folgen dem Vorbild der Natur: es gibt keinen Abfall, alles wird irgendwie für irgendetwas genutzt.
 

Stone-Ideas.com: Wie aber ist es mit dem „Steinmehl“, das entsteht, wenn Sie die großen Blöcke zerschneiden und wenige Zentimeter dicke Platten daraus machen?

Hans-Jakob Bärlocher: Dieses „ Steinmehl“ fällt beim Schneiden von Natursteinen als Schlamm an. In unserer Firma wird der Schlamm in einer Kammerfilterpressenanlage getrennt zu Wasser und Sand. Das Wasser wird in den Bearbeitungskreislauf zurück geführt. Das sandige Material wird auch für die Aufschüttung im Abbaugebiet verwendet.
 

Stone-Ideas.com: Und wenn sie zuletzt die Platten zerschnitten und daraus zum Beispiel Fensterbänke, Küchenarbeitsplatten oder Fliesen für einen Fußboden gemacht haben – was passiert mit dem Verschnitt?

Hans-Jakob Bärlocher: Es gibt da viele Möglichkeiten. Für die Produktion unserer Gabionen benötigen wir Schotter. Dieser kann sehr gut aus den Sägeabschnitten hergestellt werden. Aus etwas größeren Abschnitten machen wir seit mehr als 25 Jahren unsere Weinflaschenkühler. Das ist ein Produkt, das den Rorschacher Sandstein auf eine spezielle Art bekannt macht. Wir haben über die Jahre mehrere Tausend Stück gemacht. Selbst für die kleinsten Steinchen gibt es Verwendungen. Stein ist ein Produkt aus der Natur, und wir müssen damit umgehen, wie es die Natur macht – auf einen Verwertungszyklus folgt der nächste.
 

Stone-Ideas.com: Umweltbelange und Klimaziele werden in der Öffentlichkeit zu immer wichtigeren Themen. Wie stehen Sie als Unternehmer dazu?

Hans-Jakob Bärlocher: Wir haben das Thema schon lange als Kennzeichen unseres Firmenkonzepts. Wir waren eines der ersten Natursteinunternehmen der Schweiz, das sich in Sachen Umwelt hat zertifizieren lassen. Inzwischen haben wir in verschiedenen Studien viele Details zu unseren Materialien untersuchen lassen. Sie finden die Daten auf unserer Webpage. Generell meinen wir: die ganze Gesellschaft muss sich umweltfreundlich und klimabewusst ausrichten – mit unseren Steinen, die 100% Natur sind und die Sie praktisch unbegrenzt aufarbeiten und wiederverwenden können, sind wir da ganz vorne mit dabei.

Bärlocher AG

Das Team der Bärlocher AG im Steinbruch.

(27.08.2021)